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Perspektivwechsel: Jugend in der Ausbildung

Perspektivwechsel: Jugend in der Ausbildung

Collage Jugend ver.di Jugend in der Branche

14.11.2013 +++ Annika, Carina, Felix, Marcel, Pia, Steffen, Tobias und Vanessa haben ihre Ausbildung begonnen in Speditions- und Logistikunternehmen, bei Kurier-, Express- und Paketdiensten und den Briefdiensten. Hier erzählen sie über sich, wie sie angekommen sind in den Unternehmen, warum sie gerade diesen Ausbildungsberuf gewählt haben und was ihre Hoffnungen sind.

Die internationale Vernetzung der Warenströme hat in den vergangenen Jahren zu einer gestiegenen Nachfrage in der Branche geführt. In der Folge ist in weiten Teilen auch der Personalbedarf angewachsen, beurteilt das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) in der aktuellen Marktbeobachtung die Situation. Dies betrifft zum einen die Speditionskaufleute und Kaufleute für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen. Zum anderen ist ein deutlicher Beschäftigungszuwachs bei den Kraftfahrzeugführern und den Fachkräften für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen zu beobachten. 

Bewerber für eine Ausbildung in der Branche gibt es tendenziell weniger. Unternehmen würden das auf mangelndes Interesse junger Leute an der Logistikbranche und die Bevorzugung anderer Branchen zurück führen. Maßgeblich für die rückläufige Bewerberanzahl jedoch sei, so das BAG, dass es weniger Schulabgänger gebe und damit weniger potenzielle Arbeitskräfte, auch für den Logistikmarkt.

Wo die Ausbildungsberufe in der Logistik in der Wahl junger Menschen stehen, zeigt das Ranking des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Unter den 331 Berufen lag im vorigen Jahr die Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik an 18. Stelle; rund 10 000 Jungen und Mädchen haben sich dafür entschieden. Platz 27 belegte die Ausbildung zum Kaufmann für Speditions- und Logistikdienstleistungen, die Ausbildung zum Berufskraftfahrer Platz 39, die Ausbildung zur Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen Platz 59 und die Ausbildung zum Kaufmann für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen Platz 190. 

Laut Bundesagentur für Arbeit wurden in diesem Jahr rund 17 000 Ausbildungsplätze zur Fachkraft für Lagerlogistik angeboten. Fast 500 davon sind unbesetzt geblieben. Drastischer sieht es bei der Ausbildung zur Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen aus; von zirka 1800 Ausbildungsplätzen blieb jeder dritte frei. Bei der Ausbildung zum Berufskraftfahrer blieb fast jeder zwölfte der 4190 angebotenen Plätze frei. 

Umso wichtiger ist es, auch vor dem Hintergrund demografischer Entwicklungen, dass Unternehmen frühzeitig Jugendliche davon überzeugen, dass sie einen wichtigen Ausbildungsberuf in ihrem Unternehmen anzubieten haben. Und die Branche bietet interessante Aufgaben und stellt hohe Anforderungen an ihre Beschäftigten. Dass in der Logistik die Wertschätzung der Arbeit deutlich ausbaufähig ist und wie das gelingen kann, hat ver.di in der Konferenz zur Zukunft der Logistik "Logisch - Logistik!" mit Vertretern von Universitäten und Fachhochschulen sowie Verbänden und Führungskräften aus Unternehmen erörtert. Um unsere gewerkschaftspolitischen Vorhaben dazu umzusetzen, müssen wir unsere jungen Kolleginnen und Kollegen an unsere Seite wissen.

Unsere jungen Kolleginnen und Kollegen haben mit ziemlich genauen Vorstellungen ihre Ausbildung in der Branche gewählt. Wer sie sind und was sie bewegt, erzählen sie uns hier.

Bereich mit Wachstum

Pia hat bei dem Paket- und Expressdienstleister DPD Geo Post Deutschland in der Niederlassung Ludwigsburg ihre Ausbildung begonnen. Sie will Kauffrau für Bürokommunikation werden. Auf die Frage, warum sie diese Ausbildung wollte, sagt sie: „Der Beruf ist abwechslungsreich, man hat viel mit Kunden zu tun. Und es macht mir Spaß zu schreiben und zu organisieren.“ Tobias, der seine Ausbildung als Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistungen bei dem international tätigen Logistik- und Gütertransportunternehmen Kühne+Nagel am Flughafen in Frankfurt am Main begonnen hat, meint: „Ich habe was gesucht, was mich fordert und fördert. Der Bereich Logistik hat Wachstum. Transportiert werden muss immer was. Zu dem ist der Flughafen Frankfurt am Main ein sehr interessanter Bereich. Gesucht habe ich ein Unternehmen, das sich viel um Auszubildende kümmert, wo Ausbildung einen hohen Stellenwert hat.“ Als „perspektiv- und abwechslungsreich“, bewertet auch Marcel seinen zukünftigen Beruf. Er hat bei P&M Logistics, einem Unternehmen, welches mit maßgeschneiderten Lösungen für Lagerung und Distribution hochwertiger und sensibler Güter wirbt, seine Ausbildung zum Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistungen begonnen. Annika, die im gleichen Unternehmen und Ausbildungsberuf gestartet ist, meint: „Ich wollte in den kaufmännischen Bereich. Und in einer Spedition lernt man viele verschiedene Bereiche kennen.“ Steffen, ebenfalls in dem Unternehmen, erfüllt sich seinen Kindheitstraum mit der Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Felix, der Fachkraft für Lagerlogistik werden will, hat bereits einige Praktika in dem Bereich absolviert. Dass sie ihm gefallen haben, hat zu seiner Entscheidung beigetragen. In der Kindheit ist auch bei Carina der Berufswunsch herangereift: „Ich habe als Kind schon immer gern Post gespielt“, sagt sie, und als vor der Bewerbung die Probewoche gut lief, „habe ich mich entschieden, Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen zu werden.“ Vanessa, ihre junge Kollegin, die auch in der Niederlassung in Hannover der Deutschen Post AG diese Ausbildung absolviert, hat in ihren Ferien bei der Deutschen Post gearbeitet. Das habe ihr Spaß gemacht, meint sie, und daher habe sie sich dort beworben.   

