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Protest vor dem Post-Tower

Protest vor dem Post-Tower

ver.di protestiert vor dem Post-Tower für mehr Ausbildungsplätze. Jürgen Seidel ver.di protestiert vor dem Post-Tower für mehr Ausbildungsplätze.

6.12.2013 +++ Über 1500 ver.di-Mitglieder der Deutschen Post AG haben heute auf einer Kundgebung in Bonn vor dem Post-Tower für mehr Ausbildungsplätze demonstriert. Der Konzern Deutsche Post DHL will im nächsten Jahr 200 Auszubildende weniger einstellen und begründet das damit, dass die ausgelernten Beschäftigten „zu teuer“ seien.

Trotz des widrigen Wetters waren Beschäftigte aus dem ganzen Bundesgebiet dem Aufruf von ver.di gefolgt und mit Bussen nach Bonn gereist. Am Kundgebungsort vor dem Post-Tower in Bonn zeigten sie Flagge gegen eine Unternehmenspolitik, die darauf ausgerichtet ist, die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern, um die Gewinne zu erhöhen. Im kommenden Jahr sollen –
statt wie aktuell 2100 Auszubildende – nur noch 1900 junge Menschen ausgebildet werden. Der Vorstand der Deutschen Post AG sagt, er könne die ausgelernten Beschäftigten nicht zu den mit ver.di vereinbarten Tariflöhnen übernehmen. „Da fragt man sich doch: Ein Stundenlohn von 11,48 Euro für einen ausgelernten Zusteller soll zu viel Geld sein? Das will ein Unternehmen, welches milliardenschwere Gewinne macht, nicht finanzieren können? Das ist ein Skandal. Ein solches Verhalten vernichtet Zukunft“, sagte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis.

Mit dem Generationenvertrag hätten ver.di und die Deutsche Post AG im Jahr 2011 ein Tarifvertragswerk geschaffen, das jungen
Menschen Perspektive gebe und älteren Beschäftigten Wege eröffne, trotz der schweren Arbeit abschlagsfrei in Rente gehen zu können. Dafür sei das Unternehmen im März 2013 mit dem Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft ausgezeichnet worden. „Das ist ein Preis, den die Deutsche Post AG zu Recht bekommen hat. Aber statt darauf zukunftsgerichtet zu reagieren und
mehr junge Menschen auszubilden, stellt sie ihn ins Regal und streicht Ausbildungsplätze“, sagte Andrea Kocsis. ver.di werde es nicht hinnehmen, dass aus „einem Unternehmen mit einem guten Ruf eine Billiglohnbude“ werde. Es könne nicht sein, dass das Management Millionen verdiene und für die Beschäftigten nicht einmal mehr die Arbeitsmittel, die sie bräuchten, um ihre Arbeit zu
verrichten, zur Verfügung stünden. Andrea Kocsis kritisierte den Ansatz des Vorstandes, „mit Niedriglöhnen, mit Leiharbeitnehmern, mit befristeten Kräften, die man täglich feuern kann, Menschen zu einer flexiblen Masse zu machen“. Sie erklärte: „Wir lehnen den Ausverkauf der Zukunft ab“.

Allein bis Mitte November hatte die ver.di-Jugend in den Betrieben rund 7000 Unterschriften für mehr Ausbildungsplätze
gesammelt. Auf der Kundgebung sprach Thomas Hampel, der Vorsitzende des Bundesfachbereichsjugendfachkreises. In Deutschland beschäftige der Konzern rund 210.000 Menschen. Die Zahl von 1900 Auszubildenden sei viel zu gering. Die Beschäftigten würden Überstunden leisten, es gebe einen hohen Krankenstand. „Wer soll denn die Arbeit übernehmen“, fragte
Hampel. „Wir mögen in unterschiedlichen Unternehmen arbeiten, aber uns trennt keiner“, sagte Mario Nowak von der Gewerkschaftsjugend des Fachbereiches Telekommunikation, Informationstechnologie und Datenverarbeitung aus Nordrhein-Westfalen in der Solidaritätsbotschaft an die Kundgebungsteilnehmer.

Thomas Koczelnik, der Vorsitzende des ver.di-Bundesfachbereichsvorstandes, machte klar, dass es die Beschäftigten seien, die die Gewinne erwirtschafteten. Sie seien es, die die Pakete und die Briefe den Kunden zustellten. „Wir werden uns wehren, wenn der Vorstand uns an die Löhne will und wir lassen nicht zu, wenn die Zukunft der Jugend verspielt wird“, sagte er.