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Wie verändert sich die Branche?

Digitalisierung der Arbeitswelt

Wie verändert sich die Branche?

Die Arbeit in der Branche ist im Wandel begriffen Jürgen Seidel/Grafik: Andreas Schulz Die Arbeit in der Branche ist im Wandel begriffen

2.2.2016 +++ Elektronisch gestützte Prozesse mittels Informations- und Kommunikationstechnik verändern die Arbeit swelt. Welche Chancen und Risiken gibt es für Beschäftigte und Unternehmen? Und: Wie sieht die Beschäftigungssituation in der Branche aus?

Eine Datenbrille, die dem Lageristen aufzeigt, wo sich eine Ware befindet oder wohin sie zu verbringen ist, Möbelbestellungen über das Internet, Säcke voller Hundefutter, zu liefern in das oberste Stockwerk des Wohnhauses, Lager- und Auslieferungsprozesse von privaten Konsumgütern in den Ballungsräumen noch am selben Tag – die Arbeit in der Branche ist in einem Wandel begriffen. „Digitalisierung“ oder auch „Arbeiten 4.0“ sind die Schlagwörter, die einem in der Fachpresse dazu entgegenschlagen. Viele der Veränderungen, die die informationstechnologische Durchdringung der gesamten Lebens- und Arbeitswelt mit sich bringt, sind längst im Berufsalltag der Beschäftigten angekommen. Abgeschlossen aber sind diese Entwicklungen keinesfalls. Wir wollen uns mit ausgewählten Aspekten der Digitalisierung befassen. Den Aufschlag dazu machen wir, indem wir zunächst auf die Beschäftigungssituation in der Branche schauen.  

Die Branche wächst

Auch wenn Forscher, die den Blick in die entferntere Zukunft werfen, durchaus auch davon ausgehen, dass die fortschreitende Automatisierung gerade im Bereich der Lagerhaltung und möglicherweise auch Auslieferung zu Arbeitsplatzverlusten führen könnte, so ist die Gegenwart im Bereich der Lagerwirtschaft und in der Kurier-, Express- und Postdienstebranche eher von einem Beschäftigungsaufbau geprägt. Das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) untersucht regelmäßig die Situation der Beschäftigten der Branche. Diese Berichte des BAG zu den Arbeitsbedingungen gehen auf eine gemeinsame Initiative des Bundesverkehrsministeriums, verschiedener Verbände der Branche und ver.di im Rahmen des Aktionsplanes Güterverkehr und Logistik im Jahr 2008 zurück. Seither werden Arbeitsbedingungen von Beschäftigtengruppen jährlich durch das BAG dokumentiert.  

Mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

Im jüngsten Bericht vom November 2015 werden die Arbeitsbedingungen in der Lagerwirtschaft sowie in der Kurier-, Express- und Postdienstebranche untersucht. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Lagerwirtschaft hat sich von 1.176.452 im Jahr 2013 um rund 4.8 Prozent auf 1.232.674 im Jahr 2014 erhöht. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den Berufen für Post- und Zustelldienste ist von 187. 836 im Jahr 2013 um rund 3,4 Prozent auf 194.150 Beschäftigte im Jahr 2014 angestiegen. 

Von den rund 1,2 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den Berufen der Lagerwirtschaft sind 75 Prozent Männer und 25 Prozent Frauen. Die überwiegende Mehrheit von 83,1 Prozent arbeitet in Vollzeit, entsprechend sind 16,9 Prozent in Teilzeit beschäftigt.Von den 194.150 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den Berufen der Post- und Zustelldienste ist das Verhältnis von Männern und Frauen mit 51 beziehungsweise 49 Prozent fast gleich. Hier arbeiten 52 Prozent der Beschäftigten in Vollzeit und 48 Prozent in Teilzeit.Damit wird deutlich, dass die Arbeit im Bereich der Läger durchaus stark von Männern dominiert ist, wohingegen die Arbeit im Bereich der Post- und Zustelldienste gleichermaßen von Männern und Frauen gemacht wird.

