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Arbeitszeiten der Beschäftigten in der Branche

Arbeitszeiten der Beschäftigten in der Branche

12.12.2011 +++ Welche Arbeitszeiten haben die Beschäftigten bei den Postdiensten, in den Speditionen und der Logistik? Wie ist es um den Gesundheitsschutz bestellt und wie steht es um kollektives Handeln bei Missständen in puncto Arbeitsbedingungen?

ver.di hat die Mitglieder des Fachbereiches im Frühjahr dieses Jahres zu ihren Arbeitsbedingungen und ihren Ansprüchen an „Gute Arbeit“ befragt. Wir berichten hier über die Aspekte von Arbeitszeit, Gesundheitsschutz und Partizipation. Für die Befragung wurden 4000 Mitglieder zufällig ausgewählt. Die Ergebnisse basieren auf den Antworten von 1049 Mitgliedern.

Arbeitszeiten

Die Ergebnisse der Befragung der Mitglieder des Fachbereiches bei den Postdiensten, in den Speditionen und der Logistik zeigen: Der Anteil derjenigen, die außerhalb der „normalen“ Arbeitszeiten auch am Wochenende beziehungsweise abends, nachts oder sehr früh am Morgen arbeiten, ist unter den befragten Beschäftigten überaus hoch. Zustellung auch am Samstag, die Beförderung und der Umschlag von Post und Gütern gerade auch zu jenen Zeiten, in denen andernorts die Produktion ruht, das erfordert eine Besetzung von Arbeitsplätzen rund um die Uhr. Wie der Tabelle auf dieser Seite zu entnehmen ist, gibt es mit 26 Prozent nur ein Viertel der Befragten, die samstags nie arbeiten. Ein gutes Drittel (36 Prozent) tut das manchmal. 25 Prozent der Mitglieder arbeiten oft und weitere 13 Prozent sogar sehr häufig an Samstagen. Das sind zusammen 38 Prozent. Deutlich weniger, aber immerhin noch jeder fünfte Beschäftigte, muss oft (13 Prozent) beziehungsweise häufig (sieben Prozent) sonntags zur Arbeit. Mit insgesamt 53 Prozent arbeitet über die Hälfte der Beschäftigten oft (29 Prozent) beziehungsweise häufig (24 Prozent) in den Abendstunden. Mit 45 Prozent sind nahezu ebenso viele oft (29 Prozent) oder sehr häufig (24 Prozent) nachts im Einsatz.

Arbeiten außerhalb der normalen Arbeitszeit stellt für die Beschäftigten gesundheitlich und sozial eine große Herausforderung dar. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Schichtarbeiterinnen und Schichtarbeiter häufiger unter Schlafstörungen, Befindlichkeitsstörungen und einer verminderten Leistungsfähigkeit leiden. Zudem sind sie durch die häufige Arbeit in den Abend- und Nachtstunden in ihren sozialen Aktivitäten deutlich eingeschränkt. Dasselbe trifft natürlich auch für diejenigen zu, die am Wochenende arbeiten müssen. Schicht- und Wochenendarbeit ist in der Post-, Speditions- und Logistikbranche unter allen Altersgruppen verbreitet, sodass davon auszugehen ist, dass in dieser Branche diese Arbeitszeitform die Beschäftigten das gesamte Berufsleben über begleitet.

Werden Überstunden geleistet und wie werden diese erfasst? Lediglich zwei Prozent der befragten Beschäftigten geben an, keine Überstunden zu leisten. Werden diese geleistet, dann werden sie in der Regel auch erfasst. In zwei Drittel aller Fälle (66 Prozent) werden Überstunden durch ein Arbeitszeitkonto erfasst. In weiteren neun Prozent werden sie in anderer Form vom Arbeitgeber erfasst. Elf Prozent der befragten Beschäftigten schreiben die angefallene Mehrarbeit selbst auf. Bei 14 Prozent der Beschäftigten wird die Mehrarbeit nicht erfasst.

Wie wird mit den Überstunden umgegangen? In der Regel werden die anfallenden Überstunden durch Freizeit abgegolten. Dies geben 59 Prozent der befragten Beschäftigten an. 21 Prozent der Beschäftigten bekommen sie ausbezahlt. 31 Prozent geben an, dass die Überstunden verfallen. Dass geleistete Überstunden nicht durch Geld abgegolten, sondern durch Freizeit ausgeglichen werden, ist ein wichtiges Element, um die Beschäftigten vor einer überbordenden psychischen und mit zunehmendem Alter auch körperlichen Belastung zu schützen. Entsprechende Regelungen gibt es nicht überall. Die Ergebnisse zeigen, dass teilweise die Überstunden gar nicht erfasst werden und bei immerhin fast einem Drittel jener Befragten, die Überstunden leisten, diese ohne Ausgleich verfallen. Hieraus ergibt sich aus gewerkschaftspolitischer Sicht Handlungsbedarf seitens der Betriebsräte zusammen mit den Beschäftigten vor Ort.

Gesundheitsförderung

Die Betriebe von Postdiensten, Speditionen und Logistik stehen vor der Herausforderung, die Arbeitsfähigkeit einer älteren Belegschaft zu erhalten, die in großen Teilen in ihrem bisherigen Erwerbsverlauf meist schweren körperlichen und teilweise auch schweren psychischen Arbeitsanforderungen ausgesetzt war. Ältere Beschäftigte brauchen Arbeitsplätze, die ihrem Leistungsvermögen angepasst sind. Auch jüngere Beschäftigte, die vielleicht eine körperliche Belastung noch nicht so sehr spüren, müssen von Anbeginn ihres Berufslebens auf eine ausgeglichene Belastung ihres Körpers achten. Denn vor dem Hintergrund der Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre dauert ein Berufsleben lange. Um so wichtiger ist es, eine präventive und langfristig ausgerichtete betriebliche Gesundheitsförderung zu betreiben. Handlungsansätze ergeben sich zum Teil durch Wechselmöglichkeiten in belastungsverminderte Positionen. In jedem Falle aber durch die Unterstützung einer gesundheitsbewussten Arbeitseinstellung und die betriebliche Ausgestaltung der Arbeitsplätze.

