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Diskriminierungsfrei und mehr Leistung

Betriebsrente Deutsche Post AG

Diskriminierungsfrei und mehr Leistung

Leistungsverbesserungen in der Betriebsrente durchgesetzt Foto: Wolf/DPA Leistungsverbesserungen in der Betriebsrente durchgesetzt

21.1.2016 +++ Die betriebliche Altersversorgung bei der Deutschen Post AG wurde neu geregelt. Durch diskriminierungsfreie Neugestaltung des Tarifvertrages konnten Leistungsverbesserungen in der Betriebsrente durchgesetzt werden.

Im Oktober 2015 nahmen die Deutsche Post AG und ver.di Tarifverhandlungen zur Neugestaltung der betrieblichen Altersversorgung auf. Das Unternehmen wollte die betriebliche Altersversorgung neu regeln. Dazu war ver.di nur unter den Voraussetzungen bereit, dass die Regelungen diskriminierungsfrei, also entsprechend des allgemeinen Gleichstellungsgesetzes (AGG), gestaltet werden, es zu keiner Verschlechterung bisheriger Ansprüche kommt und künftige Beschäftigte nicht schlechter gestellt werden. Am 21. Januar wurden die Tarifverhandlungen abgeschlossen. 

Der Betriebsrentenanspruch wird für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die bereits am 31. Dezember 2015 im Beschäftigungsverhältnis standen, wie bisher berechnet. Die Beschäftigungszeit wird mit einem tarifvertraglich festgelegten Betrag aus dem sogenannten Euro-Plan multipliziert. Jetzt allerdings werden Beschäftigungszeiten nach dem 60. Lebensjahr bei der Betriebsrente grundsätzlich berücksichtigt. Das kann für Zustellerinnen und Zusteller, je nach Betriebszugehörigkeit und Renteneintritt, monatlich bis zu 40 Euro mehr Betriebsrente bedeuten. Der Anspruch wird lebenslang gezahlt. Er steigt jährlich um ein Prozent und wird im Todesfall auf Ehepartner, eingetragene Lebenspartner oder Waisen zu Teilen übertragen. 

Beispiel
Zustellerin 1964 geboren, Unternehmenseintritt 1991, Renteneintritt 2031 zum 67. Lebensjahr

Berechnung*:
bAV-Anspruch TV Nr.15 (alt) = ca. 184  Euro, neuer Anspruch TV Nr. 179 = ca. 223  Euro

Wählen können die Arbeitnehmer anstelle einer lebenslangen Rente aus der betrieblichen Altersversorgung auch eine einmalige Kapitalzahlung. Ihr Wert ergibt sich aus den jährlich dem Versorgungskonto zugeführten Kapitalbausteinen.

Für alle Arbeitnehmer wurde ab dem 1. Januar 2016 ein Versorgungskonto angelegt. Über dessen Höhe erhalten sie jährlich Auskunft. 

Für Arbeitnehmer, die am 31. Dezember 2015 in einem Beschäftigungsverhältnis standen, werden die bisherigen Betriebsrentenansprüche in einen Initialbaustein umgerechnet. Der jeweilige Eurobetrag jeder Versorgungsgruppe wird mit den Beschäftigungsjahren und dem Faktor 180 multipliziert. Auf dem Versorgungskonto wird ab diesem Jahr für jedes folgende Kalenderjahr des Arbeitsverhältnisses jeweils ein weiterer Versorgungsbaustein addiert. Die Höhe der Versorgungsbausteine ist nach den Versorgungsgruppen gestaffelt. Der zuwachsende Versorgungsbaustein wird jährlich um 2,5 Prozent dynamisiert. Der Versorgungsbaustein beträgt für 2016 für Zusteller 855 Euro.   

Beispiel
Zustellerin 1964 geboren, Unternehmenseintritt 1994

Berechnung*:     
Euro-Plan Anl. 2 = 4,49 
Euro x 264 Monate x 180/12 =  17.780,40  Euro (Initialbaustein) + Baustein für 2016 = 855 Euro + Baustein für 2017 = 876,38  Euro (2,5 Prozent dynamisiert); Anwartschaft am 31.12.2017 = 19.511,78   Euro

Tritt der Leistungsfall ein, weil beispielsweise die gesetzliche Altersrente gezahlt wird, müssen die Arbeitnehmer einen Antrag auf Betriebsrente stellen. Sie erhalten über die Höhe des auf dem Versorgungskonto angesammelten Guthabens Auskunft. Sie müssen wählen zwischen der lebenslangen um ein Prozent jährlich wachsenden monatlichen Rente mit Versorgung der Hinterbliebenen oder der einmaligen Auszahlung der Gesamtanwartschaft. Wählt der Arbeitnehmer, der am 31. Dezember 2015 im Beschäftigungsverhältnis stand, die Rentenoption, so wird der Betriebsrentenanspruch auf Grundlage des weiterhin gültigen Euro-Planes errechnet.  

Beispiel
lebenslange monatliche Rente Zustellerin 1964 geboren, Unternehmenseintritt 1994, Renteneintritt 2031 zum 67. Lebensjahr

Berechnung*:
Euro-Plan Anlage 2 = 5,59 Euro (Betrag des Euro-Planes im Jahr 2030) x 444 Monate = 206,83 Euro

Wählt der Arbeitnehmer die Kapitaloption, so werden die auf dem Versorgungskonto erworbenen Versorgungsbausteine ausgezahlt. Die Auszahlung kann in einem Betrag oder in sieben Teilbeträgen erfolgen. Sie sind Bruttobeträge und unterliegen der Steuer- und Sozialabgabenpflicht. 

Beispiel Kapitaloption
Zustellerin 1964 geboren, Unternehmenseintritt 1994, Renteneintritt 2031 zum 67. Lebensjahr

Berechnung*:
Euro-Plan Anl. 2 = 4,49 Euro x 264 Monate x 180 /12 = 17.780,40 Euro (Initialbaustein) + Baustein für 2016 = 855 Euro + Baustein für 2017 = 876,38 Euro (2,5 Prozent dynamisiert) + jährlich weiter um 2,5 Prozent dynamisierter Baustein; Anwartschaft am 31.12.2030 = 33.112,25 Euro Kapitalzahlung 

Die ver.di-Tarifkommission hat dem Tarifangebot am 27. Januar zugestimmt. Es konnte für die Beschäftigten Gutes durchgesetzt werden: Die betriebliche Altersversorgung ist diskriminierungsfrei gestaltet worden, woraus Leistungsverbesserungen entstehen und Rentenabschläge für Renteneintritt vor dem Regelrenteneintrittsalter verhindert wurden. Für Arbeitnehmer, die sich bereits im Beschäftigungsverhältnis befinden, gibt es keine Verschlechterung bisheriger Ansprüche und zukünftige Beschäftigte werden nicht schlechter gestellt. Sie erhalten durch die 2,5-prozentige Dynamisierung der Bausteine und die Streichung der Kappungsgrenze bei 480 Monaten eine betriebliche Altersversorgung mit zukünftig ansteigender Betriebsrentenleistung.  Die Wahl zwischen der Rentenoption und Kapitaloption war kein Schwerpunkt für die ver.di-Tarifkommission. Jeder Beschäftigte sollte genau prüfen, ob er eine einmalige Kapitalzahlung der Sicherheit einer lebenslangen um jährlich ein Prozent steigenden Rente vorzieht.

*Beispiele sind mit dem Geburtsdatum 1. Januar und Unternehmenseintritt 1. Januar sowie Renteneintritt 1. Januar berechnet.

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