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Eine Pause tut allen gut

Eine Pause tut allen gut

Pausen sind produktiv ver.di Pausen sind produktiv

7.6.2014 +++ Vom 2. bis 6. Juni war ver.di mit kreativen Ideen und Aktionen in Sachen „Pause“ unterwegs. Die Kolleginnen und Kollegen gingen zu den Beschäftigten an ihre  Arbeitsplätze, trafen sie vor den Werktoren und sprachen Menschen auf der Straße zu dem Thema an.

Das Arbeitszeitgesetz von 1994 regelt, wie es mit den Ruhepausen im Job mindestens sein soll: 30 Minuten bei einer Arbeitszeit von sechs bis neun Stunden, bei mehr als neun Stunden 45 Minuten. Aufgeteilt werden können sie in Zeitabstände von mindestens 15 Minuten. Grundsätzlich sind in den Ruhepausen die Beschäftigten von der Arbeit und Verpflichtung zur Bereitschaft freizustellen. Über gesetzliche Regelungen hinaus gibt es auch Regelungen in Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen. Unsere Branche kennt zudem noch spezielle Vorschriften, die die Europäische Union verpflichtend geregelt hat, wie die Ruhezeiten für das Fahrpersonal von Lkw über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht. Ob das aber genauso geschieht,
steht auf einem anderen Blatt. So steht das Fahrpersonal fortlaufend in einem Spannungsfeld zwischen den Dispositionsplänen des Arbeitgebers, den Anforderungen der Kunden, den Zeitfenstern bei der Ladung der Ware und der Pflicht zur Einhaltung ihrer Lenk- und Ruhezeiten. Umden Anforderungen gerecht zu werden, stellen viele den Tacho des Fahrzeugs auf Pause, obwohl sie das Fahrzeug gerade be- und entladen oder es pflegen. Ihr Pausenbrot essen sie oft nebenbei beim Fahren zum nächsten Kunden. Davon weiß auch Michael Jacobs, ver.di-Betriebsgruppenvorsitzender und stellvertretender Betriebsrat in der Zentrale des Paketdienstleisters Hermes, zu berichten. Während der Aktionswoche von ver.di „Eine Pause tut allen gut“ sprach er im NDR über den Arbeitsalltag der Paketzusteller. Er erzählte über den Termindruck, warum ihre Pause häufig „wegfällt“ und wie schwer es ist, einen geeigneten Platz zwischen den Zustellfahrten zu finden, um die Pause auch wirklich einlegen und in Ruhe essen zu können.

Darüber, und was die größten Pausenkiller sind in unserem Arbeitsalltag, sprach ver.di in der Aktionswoche vom 2. bis 6. Juni. Aus gutem Grund. Laut einer Umfrage von TNS Infratest im Auftrag von ver.di gaben 90 Prozent der Befragten an, dass in ihrem Betrieb eine tägliche Ruhepause vorgesehen ist. Allerdings wird das Nehmen der Pausen immer häufiger infrage gestellt. Zehn Prozent der Befragten nutzen die Pausen selten oder nie, 20 Prozent nehmen die Pausen nur verkürzt in Anspruch. Hauptgründe für Pausen-Verzicht sehen 55 Prozent in zu viel Arbeit. 36 Prozent sehen sich in Verantwortung gegenüber ihren Kollegen, die in dieser Zeit dann übermäßig belastet sind. Dass Arbeitgeber es nicht zulassen, die Pause in Anspruch zu nehmen, benannten 13 Prozent als Grund. Zwei Drittel der Befragten nutzten Pausen nur verkürzt, da sie vor allem durch Arbeitsanforderungen gestört werden oder der weite Weg zu den Pausenräumen von der Pausenzeit abgeht. Aber als Grund geben sie auch an, dass sie selbst ihre Pausenzeiten nicht voll ausschöpfen. Michael Jacobs bezeichnet das als „selbst gemachtes Elend“. Das muss und darf nicht so sein. Gegen solche gelebte Praxis kann man etwas tun. Auch hat das Bundesarbeitsgericht den Betriebsräten in einer Entscheidung die Möglichkeit zugesprochen, den Arbeitgeber zur Einhaltung der Pausenvorschriften zu zwingen (BAG, Beschluss vom 7. Februar 2012, 1 ABR 77/10).

In der Aktionswoche sorgten die Kolleginnen und Kollegen unseres Fachbereiches an den Arbeitsplätzen der Beschäftigten nicht nur für Informationen zum Thema Pause, sondern auch für eine Pause. So luden sie, wie im Briefzentrum der Niederlassung der Deutschen Post AG in Weingarten, Zustellerinnen und Zusteller zum gemeinsamen Frühstück ein. Die Belegschaft des Schnelllieferdienstes trans-o-flex in Freising/Attaching hatte im Pausenraum viel zu gewinnen. Außer ver.di-Utensilien, die gut
für Pausenzeiten genutzt werden können, wie Kopfhörer, Kartenspiele und Strandtuch fürs kurze Sonnenbad, erhielten sie Antworten zu ihren Fragen rund um das Thema Pause.

Pausen sind eben produktiv.