Schulnote: Mangelhaft

ver.di-Studie zum Arbeits- und Gesundheitsschutz enthüllt dramatische Versäumnisse im Dienstleistungsbereich
28.06.2024

Um Beschäftigten ein sicheres und gesundes Arbeiten bis zum Renteneintritt zu ermöglichen, ist ein guter Arbeits- und Gesundheitsschutz unerlässlich. Die Mehrheit der Beschäftigten im Dienstleistungssektor muss auf diesen Schutz jedoch verzichten. Das ist das bedauerliche Ergebnis einer verdi-Sonderauswertung des „DGB-Index Gute Arbeit“. Darin wurde auch die Situation in den einzelnen Dienstleistungsbranchen beleuchtet – die Ergebnisse werfen ein erschreckendes Licht auch auf die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in unserem zusammengefassten Bereich Transport, Verkehr, Post.

Anlass für die Studie war der „Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz“ am 28. April. „Wir haben es in Deutschland mit einem von der Arbeitgeberseite sträflich vernachlässigten Arbeits- und Gesundheitsschutz in den Betrieben zu tun“, fasst Rebecca Liebig, im ver.di-Bundesvorstand für Gute Arbeit zuständig, das Ergebnis der Studie zusammen.

Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, für die von ihnen angebotenen Arbeitsplätze regelmäßig eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Diesen Pflichten kommen sie nicht nach: Nur 36 Prozent aller Befragten antworteten auf die Frage, ob für ihren Arbeitsplatz in den letzten zwei Jahren eine Gefährdungsbeurteilung vorgenommen wurde, mit „Ja“. Und dass, obwohl die Arbeitsbelastung und das Gefährdungspotenzial laut Studie im Dienstleistungssektor hoch sind. Kein Wunder, dass bundesweit nur 54 Prozent der befragten Dienstleistungsbeschäftigen damit rechnen, im derzeitigen Job bis zur Rente durchhalten zu können. In der Paket- und Logistikbranche sind es sogar nur 37 Prozent!

Link zur Studie

 
Repräsentativumfrage zum DGB-Index Gute Arbeit 2023

Belastungen in der Paket- und Logistikbranche

Grund für die düsteren Zukunftsperspektiven dürften vor allem die großen Belastungen sein. Im Bereich der Paketdienstleistungen oder Logistik fühlen sich 53 Prozent der Beschäftigten vom hohen Zeitdruck belastet. Aber auch die Lärmbelastung (49 Prozent), die körperlich schwere Arbeit (48 Prozent) und Konflikte mit Kund*innen (30 Prozent) machen den Befragten zu schaffen. Und für die allermeisten Beschäftigen unseres Bereichs sind Mehrfachbelastungen die Regel: 93 Prozent sind von mindestens zwei der genannten Belastungen betroffen.

„Von Guter Arbeit scheinen die Unternehmen und Verwaltungen weit entfernt. Dabei brauchen wir im wachsenden Dienstleistungssektor dringend gut qualifizierte, motivierte und vor allem gesunde Fachkräfte, um die anstehenden Transformationsprozesse zu meistern. Deshalb muss in der Arbeitswelt gelten: Wer Gute Arbeit will, muss in Prävention investieren. Dort wo es Interessenvertretungen gibt, gelingt das besser. Werden Beschäftigte zudem am Prozess beteiligt, ist die Wirkung der Präventionsmaßnahmen noch höher“, so Liebig.

Die Studie entstand aus einer Kooperation des ver.di-Bereichs Innovation und Gute Arbeit mit dem Referat Arbeits- und Gesundheitsschutz. Befragt wurden dafür 4.615 zufällig ausgewählte Dienstleistungsbeschäftigte aus allen Branchen, Einkommens- und Altersgruppen, Regionen, Betriebsgrößen und Beschäftigungsverhältnissen.

Ute Christina Bauer