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Mehr! Nicht weniger.

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ver.di-Mitglieder fordern von der Deutschen Post AG auf einer
Demonstration quer durch Berlin
mehr Ausbildungsplätze und klare
Regelungen für die Übernahme der
ausgelernten Nachwuchskräfte. Aris Papadoupoulos ver.di-Mitglieder fordern von der Deutschen Post AG auf einer Demonstration quer durch Berlin mehr Ausbildungsplätze und klare Regelungen für die Übernahme der ausgelernten Nachwuchskräfte.

21.5.2014 +++ ver.di fordert von der Deutschen Post AG eine engagierte Ausbildungspolitik.

Weniger ist mehr – das hat sich wohl die Deutsche Post AG gedacht, als sie im letzten Jahr die Zahl der Ausbildungsplätze nach unten gefahren hat. Im Konzern sollen in diesem Jahr statt 2100 nur noch 1900 junge Menschen ausgebildet werden. Das ist ein Minus von zehn Prozent. Speziell im Bereich Brief, der neu als Bereich Post, E-Commerce und Parcel (PeP) firmiert, soll dabei die Zahl der Ausbildungsplätze von knapp 1700 auf 1500 verringert werden.

Die offizielle Begründung des Vorstandes dazu lautet, er könne die ausgebildeten jungen Menschen nicht übernehmen, da die mit ver.di vereinbarten Tarifverträge zu teuer seien. Schon im Dezember hatten auf einer Kundgebung vor dem Bonner Posttower über 1500 ver.di-Mitglieder gegen diese unerhörte Sichtweise des Vorstandes protestiert. Und ver.di macht weiter Druck. So haben Mitte Mai ver.di-Mitglieder in Berlin für mehr Ausbildungsplätze und klare Regelungen für die Übernahme demonstriert.

Seit Mitte vergangenen Jahres haben ver.di, der Gesamtbetriebsrat und der Konzernbetriebsrat den Arbeitgeber in zahlreichen Gesprächen zur Ausbildungsquote und der Übernahme der Ausgebildeten zum Handeln aufgefordert. Passiert ist lange gar nichts. Das ist umso unverständlicher, als dass der Konzern Deutsche Post DHL in seinem im Frühjahr veröffentlichten Geschäftsbericht für das Jahr 2013 auf Seite 96 bei der Benennung der möglichen Risiken für das Unternehmen schreibt: „Es sind unsere Mitarbeiter, die durch ihre Motivation und Qualifikation die Kunden überzeugen und damit unseren langfristigen Erfolg prägen. Im Zuge des demografischen Wandels und des verschärften Wettbewerbs um qualifizierte Fach- und Führungskräfte nimmt die Zahl potenzieller Nachwuchskräfte ab, besonders in unserem Kernmarkt in Deutschland. Deshalb besteht grundsätzlich das Risiko, geeignete Mitarbeiter nicht in ausreichender Zahl zu gewinnen und an uns zu binden. Mit verschiedenen Maßnahmen wollen wir dieses Risiko verringern. So legen wir großen Wert auf ein motivierendes Arbeitsumfeld sowie adäquate Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten.“ Das heißt also, der Vorstand der Deutschen Post AG beschreibt in seinem Geschäftsbericht das Risiko, dass dem Unternehmen insbesondere „im Kernmarkt“ Deutschland die Nachwuchskräfte fehlen und er reagiert auf dieses Risiko, indem er noch weniger Auszubildende einstellt und die bereits im Unternehmen befindlichen Auszubildenden im Unklaren über ihre Zukunft lässt. Das ist nicht nur schwer zu verstehen, das ist überhaupt nicht zu verstehen. Ganz offenbar ist aber nun der Arbeitgeber über den Schatten seines eigenen Unverständnisses gesprungen – zumindest was die Frage der Übernahme in diesem Jahr anbelangt. Er hat in einem Gespräch am 20. Mai zur Übernahme zugesagt, von den insgesamt rund 1550 Nachwuchskräften 78 Prozent unbefristet und in Vollzeit zu übernehmen. 22 Prozent der jungen Menschen allerdings sind nach Auffassung des Arbeitgebers für eine Übernahme nicht geeignet. Das ist aus Sicht von ver.di viel zu hoch. Eine engagierte Ausbildungspolitik sieht anders aus.