Nachrichten

Augen zu und durch?

Ausbildungsplätze im Postkonzern

Augen zu und durch?

26.10.2015 +++ Mehr junge Menschen im Konzern auszubilden, ist erfreulich. Nicht erfreulich hingegen ist, was bei der Ausbildung zur Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienste geplant ist.

Über das Ausbildungsplatzangebot 2016 fand im September ein Gespräch zwischen ver.di und dem Konzern Deutsche Post DHL statt. Der Konzern stellt für das Einstellungsjahr 2016 insgesamt 2458 Ausbildungs- und duale Hochschulstudienplätze zur Verfügung und damit 83 Ausbildungsplätze mehr als 2015.  Dass im kommenden Jahr mehr junge Menschen im Konzern ausgebildet werden können, ist aus Sicht von ver.di erfreulich. 

Leider nicht erfreulich ist, was der Konzern bei der Ausbildung zur Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienste (FKEP) plant. Mit dem Abschluss des Generationenvertrages im Jahr 2011 war vereinbart worden, diese Ausbildung vollständig von der First Mail GmbH in die Deutsche Post AG zurückzuverlagern, da es dort eine funktionierende Infrastruktur für eine qualifizierte Ausbildung gibt.

Nun möchte der Konzern 2016 sowohl bei der Deutschen Post AG als auch in den DHL Delivery GmbHs FKEP ausbilden. 617 Ausbildungsplätze soll es bei der Deutschen Post AG und 1000 bei den DHL Delivery GmbHs geben. Diesen drastischen Schritt im kommenden Jahr zu gehen hält ver.di für falsch. Offenbar wird nach dem Motto „Augen zu und durch“ gehandelt.

Bei den Delivery GmbHs sind Betriebsratsstrukturen erst im Aufbau. Die Jugend- und Auszubildendenvertretungen können damit zum Ausbildungsbeginn im nächsten Jahr auf keinen Fall funktionsfähig gebildet werden. Zudem ist es wichtig, dass es in einem JAV-Gremium bereits ausgelernte wie in Ausbildung befindliche Jugendvertreter gibt. 

Die Arbeitgeberseite hat sich den Anspruch „Wir lieben Mitbestimmung“ auferlegt. Sie ist gefordert, das in der Praxis umzusetzen. Ohne Mitbestimmungsstrukturen bei den Delivery GmbHs kann in Konsequenz dieses Anspruches 2016 dort nicht ausgebildet werden. Die Ausbildung der hier vorgesehenen FKEP ist problemlos in den bewährten Strukturen der Deutschen Post AG möglich. 

Für die Folgejahre hat ver.di dem Arbeitgeber angeboten, einen Stufenplan zur angemessenen Verteilung von FKEP auf die Unternehmen zu vereinbaren, da sich Mitbestimmungsstrukturen bis dahin aufgebaut haben können. Diesen Vorschlag hat der Arbeitgeber abgelehnt. Aus seiner Sicht sei den Voraussetzungen einer geeigneten Mitbestimmung Genüge getan. Aufgrund der noch im Aufbau befindlichen Mitbestimmungsstrukturen ist diese Sichtweise nicht nachvollziehbar. Wer für sich in Anspruch nimmt „Mitbestimmung zu lieben“, sollte auch entsprechend handeln. Auch muss bezweifelt werden, dass alle DHL Delivery Gesellschaften zum Ausbildungsstart im nächsten Jahr in der Lage sein werden, die Ausbildung gemäß der Ausbildungsverordnung durchzuführen. Die Standards der tariflichen Ausbildungsbedingungen liegen in den DHL Delivery-Gesellschaften weit unter denen der Deutschen Post AG. Offenbar will der Konzern auf dem Rücken der Auszubildenden Geld sparen. Von ver.di und den entstehenden Betriebsräten wird das Augenmerk darauf zu richten sein, dass die Auszubildenden den Ausbildungszielen dienend eingesetzt und nicht beispielsweise durch zu frühzeitigen eigenverantwortlichen Einsatz als billige Arbeitskräfte missbraucht werden.