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Qualität heißt auch werktägliche Zustellung

Qualität heißt auch werktägliche Zustellung

Keine Briefe am Montag? ver.di Keine Briefe am Montag?

28.10.2014 +++ „Keine Briefe am Montag“ titelte eine Tageszeitung Anfang Oktober. Andernorts lautete die Schlagzeile „Vergebliches Warten auf die Montags-Post“. Seit Mitte August berichten Regionalzeitungen Land auf, Land ab, dass montags nicht zugestellt werde. Leser beklagen sich, dass sie an manchen Tagen die gebündelte Post mehrerer Tage in ihrem Briefkasten vorfänden. Die Rede ist davon, dass die für die Sonntagsleerung mit einem roten Punkt gekennzeichneten Briefkästen just sonntags nicht mehr geleert würden. Was ist dran an diesen Berichten und wie ist das zu bewerten?

Schon seit einigen Jahren praktiziert die Post AG die sogenannte „Sommerzustellung“, wonach an ausgewählten Montagen nicht alle Sendungen zugestellt werden, sondern nur die Sendungen, die eine entsprechende Laufzeitvorgabe haben beziehungsweise bei denen es sich um ein entsprechendes Produkt aus dem Bereich des Universaldienstes handelt. An diesen Montagen werden je nach Situation vor Ort Bezirke anders geschnitten oder zusammengelegt und Dienstpläne für die Beschäftigten gemeinsam mit den Betriebsräten entsprechend geändert. Gegen eine einvernehmliche Vorgehensweise ist aus gewerkschaftlicher Sicht nichts einzuwenden. Der Montag ist mit Blick auf das Sendungsvolumen ein verkehrsschwacher Tag. Wenn weniger Sendungen im Netz sind, ist es vollkommen in Ordnung, die Arbeit so zu organisieren, dass Beschäftigte auch freie Tage nehmen können. Mit längeren Laufzeiten versehene Sendungen müssen nicht zwingend am nächsten Tag zugestellt werden. 

Anders sieht es bei Produkten aus dem Bereich des Universaldienstes aus. Für den Standardbrief gilt eine Laufzeit von E + 1, also dessen Zustellung einen Werktag nach der Einlieferung. Und diese Produkte galt und gilt es auch an Montagen zuzustellen. Laut der entsprechenden Qualitätsvorgabe aus der Post-Universaldienstleistungsverordnung (PUDLV) müssen 80 Prozent der Standardbriefe die Empfänger am nächsten Werktag erreichen. Das bundesweite Netz der Deutschen Post AG ist technisch so modern und in den Abläufen perfektioniert, dass das Unternehmen diese Laufzeitvorgabe seit Jahren nicht nur mit 80, sondern rund 94 Prozent erfüllt. Ohne jeden Zweifel können also die Beschäftigten den Kunden eine hervorragende Qualität liefern – wenn man sie lässt! 

Über viele Jahre war für die Deutsche Post AG die Laufzeitvorgabe von 80 Prozent aus der PUDLV nie ein Thema, da man viel Kraft investiert hatte, hier deutlich darüber zu liegen. Die Laufzeitvorgabe von 80 Prozent hatte eher den Charakter einer Schamgrenze denn einer zu überspringenden Hürde. Das aber scheint sich derzeit zu ändern. Zunehmend hebt das Unternehmen in seinen Statements gegenüber der Öffentlichkeit hervor, man erfülle schließlich die 80 Prozent. Auch wird das Unternehmen nicht müde zu erklären, dass montags höchstens vier bis fünf Prozent der Sendungen im Netz seien. Führt man diese beiden Begründungslinien zusammen, dann zeichnet sich in diesen Äußerungen eine unternehmerische Haltung ab, die da lautet: Die paar wenigen Standardbriefe am Montag lohnen den Aufwand der Zustellung nicht und die Laufzeitvorgabe von 80 Prozent wird durch den zustellfreien Montag auch nicht gefährdet. Das erfüllt ver.di mit großer Sorge. 

Ein Netz lebt von seiner Zuverlässigkeit. Wenn der Kunde sich nicht mehr sicher sein kann, ob seine Sendung, die er in den Briefkasten wirft, zeitnah beim Empfänger ankommt, dann beraubt sich die Dienstleistung ihrer Qualität. Sie wird für den Kunden beliebig, uninteressant und in Folge auch weniger in Anspruch genommen. An einer solchen Entwicklung sollte die Deutsche Post AG kein Interesse haben. Denn das gefährdet die Zukunft. 

Der Universaldienst zeichnet sich gerade dadurch aus, dass er eine flächendeckende postalische Versorgung auf einem festen qualitativen Niveau vorhält. Dazu gehört unter anderem die Zustellung an sechs Werktagen und die flächendeckende Versorgung ohne eine Unterscheidung von Ballungsräumen oder entlegeneren Gebieten. Dies hat jüngst auch das Finanzgericht Köln in einem Urteil zur Umsatzsteuerbefreiung bestätigt (AZ 2 K 2529/11). Aus Sicht von ver.di muss die flächendeckende Zustellung an sechs Werktagen beibehalten werden. Eine werktägliche Postversorgung ist für die Bevölkerung und die Wirtschaft – hier insbesondere auch kleine und mittlere Unternehmen außerhalb der Ballungsräume – unerlässlicher Bestandteil einer modernen und zukunftsfähigen Infrastruktur