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Frischer Wind bei UPS

Organisierungsprojekt ist erfolgreich

Frischer Wind bei UPS

Im Paketzentrum von UPS in Köln/Bonn werden alle Sendungen für oder aus
Europa umgeschlagen. Die Sendungen werden hauptsächlich zwischen 23
und 2.30 Uhr sortiert. Jürgen Seidel Im Paketzentrum von UPS in Köln/Bonn werden alle Sendungen für oder aus Europa umgeschlagen. Die Sendungen werden hauptsächlich zwischen 23 und 2.30 Uhr sortiert.

13.7.2015 +++ Arbeitnehmerorientierte Betriebsräte und gewerkschaftlich aktive Beschäftigte bei UPS in Deutschland hatten sich gemeinsam mit ver.di auf den Weg gemacht. In relativ kurzer Zeit gelang es ihnen mithilfe eines Organisierungsprojektes, viele durchsetzungsfähige und uneingeschränkt belegschafts- und gewerkschaftsorientierte Arbeitnehmervertretungen zu etablieren. Wie das ging, darüber spricht der Leiter der Bundesfachgruppe Speditionen, Logistik, Kurier-, Express- und Paketdienste in ver.di Mario Klepp.

Wer kämpft, kann verlieren. Das wussten die Akteure des Organisierungsprojektes „UPS – Fokus 2014“ bevor sie sich im Mai 2012 auf ihre schwierige Mission begaben. Am Ausgangspunkt stand für sie die Frage: Entweder wir schaffen es, die Rolle der Gewerkschaft beim international agierenden Paketdienstleister United Parcel Service (UPS) in Deutschland zu stärken und den Einfluss der Konzernleitung in den Betriebsräten zurückzudrängen, oder eine wirksame Interessenvertretung für tausende Beschäftigte taumelt bei UPS der Bedeutungslosigkeit entgegen.

Dass es höchste Eisenbahn für eine konzentrierte Aktion wurde, ist an den unsäglichen Arbeitsbedingungen bei UPS auszumachen. Die Flexibilisierung der Arbeitszeiten ist enorm. Viele Beschäftigte werden so zur ständigen Verfügungsmasse
für das Management. Die Beschäftigten, vor allem in der Be- und Entladung sowie Sortierung, arbeiten zumeist in Teilzeit, oft nur 3,5 Stunden am Tag. Eine Erhöhung der Arbeitsstunden, um ein existenzsicherndes Einkommen zu erreichen, erfolgt nur auf
Goodwill der Geschäftsführung. Die Arbeitsbelastung geht an vielen Standorten weit über ein gesundes Maß hinaus. Dazu kommen unendlich viele befristete Arbeitsverhältnisse. Für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bedeutete das, dass sie dem Management fast widerstandsunfähig ausgesetzt sind. Ein wirklicher Dialog zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern kam darüber lange nicht zustande. Ausgeprägt war der Hang bei vielen Managern, sich Betriebsräte gefügig zu machen. Wo das nicht funktionierte, wurde Druck auf engagierte Vertreter der Beschäftigten ausgeübt und gewerkschaftlich Aktive diskriminiert. Die Situation war in vielen Fällen unerträglich. Es wurde höchste Zeit zum Handeln!

Die Broschüre informiert über Aktionen, Ziele, Umsetzung und Hauptakteure des Projektes vor dem Hintergrund der Machtstellung und Managementpolitik von UPS, besonders dem Verhältnis zu  Arbeitnehmerrechten. Sie ist Ende Juli in den Landesbezirksfachbereichen erhältlich. ver.di Die Broschüre informiert über Aktionen, Ziele, Umsetzung und Hauptakteure des Projektes vor dem Hintergrund der Machtstellung und Managementpolitik von UPS, besonders dem Verhältnis zu Arbeitnehmerrechten. Sie ist Ende Juli in den Landesbezirksfachbereichen erhältlich.

Einzelkämpfer stehen meist auf verlorenem Posten. Doch die Aktivisten der Aktion haben es verstanden, Mitstreiter um sich zu scharen. Eine breite Einbeziehung der Öffentlichkeit trug mit dazu bei, dass ein gesellschaftlicher Druck entstand, dem sich das Management nicht entziehen konnte. So lud der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) nach den Negativschlagzeilen über die Arbeitsbedingungen bei UPS in Hannover-Langenhagen das Unternehmen und eine ver.di-Delegation zu Gesprächen. Es ging dabei um Befristungen, massive Teilzeitarbeit, mangelnde Mitbestimmung und Leiharbeit. Auch Urteile von Arbeitsgerichten bis hin zum Bundesarbeitsgericht (BAG) bestätigten Betriebsräte in ihrer Forderung nach Aufstockung der Arbeitszeit. Damit gelang ihnen ein Schritt in Richtung einer Arbeit, von der man sich und die Familie ernähren kann.

Mit großem persönlichem Engagement haben sich die Protagonisten des Organisierungsprojektes „reingeworfen“ und viele Kolleginnen und Kollegen regelrecht mitgerissen. So konnten viele Mitarbeiter die Kraft der Gemeinschaft hautnah erleben. Heute können wir sagen: Der Kampf hat sich gelohnt. Der Einfluss von ver.di bei UPS ist deutlich gestärkt. Betriebsräte gibt es heute auch an Standorten, die zuvor weiße Flecken auf der Karte waren. In den Interessenvertretungen an vielen UPS-Standorten ist der Anteil der ver.di-Mitglieder deutlich gewachsen. Mit Vertretern vom Management bahnt sich zudem so etwas wie eine neue Gesprächskultur an. Auf dieser Basis wollen wir weitermachen.