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TÜMTIS und DHL schließen Tarifvertrag

Eine Geschichte von Mut, Durchhaltevermögen und Solidarität

TÜMTIS und DHL schließen Tarifvertrag

Schulterschluss: Eine ver.di-Delegation unterstützt die Kolleginnen und Kollegen am 4. Februar 2013 bei einer Kundgebung in Gebze, nahe Istanbul. verdi Schulterschluss: Eine ver.di-Delegation unterstützt die Kolleginnen und Kollegen am 4. Februar 2013 bei einer Kundgebung in Gebze, nahe Istanbul.

22.4.2014 ++++ Ungeregelte Arbeitszeiten, keine Vergütung von Überstunden und willkürlicher Personaleinsatz waren in den Betrieben bei DHL in der Türkei Realität. Vor zwei Jahren begannen Beschäftigte, sich in der Gewerkschaft TÜMTIS zu organisieren, um einen Tarifvertrag abzuschließen.

Doch statt eine Politik der Sozialpartnerschaft einzuleiten, ging das Management auf Konfliktkurs und versuchte mit fragwürdigen Methoden das berechtigte Ansinnen der Beschäftigten, ihre Arbeitsbedingungen durch einen Tarifvertrag zu regeln, zu verhindern. Gewerkschaftsmitglieder wurden gekündigt, Familienmitglieder unter Druck gesetzt und sogar eine andere Gewerkschaft in das Unternehmen geholt.

Doch die Mitglieder von TÜMTIS haben sich von ihrem mutigen Weg nicht abbringen lassen und den nach türkischem Recht für die Aufnahme von Tarifverhandlungen notwendigen Organisationsgrad im Unternehmen von 40 Prozent erreicht. Damit konnte sich das Management von DHL nicht mehr entziehen.

Mehrfach kamen Delegationen von ver.di nach Istanbul um ihre türkischen Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen. Auch hatte der Bundesfachbereichsvorstand den Vorstand von TÜMTIS zu einem Besuch nach Berlin eingeladen und eine Resolution zur Unterschrift durch die ver.di-Mitglieder auf den Weg gebracht. Darin wurde der Vorstand des Konzerns Deutsche Post DHL aufgefordert, die zu Unrecht entlassenen Beschäftigten wieder einzustellen und den Dialog mit der Gewerkschaft TÜMTIS aufzunehmen. Diese Resolution haben 8633 ver.di-Mitglieder unterschrieben. Ein klares Votum der Solidarität mit den Kollegen in der Türkei.

Der nun zwischen der Gewerkschaft TÜMTIS mit DHL in der Türkei am 22. April ausgehandelte Tarifvertrag gilt landesweit für rund 2200 Gewerkschaftsmitglieder. Er sieht Einkommenssteigerungen von 32 bis 46 Prozent vor; außerdem soziale Komponenten beispielsweise bei familiären Anlässen wie Geburt oder Tod. Geregelt wurde auch der Einsatz von Subunternehmen und es wurden 750 Beschäftigte von Subunternehmen in ein Beschäftigungsverhältnis von DHL übernommen. Die  Tarifvertragsparteien haben sich darauf verständigt, 25 während der Auseinandersetzung entlassene Gewerkschaftsmitglieder
wieder einzustellen. Aus Sicht von ver.di ist dem Mut und dem Durchhaltewillen der Mitglieder von TÜMTIS großer Respekt zu zollen. Ihr Stehvermögen hat zum Erfolg geführt.