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Ausgezeichnet – der Generationenvertrag

Ausgezeichnet – der Generationenvertrag

Produktionschef Uwe Brinks und Personalvorstand Angela Titzrath von der Deutschen Post AG und Stephan Teuscher von ver.di mit der Urkunde des Innovationspreises (v. l.) Markus Hintzen Produktionschef Uwe Brinks und Personalvorstand Angela Titzrath von der Deutschen Post AG und Stephan Teuscher von ver.di mit der Urkunde des Innovationspreises (v. l.)

11.03.2013 +++ Der zwischen ver.di und der Deutschen Post AG geschlossene Generationenvertrag kommt nicht nur bei den Beschäftigten der Deutschen Post AG gut an. Er findet auch im gesamten Land Anerkennung. Sein innovatives Potenzial wurde jetzt ausgezeichnet. Viele Beschäftigte halten der dauerhaften körperlichen Belastung bis zum Erreichen des gesetzlichen Rentenalters nicht stand. Daher ist es erklärtes Ziel von ver.di, tarifvertragliche Antworten zu finden, die es den Beschäftigten ermöglichen, gesund und abschlagsfrei in Rente zu gehen. Dazu wurde im Oktober 2011 zwischen der Deutschen Post AG und ver.di ein Generationenvertrag für die rund 130 000 Tarifbeschäftigten geschlossen. Im März dieses Jahres erhielt dieses Tarifmodell den Innovationspreis der deutschen Wirtschaft in der Kategorie Innovative Personalkonzepte.

Über den Generationenvertrag sprachen wir mit dem ver.di-Tarifexperten und Verhandlungsführer der Tarifverträge Stephan Teuscher. 

Frage | Bitte erkläre kurz, wie der Generationenvertrag funktioniert.
Stephan Teuscher |  Das bekannte Instrument der Altersteilzeit wurde mit dem Tarifvertrag zu Zeitwertkonten kombiniert. In einem Zeitwertkonto wird durch Einbringen von Geld ein Freistellungsanspruch erworben. Der Beschäftigte reduziert ab Eintritt in die Altersteilzeit seine Wochenarbeitszeit um 50 Prozent und erhält eine einkommensabhängige Altersteilzeitaufstockung auf 81 bis 87 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens. Dabei arbeitet er ab dem ersten Tag der Altersteilzeit in Teilzeit. Zum Ende der Altersteilzeit, unmittelbar vor Eintritt in die Rente, wickelt er das angesparte Zeitwertguthaben ab und wird entsprechend seines Guthabens bis zum Renteneintritt freigestellt. 

Frage | Ist das angesparte Zeitwertkonto finanziell für die Beschäftigten interessant?
Stephan Teuscher |  Ja. Der Beschäftigte leitet einen mit der Personalstelle vereinbarten Betrag vom Brutto – vor Zinsen und Sozialabgaben – in das Zeitwertkonto über. Dadurch sinkt das Netto nur anteilig des übergeleiteten Bruttobetrages. Das Guthaben im Zeitwertkonto wird zudem verzinst. Der effektive Jahreszins betrug im vergangenen Jahr 3,75 Prozent und das Guthaben im Zeitwertkonto wird auch in diesem Jahr mit 3,75 Prozent effektiv verzinst. Das ist gerade im Niedrigzinsumfeld ein sehr guter Zinssatz. Und es ist auch darauf hinzuweisen, dass – bei der Abwicklung des Zeitwertguthabens vor der Rente – die Deutsche Post AG den Freistellungsanspruch auf volle Monate aufrundet und je Monat Freistellungsanspruch einen zusätzlichen Arbeitszeitverkürzungstag gewährt.

Frage | Wird der Tarifvertrag von den Beschäftigten angenommen?
Stephan Teuscher | 
Der Tarifvertrag kommt bei den Beschäftigten gut an. Bereits über 15 000 Kolleginnen und Kollegen von ihnen haben ein Zeitwertkonto angelegt. 65 Prozent von ihnen sind Frauen. Die durchschnittlich ins Zeitwertkonto monatlich eingebrachten Bruttobeträge der letzten zwölf Monate lagen pro Teilnehmer bei über 200 Euro. Die Altersteilzeit nutzen bereits fast 800 Beschäftigte. Das ist ein echter Erfolg!

Frage | ver.di und die Deutsche Post AG kamen überein, auch für die Beamtinnen und Beamten eine wirkungsgleiche Regelung anzustreben. Wie ist hier der Sachstand?
Stephan Teuscher | Eine postspezifische Altersteilzeitregelung für die Beamtinnen und Beamten ist nur unter Einbeziehung des Gesetzgebers möglich, muss also verordnet werden. Dazu sind wir und die Deutsche Post AG mit der ausverhandelten Vereinbarung beim Bundesfinanzministerium vorstellig geworden. Zurzeit finden eine abschließende rechtliche Prüfung und letzte Abstimmungen zur Regelung statt. Wir gehen davon aus, dass eine Verordnung zur Altersteilzeit demnächst erfolgt, denn schon vor Abschluss der Verhandlungen mit der Deutschen Post AG haben das Unternehmen und ver.di im März 2012 das Modell und den damaligen Verhandlungsstand mit dem Finanzministerium erörtert. Dabei gab es keine grundsätzlichen rechtlichen Bedenken gegen die wirkungsgleiche Übertragung der Regelungen aus den Tarifverträgen auf die Beamten.