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Nur mit eigenen Beschäftigten

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Zustellung von Lebensmitteln durch DH-Kurier
C. v. Polentz / transit Zustellung von Lebensmitteln durch DHL-Kurier

28.2.2014 +++ Der Paketmarkt wächst. Auch die Deutsche Post AG möchte daran teilhaben und investiert kräftig in den Ausbau einer Infrastruktur, die diesen Zuwachs verarbeiten kann und zugleich auch neue Leistungsmerkmale für die Kunden umfasst. Dass der Paketmarkt wächst, ist aus Sicht von ver.di überaus positiv. Denn das sichert Beschäftigung und schafft Perspektiven. Dieses Wachstum darf allerdings nicht zulasten der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten gehen. Das gilt für die Deutsche Post AG ebenso wie für die anderen Unternehmen der Paketbranche.

Maßgeblicher Treiber des Wachstums im Paketmarkt ist das Internet. Das Einkaufen über das Internet boomt. Die Kundinnen und Kunden bestellen über das Internet Waren aller Art und möchten diese möglichst nach ihren Wünschen, nämlich dann, wenn auch jemand zu Hause ist, geliefert bekommen. Längst ist das Onlinegeschäft nicht mehr auf Bücher, Unterhaltungselektronik oder auch Kleidung beschränkt. Sperrige Güter wie Möbel können bestellt werden und auch transportsensible Güter wie Lebensmittel oder Medikamente.  Die Deutsche Post AG möchte das Feld der neuen Dienstleistungen im Bereich der Zustellung erweitern. Unter dem Namen „DHL Kurier bietet sie Geschäftskunden aus dem Lebensmittelbereich einen termingenauen Vertrieb zu den Kunden an. Sie erhalten ihre über das Internet bestellte Ware entweder noch am gleichen Tag oder aber an einem anderen gewünschten Tag. Die Lieferung erfolgt wahlweise in einem Zeitfenster zwischen 18 und 20 Uhr oder 20 und 22 Uhr. 

Pilotphase ist geregelt.

Für diese neue Dienstleistung in der Zustellung haben ver.di und der Gesamtbetriebsrat mit der Deutschen Post AG im Februar eine Gesamtbetriebsvereinbarung über einen Pilotbetrieb an ausgewählten Standorten abgeschlossen. Dies war dringend notwendig geworden und ist ein gewerkschaftspolitischer Erfolg. Denn die Deutsche Post AG hatte sich bereits auf den Weg gemacht, diese neue Dienstleistung ungeregelt fremd zu vergeben. Für ver.di aber ist klar: Die Zustellung ist Kerngeschäft der Deutschen Post AG. Das konnte nun mit der Gesamtbetriebsvereinbarung aufgefangen werden.  Aktuell gibt es die neue Dienstleistung von DHL Kurier in Berlin, Hamburg, Köln, München, Stuttgart und dem Ruhrgebiet. Bis Mai soll der Pilotbetrieb auf Bremen, Bonn, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hannover und Nürnberg ausgeweitet werden. Die Deutsche Post AG wollte zunächst die gesamte Zustellung im Bereich von DHL Kurier nicht von eigenen Beschäftigten, sondern über ihr Tochterunternehmen DHL Home Delivery GmbH und von Subunternehmern erledigen lassen. ver.di und der Gesamtbetriebsrat der Deutschen Post AG haben das gegenüber dem Arbeitgeber kritisiert.  Schon vor dem Abschluss der  Gesamtbetriebsvereinbarung war es zu Vertragsabschlüssen zwischen der Deutschen Post AG und der DHL Home Delivery GmbH beziehungsweise einigen Subunternehmern gekommen. Diese hätten ohne finanzielle Verluste nicht wieder rückgängig gemacht werden können. Deshalb wurde hierzu für den Pilotierungszeitraum ein Kompromiss vereinbart. Entsprechend legt die Gesamtbetriebsvereinbarung fest, dass die Lieferung von DHL Kurier an acht der zwölf Standorte ausschließlich mit eigenen Beschäftigten der Deutschen Post AG erfolgt. Das sind Standorte in den Bereichen der Niederlassungen Dortmund, Düsseldorf, Bonn, Frankfurt am Main, Nürnberg, Hannover, Bremen und Berlin-Zentrum. An vier Standorten werden bis zum Ende der Pilotierung die Aufträge durch die DHL Home Delivery GmbH beziehungsweise durch Subunternehmen durchgeführt. Das betrifft Standorte der Niederlassungen Hamburg-Zentrum, Köln-West, Stuttgart und München.

Auswirkung wird geprüft

Die Pilotierung an den zwölf Standorten läuft bis Ende Mai 2014. Während dieser Zeit soll festgestellt werden, wie sich die neue Dienstleistung auf die betrieblichen Abläufe und die eingesetzten Betriebsmittel auswirkt. Außerdem soll die Möglichkeit des Einsatzes von Vollzeitbeschäftigten in Verbindung mit Aufgaben aus der Regelzustellung erprobt werden.  

Unsere Perspektive

Position von ver.di und den Betriebsräten ist, dass alle Arbeiten in der Zustellung von eigenen Beschäftigten erledigt werden müssen, unabhängig davon, ob es sich um die Regelzustellung oder um gegebenenfalls neue Dienstleistungen handelt. Aus Sicht von ver.di müssen neue Aufgaben in vorhandene Zustellstrukturen integriert werden. Das sichert die Vollzeitbeschäftigung in der Zustellung.  Viele Zustellerinnen und Zusteller leiden unter einseitigen Bewegungsabläufen. Auch hier können neue Zustellformen eine Möglichkeit sein, die Arbeitsabläufe inhaltlich und ergonomisch abwechslungsreicher zu gestalten. Das ist eine wichtige Perspektive für die Zustellerinnen und Zusteller, damit sie den Beruf bis zur Rente ausüben können und nicht vorher krankheitsbedingt ausscheiden müssen.