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Und er bewegt sich doch

Deutsche Post DHL

Und er bewegt sich doch

ver.di protestiert vor dem Post-Tower für mehr Ausbildungsplätze. Jürgen Seidel ver.di protestiert vor dem Post-Tower für mehr Ausbildungsplätze.

1.12.2014 +++ Jetzt also doch! Endlich hat die Deutsche Post DHL das Ausbildungsplatzangebot für das kommende Jahr vorgelegt.

Es umfasst 2375 Ausbildungsplätze sowie Studienplätze an Dualen Hochschulen. Das ist ein deutliches Plus im Vergleich zu den 1913 Ausbildungsplätzen in diesem Ausbildungsjahr. 

Seit Monaten hatte ver.di den Arbeitgeber aufgefordert, rechtzeitig ein gutes Angebot an Ausbildungsplätzen im Konzern für junge Menschen auszuarbeiten. Passiert ist lange nichts. Das wohl auch deshalb, weil der Vorstand im November 2013 verkündet hatte, er könne sich in Zukunft keine Auszubildenden mehr leisten. Ihm seien die zwischen ihm und ver.di tarifvertraglich vereinbarten Entgelte zu teuer.  Sind 11,78 Stundenlohn für einen ausgelernten Zusteller etwa zu viel? Das fragten sich daraufhin am 6. Dezember vergangenen Jahres rund 1500 ver.di-Mitglieder auf einer Kundgebung vor dem Posttower in Bonn gegen eine solche Unternehmenspolitik. Ein gesunder Konzern wie die Deutsche Post DHL darf sich der gesellschaftlichen Verantwortung für die Ausbildung junger Menschen nicht entziehen. Außerdem ist es zur Sicherung der unternehmerischen Zukunft und vor dem Hintergrund der Altersstruktur der bestehenden Belegschaft unerlässlich, auszubilden. Diese Position hat ver.di gegenüber dem Arbeitgeber immer wieder dargelegt und eine entsprechende Ausbildungspolitik eingefordert. Außerdem hat ver.di sämtliche Versuche des Arbeitgebers, irgendwelche Preise für das Bereitstellen einer Ausbildungsquote zu bezahlen, entschieden zurückgewiesen. Es ist die ureigenste Aufgabe eines Unternehmens, auszubilden. Dafür kann, will und darf eine Belegschaft und eine Gewerkschaft keine Preise bezahlen. 

Diese konsequente Haltung war richtig. Zwar spät – aber dennoch – hat der Konzern seine Planung für das nächste Ausbildungsjahr vorgelegt. 2000 junge Menschen sollen im Unternehmensbereich Post, e-commerce und Parcel (kurz PeP, vormals Bereich Brief) ausgebildet werden, 185 im Unternehmensbereich Global Forwarding und Freight, 83 junge Menschen im Expressbereich, 67 im Unternehmensbereich Supply Chain und 40 junge Menschen im Unternehmensbereich Services.  Dass der Konzern mehr Ausbildungsplätze im nächsten Jahr anbietet, ist positiv. Nicht nur merkwürdig sondern schlichtweg unerträglich ist allerdings, dass es von den bundesweit 49 Niederlassungen Brief genau eine gibt, die keinen einzigen Ausbildungsplatz bekommen soll – die Niederlassung Berlin Südost. Alle anderen Niederlassungen sollen mindestens 20 junge Menschen ausbilden können. Diese Nullquote ist durch nichts zu begründen und kann nicht hingenommen werden. „Weiße Flecken“ darf es in der Berufsausbildung nicht geben.