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Brief- und Paketmarkt

Im Wandel

Brief- und Paketmarkt

Post ver.di Post

4.4.2016 +++ Märkte verändern sich. Das gilt auch für den Brief- und Paketmarkt. Die eine Art von Sendungen nimmt zu, die andere Sendungsart geht zurück, neue Produkte entstehen. Auch die Arbeit der Beschäftigten im Vertrieb, im Umschlag, beim Transport und in der Zustellung verändert sich.

Das Internet gestaltet die Postbranche spürbar um, hat aber unter dem Strich bislang zu einem Wachstum geführt. Die Informationstechnik hat den Arbeitsalltag der Beschäftigten in starkem Maße durchdrungen. Die Unternehmen tüfteln daran, wie die Sendungen am besten zugestellt werden können. Die Grenzen zwischen Unternehmen für Briefdienste, für Pakete sowie Kurier- und Expresssendungen, auch für den Stückgutbereich, sind fließend. Auch Unternehmen aus anderen Branchen versuchen punktuell, eine eigene Zustelllogistik zu etablieren. Im Zuge der Liberalisierung des Briefmarktes waren es in Deutschland insbesondere die regionalen Zeitungsverlage, die sich von einem Einstieg in das Briefgeschäft Zuwächse erhofften. Jetzt, im Zuge des durch das Internet hervorgerufenen Wandels, bietet der dadurch überhaupt erst entstandene Versandhändler Amazon in Metropolen wie New York oder London eigene Zustellformate für ausgewählte Kunden an. In München hat Amazon damit begonnen, eine taggleiche Zustellung für bestimmte Produkte aufzubauen.  

Der Postmarkt wächst

Der Postmarkt – hier definiert als ein Markt, der lizenzpflichtigen Briefsendungen bis 1000 Gramm, Kurier-, Express- und Paketsendungen sowie adressierte Zeitungen und Zeitschriften umfasst – wächst. So weist die Bundesnetzagentur in ihrem aktuellen Tätigkeitsbericht einen Umsatz von 28,8 Milliarden Euro für das Jahr 2014 aus. Im Vergleich zum Vorjahr 2013 ist das ein Plus von 2,5 Prozent. Auf den lizenzpflichtigen Briefbereich entfallen 8,6 Milliarden Euro. Der Bereich der Kurier-, Express- und Paketsendungen hatte im Jahr 2014 einen Umsatz von 19,3 Milliarden Euro. Dabei entfiel auf den Teilbereich Paket mit 46 Prozent der größte Umsatzanteil, 43 Prozent des Umsatzes wurden im Bereich Express und 20 Prozent im Bereich Kurier erwirtschaftet. Die beförderte Sendungsmenge im KEP-Markt wuchs von 2,5 Milliarden Stück im Jahr 2013 auf 2,7 Milliarden Stück im Jahr 2014 an. Das entspricht einem Plus von 4,9 Prozent.

Postmärkte 2014 – Umsatz insgesamt Bundesnetzagentur Postmärkte 2014 – Umsatz insgesamt

Bei der Beförderungsleistung wird im KEP-Markt zwischen den drei Kundensegmenten B2B – Geschäftskunde zu Geschäftskunde, englisch: Business to Business, B2C – Geschäftskunde zu Privatkunde, englisch: Business to Customer und C2X – Privatkunde zu Jedermann, englisch: Customer to Any unterschieden. Bezogen auf den Umsatz entfallen 69 Prozent auf Sendungen im Segment B2B, 26 Prozent auf das Segment B2C und fünf Prozent auf das Segment C2X. Bezogen auf die Sendungen sind es 50 Prozent im Bereich B2B, 44 Prozent im Bereich B2C und sechs Prozent im Bereich C2X. Dass der Umsatzanteil im Segment B2B mit 69 Prozent deutlich über dem Anteil an Sendungsmengen mit 50 Prozent liegt, ist auf die relativ hohen Preise für Express- und Kuriersendungen zurückführen, erklärt die Bundesnetzagentur in ihrem Bericht diesen Unterschied.

