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Mitbestimmung bei DHL Delivery

Mitbestimmung bei DHL Delivery

Betriebsratswahlen bei den DHL Delivery GmbHs ver.di Betriebsratswahlen bei den DHL Delivery GmbHs

28.10.2015 +++ Bei den 49 neu gegründeten DHL Delivery GmbHs brauchen die Beschäftigten eine starke Interessenvertretung.

Der Postkonzern hatte im Frühjahr 2014 eine auf sieben Jahre ausgerichtete Wachstumsprognose verkündet. Das Ergebnis soll in diesem Zeitraum von 2,8 auf fünf Milliarden Euro steigen. Geld will das Unternehmen dafür auch von den Beschäftigten. So gründete die Deutsche Post AG im Januar dieses Jahres bundesweit parallel zu ihren 49 Briefniederlassungen 49 DHL Delivery GmbHs. Vielen ihrer befristet Beschäftigten bot die Deutsche Post AG unbefristete Beschäftigungsverhältnisse in den DHL Delivery-Gesellschaften an, zu anderen tariflichen Konditionen als dem Haustarifvertrag für die Beschäftigten der Deutschen Post AG. Zuvor verlängerte der Arbeitgeber viele befristete Beschäftigungsverhältnisse nicht mehr. In der Tarifauseinandersetzung mit der Deutschen Post AG war der Arbeitgeber nicht bereit, dieses Outsourcing rückgängig zu machen.  In den neuen Post-Töchtern sind inzwischen fast 8000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigt. Für sie gelten die tariflichen Reglungen der regionalen Flächentarifverträge für Speditionen und Logistik in den jeweiligen Bundesländern, wo sich die Post-Töchter befinden. ver.di hat in diesem Jahr die regionalen Flächentarifverträge für die Beschäftigten der Speditions- und Logistikbranche in Hamburg, in Schleswig-Holstein, in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, in Berlin und Brandenburg, in Rheinland-Pfalz, in Hessen und in Niedersachsen verhandelt. Es geht nun darum, für die Beschäftigten der DHL Delivery GmbHs die Arbeitsbedingungen auszugestalten und dazu als starke Interessenvertretung Betriebsräte zu wählen. Wie der Konzernbetriebsrat des Unternehmens den Prozess unterstützt, welche Themen anstehen, darüber sprachen wir mit dem Vorsitzenden Thomas Koczelnik. 

Thomas Koczelnik Kay Herschelmann Thomas Koczelnik

Frage | Wie ist der Stand der Betriebsratswahlen bei den neuen Post-Töchtern?

Thomas Koczelnik| Von den 49 Regionalgesellschaften der DHL Delivery GmbHs sind durch den Konzernbetriebsrat seit April dieses Jahres nunmehr in 30 Regionalgesellschaften betriebliche Wahlvorstände zur Vorbereitung und Durchführung von Betriebsratswahlen bestellt worden. Erste Betriebsräte haben ihre wichtige Arbeit vor Ort aufgenommen und auch die Entsendung in den Konzernbetriebsrat nimmt stetig weiter zu. Dies freut mich sehr! 

Frage | Was brauchen die neuen Betriebsräte derzeit am Nötigsten?

Thomas Koczelnik| Vor allem brauchen sie Unterstützung. Das wird der Konzernbetriebsrat über die turnusmäßigen Sitzungen hinaus nach Kräften tun. Dabei gilt es aktuell und mittelfristig den umfangreichen Beteiligungs- und Mitbestimmungsrechten der örtlichen Betriebsräte aus dem Betriebsverfassungsgesetz nachhaltig Gehör und Geltung im Betrieb zu verschaffen. Dies ist sicherlich einfacher gesagt als getan. Viele der Kolleginnen und Kollegen in den Betriebsräten sind ganz neu im Geschäft, doch sind die Kolleginnen und Kollegen, die ich bisher kennenlernen durfte, alle hoch motiviert. Dies stimmt mich sehr positiv für ihre und damit für unsere anstehenden Aufgaben.  Wichtig sind die betriebsverfassungsrechtlichen Grundlagenseminare unserer gewerkschaftlichen Bildungsträger und die Bildungsangebote in den jeweiligen ver.di-Landesbezirksfachbereichen. Sie sollten wir als Organisation besonders in den Mittelpunkt der Bildungsmaßnahmen des nächsten Jahres rücken. Denn Wissen ist bekanntlich Macht.

Frage | Welche Themen treiben euch bei den neuen Gesellschaften am meisten um?

Thomas Koczelnik| „Gute Arbeit“! Gemeinsam mit ver.di werden wir das Thema „Gute Arbeit“ unter Beachtung der jeweiligen Flächentarifverträge der Speditions- und Logistikbranche in den Fokus stellen. Die aktuellen Tarifabschlüsse von ver.di in Rheinland-Pfalz, Berlin-Brandenburg, Hessen und Niedersachsen mit tabellenwirksamen Entgelterhöhungen von 2,2 bis 3,1 Prozent bewerte ich dabei als sehr positiv.  Ein Thema „Guter Arbeit“ ist die Arbeitszeit. Dazu gibt es in den jeweiligen Flächentarifverträgen Regelungen, die in den Betrieben gelten oder aber weiter ausgestaltet werden müssen. Sobald ein Betriebsrat besteht, hat dieser auch dazu ein umfangreiches Mitbestimmungsrecht. Dabei brauchen die jeweiligen Arbeitgeber überhaupt nicht die „Mitbestimmung zu lieben“, vielmehr reicht es aus, in den Betrieben faire Rahmenbedingungen zu schaffen, die sicherstellen, dass die Rechte der gewählten Betriebsräte und damit die Rechte der Beschäftigten auch tatsächlich Beachtung finden. Genau deshalb werden wir alles dransetzen, dass sich bei den Delivery GmbHs Betriebsräte bilden, die betriebliche Regeln mitgestalten, um dort Beschäftigte zu schützen. Dabei ist aber klar, am Ende wird es auf die Durchsetzungsfähigkeit ankommen. Die ist nur gegeben, wenn sich die Kolleginnen und Kollegen organisieren. Daran werden wir gemeinsam mit Nachdruck arbeiten.