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Gefährdungen beurteilen

Erkennen und Vermeiden von Gefahren

Gefährdungen beurteilen

30.3.2016 +++ Es ist einem oft nicht konkret bewusst, dass man im Alltag schlicht Gefährdungsbeurteilung vornimmt: Wer auf dem Weg zur Arbeit eine Straße überquert, schaut nach links und rechts, bleibt stehen oder überquert sie, je nach Verkehrslage oder entscheidet sich eine Ampel zu suchen. Wer will sich schon einer unnötigen Gefahr aussetzen? Nicht viel anders verhält es sich im Arbeitsschutz. Gefahren zu erkennen und sie zu vermeiden ist Aufgabe und Ziel. 

Das wichtigste Gesetz für den betrieblichen Arbeitsschutz ist das Arbeitsschutzgesetz, sein wichtigstes Instrument die Gefährdungsbeurteilung. Sie bietet die Möglichkeit, Gefahren oder Gefährdungen zu erkennen, Unfälle zu verhindern und Belastungen zu vermeiden, schlicht Arbeitsbedingungen zu verbessern. 

Verpflichtet dazu, die Gesundheitsgefahren und -gefährdungen am Arbeitsplatz zu beurteilen und über notwendige Schutzmaßnahmen zu entscheiden, ist der Arbeitgeber. Die Gefährdungsbeurteilung ist dafür das geeignete Instrument, um seiner Fürsorgeverpflichtung nachzukommen. Die Geburtsstunde der Gefährdungsbeurteilung ist das Arbeitsschutzgesetz von 1996. Der Paragraf 5 fordert von jedem Arbeitgeber eine „Beurteilung der Arbeitsbedingungen“. Seit dem Jahr 2013 ist der Arbeitgeber zudem gesetzlich verpflichtet, neben den körperlichen auch die psychischen Gefährdungen im Arbeitsalltag zu erfassen.  

Gefährdungsbeurteilung bei der Deutschen Post AG

Bei der Deutschen Post AG gibt es seit vielen Jahren eine Muster-Gefährdungsbeurteilung, vereinbart zwischen dem Arbeitgeber und dem Gesamtbetriebsrat. Wenn auch eine veränderte Rechtsprechung im Jahr 2004 dafür die Zuständigkeit bei den Betriebsräten vor Ort sieht, führte das nicht dazu, diese Muster-Gefährdungsbeurteilung ad acta zu legen. Im Gegenteil: Seit psychische Gefährdungen zu erfassen sind, hat der Arbeitgeber in Abstimmung mit ver.di und dem Gesamtbetriebsrat diese Erfassung in die Muster-Gefährdungsbeurteilung integriert. 

Verfahren zur Erprobung 

Um das Verfahren, welches in der Muster-Gefährdungsbeurteilung beschrieben ist, auf seine Funktionalität zu überprüfen, haben sich die Deutsche Post AG, ver.di und der Gesamtbetriebsrat auf eine Erprobung verständigt. 

Das Verfahren, bestehend aus einer Checkliste mit Fragen zu den Bereichen Arbeitstätigkeit, Arbeitsorganisation und soziale Bedingungen, wird gesteuert von einem paritätisch besetzten Gremium mit zwei Mitgliedern des Betriebsrates und zwei Vertretern des Arbeitgebers. Sie entscheiden anhand der beantworteten Fragen, ob eine Gefährdung der Beschäftigten hinsichtlich psychischer Belastungen vorliegt. Vertrauenspersonen der Schwerbehinderten, Betriebsärzte, Fachkräfte für Arbeits‧sicherheit, Sicherheitsbeauftragte und Beschäftigte können beratend daran teilnehmen. Beginnend vom 1. Juni bis zum 31. August wird die Erprobung in den Niederlassungen Brief Freiburg, Halle, Hamburg-Zentrum, Koblenz, Zwickau und der Service-Niederlassung HR Deutschland stattfinden. Dort, wo es vor Ort bereits Betriebsvereinbarungen zur Gefährdungsbeurteilung gibt, bleiben diese von dem Prozess unberührt.

Nach der Erprobung werden ver.di und der Gesamtbetriebsrat anhand der Auswertung entscheiden, ob das ein Weg ist, Gefährdungen, die durch psychische Belastung entstehen, anzugehen und ob Schritte zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen damit getroffen werden können.

Ar­beits­be­din­gun­gen kön­nen den Be­schäf­tig­ten an die Ge­sund­heit ge­hen. Da ist es gut, dass beim Ar­beits- und Ge­sund­heits­schutz die Mög­lich­kei­ten der Be­triebs­rä­te ge­wal­tig sin­d.

Handlungshilfe zur Gefährdungsbeurteilung

Broschüre zur Gefährdungsbeurteilung