Die Herausforderungen eines betrieblichen Gesundheitsschutzes in der Branche sind enorm und unterscheiden sich deutlich zwischen den Tätigkeitsbereichen. Nicht selten jedoch fehlt es bereits an der Feststellung möglicher Unfallgefahren und Risiken durch psychische Anforderungen des Arbeitsplatzes. Wir wollten wissen, ob an den Arbeitsplätzen bisher Gefährdungsanalysen durchgeführt wurden. Die Ergebnisse dazu zeigt die unten stehende Grafik. Über alle Tätigkeitsgruppen hinweg gibt es einen vergleichsweise hohen Anteil von Beschäftigten (zwischen 17 und 36 Prozent), der sich nicht erinnern kann, ob an seinem Arbeitsplatz jemals eine Gefährdungsanalyse vorgenommen wurde. Vor dem Hintergrund der Unklarheit bei den Befragten, was unter Gefährdungsanalyse eigentlich zu verstehen ist, verwundert das kaum. Interessant an den Befunden ist, dass eine Gefährdungsanalyse offenbar ein eher selten genutztes Instrument ist. Dabei scheint dieses in der Verwaltung, dem Vertrieb und auch der stationären Bearbeitung noch eher genutzt als in der Zustellung und bei den Fahrerinnen und Fahrern. Fast die Hälfte, nämlich zusammen 47 Prozent der Beschäftigten im Bereich von kaufmännischen Aufgaben und der Verwaltung gibt an, dass am Arbeitsplatz schon einmal (21 Prozent) oder mehrmals (26 Prozent) eine Gefährdungsanalyse durchgeführt wurde. Im Bereich von Verkauf, Beratung und Vertrieb sagen 24 Prozent der Beschäftigten, dass an ihrem Arbeitsplatz schon einmal eine Gefährdungsanalyse durchgeführt wurde. Bei fünf Prozent war das schon mehrmals der Fall. In der stationären Bearbeitung sind es exakt ein Drittel der Beschäftigten, die sagen, dass an ihrem Arbeitsplatz entweder schon einmal (zwölf Prozent) oder auch mehrmals (21 Prozent) Gefährdungsanalysen durchgeführt wurden. Sichtbar schlechter stellt sich die Situation in der Zustellung dar. Nur ein knappes Viertel (24 Prozent) der befragten Zustellerinnen und Zusteller hat schon einmal (13 Prozent) oder mehrmals (elf Prozent) eine Gefährdungsanalyse an seinem Arbeitsplatz erlebt. Fast gänzlich unbekannt ist dieses Instrument im Bereich der Fahrerinnen und Fahrer. Hier geben überhaupt nur zwölf Prozent an, dass an ihrem Arbeitsplatz schon einmal (zwei Prozent) oder mehrmals (zehn Prozent) eine Gefährdungsanalyse stattgefunden hat.

Über alle Befragten hinweg zeigt sich: Wurde eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt, erfolgte dies bei 20 Prozent der befragten Mitglieder zum Teil durch Fragebögen und längere Gespräche und teilweise dadurch, dass die Betroffenen nach möglichen Belastungen durch problematische Arbeitsabläufe, Arbeitszeiten und unzureichende Zusammenarbeit befragt wurden. Analysen, bei denen ausschließlich auf Fragebogen oder ein längeres Gespräch (zwei Prozent) oder die Befragung zu möglichen Belastungen (drei Prozent) zurückgegriffen wurde, sind offenbar eher selten. Insgesamt machen die Befragungsergebnisse deutlich, dass es an vielen Stellen erheblichen Handlungsbedarf zur Gestaltung Guter Arbeit gibt.

Fortschritt, gewerkschaftliche Erfolge im Betrieb, in der tariflichen Gestaltung, fallen nicht vom Himmel. Vielmehr sind hier Engagement und die Unterstützung betrieblicher und gewerkschaftlicher Interessenvertretungen durch die betroffenen Beschäftigten vonnöten.

Aktiv für Gute Arbeit

Gefragt nach ihrer Bereitschaft, sich selbst für die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen einzusetzen, bekannten sich drei Viertel der befragten ver.di-Mitglieder im Fachbereich Postdienste, Speditionen und Logistik dazu. Ein großer Anteil der Beschäftigten zeigt Bereitschaft, bei Missständen in puncto Arbeitsbedingungen auf Betriebsrat oder Gewerkschaft zuzugehen. Rund die Hälfte würde sich an betrieblichen oder gewerkschaftlichen Aktionen zu Verbesserung der Arbeitsbedingungen beteiligen, 40 Prozent der Befragten würden das Thema auch bei einer Betriebsversammlung selbst zur Sprache bringen.

Die befragten ver.di-Mitglieder halten viel von der kollektiven Unterstützung durch ihre Gewerkschaft. Für 92 Prozent der Befragten ist es wichtig, dass es einen Betriebsrat im Unternehmen gibt, ebenso viele schätzen die Unterstützung und Beratung durch eine Gewerkschaft und 97 Prozent der befragten Beschäftigten finden es wichtig, dass ihre Arbeitsbedingungen möglichst umfassend tarifvertraglich geregelt sind.