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Tarifeinigung erzielt

Pin Mail AG

Tarifeinigung erzielt

Zu den Tarifforderungen legte der Arbeitgeber zunächst kein akzeptables Angebot vor beziehungsweise forderte Flexibilisierung der Arbeitszeit. ver.di rief nach der vierten Verhandlungsrunde deshalb zu Warnstreiks auf. Dem folgten die ver.di-Mitglieder – ein klares Signal. C. v. Polentz / transit Zu den Tarifforderungen legte der Arbeitgeber zunächst kein akzeptables Angebot vor beziehungsweise forderte Flexibilisierung der Arbeitszeit. ver.di rief nach der vierten Verhandlungsrunde deshalb zu Warnstreiks auf. Dem folgten die ver.di-Mitglieder – ein klares Signal.

13.1.2016 +++ ver.di und der Postdienstleister Pin Mail AG einigten sich auf einen Entgelttarifvertrag für die Jahre 2016 und 2017 und vereinbarten weitere Regelungen im Manteltarifvertrag.

Das Unternehmen, dass im Jahr 1999 in Berlin an den Start ging,  stellt neben Post für viele Unternehmen die komplette Behördenpost des Landes Berlin zu und hat rund 1100 Beschäftigte. Für sie steigen nun die Entgelte rückwirkend ab 1. Januar um 3,41 Prozent und ab 1. Januar nächsten Jahres um 2,81 Prozent. Die Vergütungen der Auszubildenden erhöhen sich auf monatlich 800 Euro im ersten Ausbildungsjahr, im zweiten auf 900 Euro und im dritten Ausbildungsjahr auf 1000 Euro. Der Tarifvertrag ist zum 31. März 2018 kündbar.  

Beschäftigungsbedingungen 

Der Erholungsurlaub steigt um zwei Urlaubstage und beträgt damit, gestaffelt nach Betriebszugehörigkeit, bis zu 27 Tage. Die bisherigen Regelungen zum Sonderurlaub wurden im Manteltarifvertrag festgeschrieben und sind nun tarifvertraglich garantiert. Bezahlte Überstunden können freiwillig geleistet werden und sind auf maximal 20 Stunden pro Monat begrenzt. Das Entgelt dafür beträgt 125 Prozent des Stundenlohnes. Der Ausgleich der freiwilligen Mehrarbeit in Freizeit bleibt auf acht Stunden pro Monat und auf eine Stunde pro Tag beschränkt. Wie bisher kann die Mehrarbeit innerhalb des Monats saldiert werden. Innerhalb der sogenannten Bandbreitenregelung bei der Dienstplangestaltung kann die wöchentliche Arbeitszeit auf 36 Stunden reduziert werden. Die obere Grenze der Arbeitszeit liegt unverändert bei 42 Wochenstunden. Mit diesen Regelungen bleibt der Grundsatz der Freiwilligkeit erhalten und die Beschäftigten bleiben vor Überlastung geschützt. 

Ausbildungspakt

Vereinbart wurde zudem ein Ausbildungspakt. Darin verpflichtet sich das Unternehmen, jährlich mindestens zehn Ausbildungsverhältnisse neu zu begründen – das ist eine gute Ausbildungsquote und bietet jungen Menschen eine berufliche Perspektive. Nach erfolgreich bestandener Prüfung und entsprechender Eignung werden die Auszubildenden vom Unternehmen in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen.

Geregelt wurde weiter, dass befristete Arbeitsverhältnisse bei der Pin Mail AG auf maximal ein Jahr beschränkt sind. Das schafft für die Beschäftigten Sicherheit und Perspektive. 

Mit diesem Tarifergebnis ist es gelungen, den 2013 erstmals abgeschlossenen Tarifvertrag für die Beschäftigten in der Zustellung und Produktion weiterzuentwickeln – und er gilt nun für alle Beschäftigten des Unternehmens.

Zurückblickend waren in den ersten Jahren des Unternehmens die Entgelte für die Beschäftigten dergestalt, dass sie, um über die Runden zu kommen, häufig in weiteren Jobs arbeiten oder ergänzende staatliche Leistungen beantragen mussten. Mit gewerkschaftlich Aktiven und Betriebsräten legte ver.di damals der Pin Mail AG Tarifforderungen zu Entgelt- und Beschäftigungsbedingungen vor. Als über Monate vom Arbeitgeber kein verhandlungsfähiges Angebot kam, reichte es den Zustellerinnen und Zustellern. In drei Warnstreikwellen und zwölf Tagen Erzwingungsstreik kämpften sie für ihren Tarifvertrag. Der Arbeitgeber griff während der Tarifauseinandersetzung zu allen Mitteln, um einen Tarifabschluss zu verhindern: Aussperrung, Prämien für Streikbruch, Polizeieinsätze. Kurz vor Weihnachten 2013 gab der Vorstand der Pin Mail AG dem Druck der Streikenden und der Empörung in der Öffentlichkeit über die Verweigerungshaltung der Pin Mail AG nach. Die Beschäftigten hatten sich ihren Mantel- und den Entgelttarifvertrag erkämpft. Nun wurde mit dem Tarifabschluss am 13. Januar dieser Weg weiter beschritten.

 

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