Abhängig Beschäftigte und Subunternehmer

Im Bereich der Zustellung von Briefen und Paketen gibt es nur wenige Unternehmen, die über eigene Zustellorganisationen verfügen und dementsprechend auch mit bei ihnen angestellten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten. Eigene Zustellerinnen und Zusteller haben allen voran die Deutsche Post AG, die Pin Mail AG, UPS und die DHL Delivery GmbHs. Der Bereich der Briefdienste ist ansonsten in erheblichem Maße von geringfügiger Beschäftigung geprägt. Der Bereich der Paketdienste hingegen ist in starkem Maße von Subunternehmen geprägt. Während geringfügig Beschäftigte in den Arbeitsmarktstatistiken erfasst und daher quantifiziert werden können, ist dies bei den Subunternehmern, die keinen Status als abhängig Beschäftigte haben, praktisch nicht quantifizierbar. Dementsprechend unsicher sind auch Aussagen über die Zahl der im Bereich der Paketzustellung tätigen Menschen. Die Bundesnetzagentur schätzt in ihrem jüngsten Tätigkeitsbericht vom Dezember 2015 die Zahl der Beschäftigten außerhalb des lizenzpflichtigen Bereiches – also Beschäftigte, die ausschließlich mit der Bearbeitung von Briefen oder Paketen mit einem Gewicht von mehr als 1000 Gramm befasst sind – für das Jahr 2014 auf rund 365.000. Im lizenzpflichtigen Bereich waren es im Jahr 2014 insgesamt 167.306 Personen, davon waren mit 148.518 knapp 90 Prozent im Konzern Deutsche Post DHL Group beschäftigt.  

Zahl der geringfügigen ‧Beschäftigung ist hoch

Neben den rund 1,2 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den Berufen der Lagerwirtschaft weist das BAG in seinem Bericht für das Jahr 2014 hier insgesamt 323.347 geringfügig Beschäftigte aus. Deren Anzahl ist im Vergleich zum Vorjahr 2013 um knapp 1000 und damit um ein knappes Prozent gesunken. In den Berufen der Post- und Zustelldienste weist das BAG für das Jahr 2014 neben den 194.150 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten eine im Verhältnis dazu mehr als doppelt so hohe Zahl von geringfügig Beschäftigten aus – nämlich 417.492. Deren Zahl ist zwar im Vergleich zum Vorjahr 2013 um immerhin 653.592 und damit um gut zehn Prozent gesunken. Das Verhältnis allerdings von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zu geringfügig Beschäftigten ist nichtsdestotrotz ausgesprochen miserabel. Anhand der zu erwartenden Zahlen für das Jahr 2015 wird man feststellen, ob auch in dieser Branche der seit Januar 2015 geltende gesetzliche Mindestlohn geholfen hat, die Zahl der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse zugunsten sozialversicherungspflichtiger Arbeitsverhältnisse zu verringern. 

Untersucht hat das BAG auch, wie sich die Anteile von Beschäftigten in den einzelnen Leistungsgruppen vom ungelernten Arbeitnehmer über den angelernten Arbeitnehmer, die Fachkraft und die herausgehobene Fachkraft bis hin zum Arbeitnehmer in leitender Stellung in den vergangenen fünf Jahren verändert haben. Eine solche Betrachtung ist interessant, weil sie Aufschluss geben kann über sich auch aufgrund fortschreitender Automatisierung ändernder Tätigkeitsprofile.