Angekommen im Betrieb

Und welche Eindrücke haben sie von den ersten Wochen? Dass man in einem so großen Unternehmen in verschiedene Abteilungen kommt, findet Pia gut. Und auch das Arbeitsklima sei gut. „Mir gefällt es gut, es wird nie langweilig, ich hab viel zu tun. Das Umfeld passt, die Kollegen sind nett. Das ist positiv“, meint Tobias. Die vielen unterschiedlichen Aufgaben schätzt auch Marcel. Es sei keinesfalls monoton. „Mir gefällt, dass mich die Kollegen gut aufgenommen haben und mir auch schwerere Aufgaben zumuten“, so Annika. Carina und Vanessa sind sich darin einig: Es macht Spaß, unterwegs zu sein und Kundenkontakt zu haben. Und es sei ein gutes Team, die Kollegen seien gut drauf und nett.

Wo sie sich in der Zukunft sehen? Natürlich ist da die Hoffnung, übernommen zu werden, darin stimmen alle überein. Einige wollen sich in der Logistik weiterbilden. So wie Tobias, der an ein Auslandpraktikum und Studium denkt und Vanessa, die im Unternehmen bleiben und sich weiter qualifizieren will. Und Carina sieht in der Paket- oder Verbundzustellung ihren Platz.

Zukunft braucht Sicherheit

So genau viele ihrer Vorstellungen zu ihrer Ausbildung und Zukunft sind, gefragt nach den Tarifverträgen, fehlen ihnen die Kenntnisse. Über die sozialen Rahmenbedingungen ihrer Ausbildung und ihrer zukünftigen Jobs ist ihnen wenig bekannt. Kontakt zur Gewerkschaft habe es gegeben, so sagen die meisten, und zwar durch ihre Betriebsräte oder auch bei der Begrüßungsveranstaltung. 

Doch um mitbestimmen zu können, müssen die Auszubildenden ihre Rechte kennen, sich vernetzen und organisieren. Manchmal braucht es dazu jemand, der das mit ankurbelt. Betriebsräte sind da ein guter Partner. Helmut Keller, Betriebsrat der Deutschen Post AG in der Niederlassung Ravensburg meint: „Bei mir gibt es keine Sprüche, die für einen Eintritt in ver.di sprechen. Wir werben mit kontinuierlicher, ehrlicher und engagierter Arbeit im Betrieb. Hierzu gehört eine seriöse, positiv formulierte Wortwahl im Umgang mit den Jugendlichen. Ebenso ist eine tägliche Begeisterung und Mitnahme der Jugendlichen im betrieblichen Alltag eine der besten Voraussetzungen. Im Rahmen eines Projektes stellen wir am Beginn der Ausbildung die Arbeit des Betriebsrates in Zusammenarbeit mit ver.di vor. Ich berichte gerne aus den Tarifverhandlungen. So erfahren die jungen Menschen eine praxisnahe Gewerkschaftsarbeit. Ebenso berichte ich von den vielen Regelungen und Sozialstandards, die wir durch unseren hohen Organisationsgrad erreichen konnten. Als ihre Gewerkschaft sehen die Auszubildenden eine aktive Person, die zu jeder Zeit zur Verfügung steht. Sie kennen ihre Ansprechpartner im Betrieb und wissen, dass sie uns über Mobiltelefon, per SMS oder Mail kontaktieren können. Ich kenne die Sorgen der Auszubildenden und nehme ihr Anliegen ernst. Wir sind auf gleicher Ebene. Das kommt an.“ Der Betriebsrat Jörg Plagge von der Süderelbe Logistik GmbH in Hamburg erzählt über ein gut funktionierendes Patenschaftsmodell. „Ein junger Mensch muss zu Beginn seines Jobs eine Fürsorge erhalten. Mit unserem Patenschaftsmodell hat jeder Auszubildende bis zum Ende seiner Ausbildung einen Paten an seiner Seite.“ Wenn es noch dazu aktive Jugend- und Auszubildendenvertretungen im Unternehmen gibt und Auszubildende, wie Tobias, der meint: „Ausbildung soll man nicht auf die leichte Schulter nehmen, sie ist Grundlage für später“ und schlussfolgernd meint, es sei „wichtig für die Auszubildenden da zu sein, deshalb möchte ich mich in der JAV engagieren“, dann sind viele gute Voraussetzungen für den Start in den Beruf gegeben.