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Der Postkonzern im Tiefschlaf

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Der Postkonzern im Tiefschlaf

Aktion der ver.di-Jugend: Auf den Postkarten an den 500 Luftballons kritisieren sie die schlechte Ausbildungspolitik des Unternehmens.
ver.di Aktion der ver.di-Jugend: Auf den Postkarten an den 500 Luftballons kritisieren sie die schlechte Ausbildungspolitik des Unternehmens.

23.10.2014 +++ Wenig weitsichtig ist die Nachwuchspolitik der Deutsche Post DHL.

Schon mehrfach haben wir in jüngerer Zeit über die von wenig Weitsicht geprägte Nachwuchspolitik des Postkonzerns berichtet und das Unternehmen mit Blick auf die Zukunftssicherung zu einer engagierteren Ausbildungspolitik aufgefordert. Leider muss dazu nun ein weiteres Kapitel angefügt werden.

Das Jahr 2014 ist weit vorangeschritten. Am 26. September 2014 konnte endlich ein Gespräch zwischen ver.di und dem Arbeitgeber Deutsche Post DHL zum Thema des Ausbildungsplatzangebotes stattfinden. Zu einem solchen Gespräch hatte ver.di den Arbeitgeber seit längerer Zeit aufgefordert. Dies aus Sorge, dass der Konzern nicht genügend geeignete Auszubildende gewinnen könne und zudem eine gesellschaftspolitische Verantwortung für eine gute berufliche Ausbildungsgrundlage junger Menschen habe.

Bislang war es zwischen ver.di und dem Arbeitgeber Deutsche Post DHL geübte Praxis gewesen, sich in jedem Jahr möglichst frühzeitig zusammenzusetzen, um auch unter der Abwägung von Chancen und Risiken über Ausbildungsquoten für das Folgejahr zu beraten. Denn nur rechtzeitiges Handeln ermöglicht es, geeignete Auszubildende auch erfolgsversprechend zu erreichen.

Insofern war klar, dass es wie in der Vergangenheit auch, in dem Gespräch am 26. September 2014 eine konkrete Grundlage mit Ausbildungsplatzzahlen differenziert nach Ausbildungsberufen in den Unternehmen des Konzerns geben wird, diese Zahlen mit ver.di nach Chancen und Risiken bewertet werden und die weitere Vorgehensweise festgelegt wird.

Diese gemeinsame Sichtweise hat die Arbeitgeberseite nun verlassen, indem sie sich am 26. September außerstande sah, Ausbildungsplatzzahlen für das bevorstehende Jahr 2015 vorzulegen. Als Begründung wurde lediglich vortragen, dass noch nicht abgeschlossene Prozesse konkrete Aussagen unmöglich machen würden. ver.di hat dazu in dem Gespräch vehement entgegnet, dass der Arbeitgeber bei dem festzustellenden Verharren im „Tiefschlaf“ in keiner Weise seiner gesellschaftspolitischen Verantwortung gerecht werde. Das immer wieder vollmundig ausgesprochene Bekenntnis „Arbeitgeber erster Wahl“ sein zu wollen, wird in diesem Zusammenhang als Worthülse ohne jeglichen Inhalt entlarvt. Zudem läuft der Konzern Gefahr, unnötig Risiken in der Bewältigung der herausragenden und unabdingbaren Zukunftssicherung einzugehen, indem eine gute Nachwuchskräftegewinnung schlichtweg verschlafen wird. So wird auch das Ziel des in starkem Maße genutzten Generationentarifvertrages der Deutschen Post AG verfehlt. Älteren Arbeitnehmern werden danach vor dem Renteneintritt verringerte Arbeitszeiten ermöglicht. Das dadurch entstehende Potenzial sollte jungen Menschen dauerhafte Beschäftigung sichern. Im Konzern und insbesondere in den Betrieben der Deutschen Post AG ist die demografische Struktur problematisch und es wäre zukunftsfördernd, über hohe Ausbildungsquoten eine Verjüngung des Personals zu bewirken. Daneben erfordert auch die Belastungssituation der Beschäftigten dringend mehr Personal.

Auf die Nachfrage von ver.di, wie sich die Arbeitgeber nunmehr ihre Verantwortung als Ausbildungskonzern und die Lösung ihrer ureigensten Zukunftsherausforderungen vorstellen würden, wurde erklärt, dass man keine konkreten Angaben über den Zeitpunkt machen könne, wann die arbeitgeberseitigen Prozesse abgeschlossen seien. Nach Abschluss dieser Prozesse werde man auf ver.di zukommen. In der Gesamtbewertung muss aus Sicht von ver.di eine unglaubliche Orientierungslosigkeit im Arbeitgeberlager festgestellt werden. Der Konzern Deutsche Post DHL bleibt aufgefordert, auf den Pfad einer konstruktiven Personalpolitik zurückzukehren.