Anteile einzelner Leistungsgruppen an der Gesamtzahl der vollbeschäftigten
Arbeitnehmer 2009 (innerer Ring) und 2014 (äußerer Ring) in Prozent BAG Anteile einzelner Leistungsgruppen an der Gesamtzahl der vollbeschäftigten Arbeitnehmer 2009 (innerer Ring) und 2014 (äußerer Ring) in Prozent

Die Mitte schmilzt

Die erste Grafik zeigt die prozentualen Veränderungen von Vollzeitbeschäftigung in der Lagerwirtschaft in den fünf verschiedenen Leistungsgruppen zwischen 2009 und 2014. Mit insgesamt 54 Prozent machen hier im Jahr 2014 die ungelernten und angelernten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mehr als die Hälfte der Beschäftigten aus. Der Anteil der Fachkräfte und herausgehobenen Fachkräfte beträgt 40 Prozent. Sie werden nach den Informationen des BAG „vor allem für anspruchsvolle, komplexere Aufgaben und in Schnittstellenfunktionen eingesetzt“. Die Grafik zeigt weiter, dass die Gruppe der ungelernten Arbeitnehmer von rund 13 Prozent im Jahr 2009 auf 24 Prozent im Jahr 2014 deutlich angewachsen ist. Ebenso angewachsen ist der Anteil der herausgehobenen Fachkräfte und der Arbeitnehmer in leitender Stellung. Machten diese beiden Leistungsgruppen im Jahr 2009 zusammen einen Anteil von 17,6 Prozent aus, waren es 20 Prozent im Jahr 2014. Deutlich zurückgegangen sind die Anteile der Fachkräfte und angelernten Arbeitnehmer. Waren dies im Jahr 2009 noch zusammen 69,1 Prozent, sank ihr Anteil binnen fünf Jahre auf 57 Prozent.

Anteile einzelner Leistungsgruppen an der Gesamtzahl der vollbeschäftigten
Arbeitnehmer 2009 (innerer Ring) und 2014 (äußerer Ring) in Prozent BAG Anteile einzelner Leistungsgruppen an der Gesamtzahl der vollbeschäftigten Arbeitnehmer 2009 (innerer Ring) und 2014 (äußerer Ring) in Prozent

Analog zeigt die zweite Grafik die prozentualen Veränderungen von Vollzeitbeschäftigung bei den Post-, Kurier und Expressdiensten in den fünf verschiedenen Leistungsgruppen zwischen 2009 und 2014. Anders als in der Lagerwirtschaft sind hier nicht die ungelernten und angelernten Arbeitnehmer die dominanten Gruppen, sondern vielmehr machen die Fachkräfte mit 64 Prozent rund zwei Drittel der Beschäftigten im Jahr 2014 aus. Dennoch zeigt sich hier die gleiche Tendenz wie im Bereich der Lagerwirtschaft – dass sowohl die unteren als auch die oberen Leistungsgruppen anteilig zunehmen während der Anteil des Mittelbaus, hier sind es die Fachkräfte und die herausgehobenen Fachkräfte, zurückgeht. Betrug der Anteil der ungelernten und angelernten Arbeitnehmer im Jahr 2009 zusammen 18,3 Prozent, waren es 24 Prozent im Jahr 2014.Der Anteil der leitenden Arbeitnehmer lag im Jahr 2009 bei 3,3 Prozent und im Jahr 2014 mit vier Prozent geringfügig darüber. Der Anteil der Fachkräfte und herausgehobenen Fachkräfte hatte zusammen 78,4 Prozent im Jahr 2009 betragen, im Jahr 2014 betrug deren Anteil gut sechs Prozent weniger.  Die Befunde zu den Veränderungen in den einzelnen Leistungsgruppen zwischen 2009 und 2014 zeigen, dass der Anteil an Beschäftigten in der mittleren Funktionsebene zurückgegangen ist, während sich die Anteile der eher mit weniger komplexen Arbeiten betrauten Beschäftigten ebenso vergrößert haben wie die Anteile der Beschäftigten mit Leitungs- oder Führungsfunktionen. Die fortschreitende Automatisierung, die ‧einerseits zu einer stärkeren Monotonie und Routineabläufen in der Arbeit führt, auf der anderen Seite aber auch neue Aufgaben in der Steuerung von Pro‧zessen mit sich bringt, kann eine mögliche Erklärung für diese Veränderungen sein.

Auswertung der Arbeitsbedingungen in Güterverkehr und Logistik BAG Auswertung der Arbeitsbedingungen in Güterverkehr und Logistik