B2C um 34 Prozent gestiegen

Betrachtet man den Zeitraum von 2010 bis 2014 zeigt sich, dass die Sendungen im Bereich B2C mit einem Plus von 34 Prozent das stärkste Wachstum verzeichnen. In diesen Bereich entfällt die Masse der durch den Online-Handel ausgelösten Sendungen. Waren es im Jahr 2010 noch insgesamt 872 Millionen Sendungen, wuchs diese Zahl auf 1,2 Milliarden im Jahr 2014 an. In den Bereich B2C fallen auch die sogenannten Retouren, die im Jahr 2014 mit 140 Millionen Sendungen einen Anteil von rund zwölf Prozent am gesamten B2C Sendungsvolumen hatten. Nach wie vor ist der Markt der B2B-Sendungen der größte. In diesem Segment wurden im Jahr 2014 insgesamt 1,3 Milliarden Sendungen befördert. Im Vergleich zu 2010 ist das ein Wachstum von zwölf Prozent. Der C2X-Bereich ist in den Jahren 2010 bis 2015 um 23 Prozent gewachsen, besitzt aber insgesamt nach wie vor nur einen kleinen Sendungsmengenanteil von sechs Prozent. Dieses Segment umfasst vor allem Sendungen, die durch den Verkauf gebrauchter Gegenstände über entsprechende Internetplattformen ausgelöst werden. 

Rückgang Brief ist moderat

Im Jahr 2014 wurden 15,9 Milliarden Briefe befördert. Das sind 1,4 Prozent weniger als im Jahr 2013, wo es 16,1 Milliarden waren. Der erzielte Umsatz lag im Jahr 2014 bei 8,6 Milliarden Euro und damit gleichauf wie im Vorjahr 2013. Das Briefvolumen geht in Deutschland seit Jahren kontinuierlich zurück. Allerdings ist dieser Rückgang, wie es die Bundesnetzagentur in ihrem Bericht formuliert, im Vergleich zu anderen EU-Staaten moderat. Im Jahr 2010 wurden bundesweit noch 16,4 Milliarden Briefe befördert. In den fünf Jahren zwischen 2010 und 2014 ist mithin in Deutschland die Sendungsmenge um 4,5 Prozent zurückgegangen. Die EU-Kommission hat in einem Bericht vom November 2015 dargestellt, dass über alle Mitgliedsstaaten hinweg das Briefvolumen allein zwischen 2012 und 2013 um 4,85 Prozent zurückgegangen ist. Besonders krass, so führt es die EU-Kommission aus, ist die Situation in Dänemark, wo das Postvolumen zwischen 2000 und 2014 um fast 60 Prozent geschrumpft ist.  Diesem Rückgang im Briefmarkt steht in der gesamten Europäischen Union ein Wachstum im Kurier-, Express- und Paketmarkt entgegen. Wenngleich es auch hier in den einzelnen Ländern sichtbare Unterschiede gibt. So lag im Jahr 2013 der Marktschätzung der EU zufolge die Pro-Kopf-Anzahl von Paketen in Deutschland und Großbritannien bei 30 pro Jahr und Einwohner, während es in Polen, Rumänien, Kroatien und Lettland nur zwei Pakete pro Jahr und Einwohner waren.  

Umsatz und Sendungsmengen nach
Sendungsströmen 2014 in Prozent Bundesnetzagentur Umsatz und Sendungsmengen nach Sendungsströmen 2014 in Prozent

Ausrichtung am Online-Handel

Sowohl die vormals staatlichen Postgesellschaften wie auch die traditionell eher aus dem reinen Firmenkundengeschäft kommenden Express- und Paketdienste sind europaweit dabei, ihr Geschäftsfeld auf den wachsenden Online-Handel auszurichten. Der Online-Handel dehnt sich auf immer mehr Warengruppen aus. Möbel und große elektronische Geräte werden inzwischen zunehmend auch online vertrieben. Entsprechend ist das Sendungsvolumen der Warengruppe „Möbel und Dekoration“ von 2013 auf 2014 um 52 Prozent auf 2,5 Milliarden gesprungen. Hier verschwimmt auch die Grenze zwischen klassischem KEP-Markt und Spedition. Auch der Online-Handel mit Lebensmitteln hat an Bedeutung gewonnen. Wenngleich auch der über den Online-Handel erzielte Umsatz nur 1,2 Prozent des gesamten Lebensmittelmarktes umfasst. 

Wandel nur mit den Beschäftigten

Mit dem wachsenden B2C-Geschäft richtet sich der Blick der KEP-Unternehmen zunehmend stärker nicht mehr nur auf die Belange der Versender, sondern auch die Bedürfnisse und Erwartungen der Empfänger. Es geht darum, die Sendungen möglichst zielgenau an den Empfänger zu bringen. Taggleiche Zustellung, Zeitfensterzustellung, die Bestimmung des Lieferortes – ob zu Hause, im Büro oder einer Abholstelle – all das wird derzeit etabliert, ausgebaut oder erprobt. Für ver.di steht fest, dass dieser Wandel nur gemeinsam mit den Beschäftigten erfolgreich bewerkstelligt werden kann.

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