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KEP: Harte Arbeit – nicht nur im Weihnachtsgeschäft

KEP: Harte Arbeit – nicht nur im Weihnachtsgeschäft

Seit Beginn der Pandemie ist die wichtige Rolle der Paketdienste und ihrer Zusteller*innen noch sichtbarer geworden: Während sich das Land im Lockdown befand, haben die Zusteller*innen die Versorgung gesichert, Wünsche erfüllt und Lebensmittel gebracht.

 Ronald Rampsch – stock.adobe.com

Die fünf großen KEP-Unternehmen in Deutschland haben im Jahr 2020 einen weltweiten Gewinn von 17,3 Milliarden Euro erwirtschaftet und sträuben sich dennoch gegen eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland auf 12 Euro. Ein blanker Hohn angesichts der Summen, die hier von den Unternehmen erwirtschaftet wurden. Amazon als Händler und Paketdienstleister ist hierbei noch gar nicht eingerechnet. Das Unternehmen machte allein im Jahr 2020 weltweit einen Gewinn von 22 Milliarden Euro. Gut, dass die neue Koalition die Höhe des Mindestlohns jetzt festgeschrieben hat.

Sind die Tage im laufenden Jahr für die Kolleg*innen in der Zustellung schon schwer genug, spitzt sich die Situation mit dem Weihnachtsgeschäft – dem sogenannten Starkverkehr – erst richtig zu. Rund 22 Millionen Pakete werden pro Tag im diesjährigen Weihnachtsgeschäft  erwartet. Diese enorme Belastung darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden. Da diese Situation schon jetzt absehbar ist, müssen mehr Stellen ausgeschrieben und Beschäftigte durch die Unternehmen eingestellt werden. Die geltenden tariflichen ver.di-Regelungen, Betriebsvereinbarungen und Gesetze müssen eingehalten werden. Hierzu sind verschärfte Kontrollen des Zolls und der Arbeitsschutzbehörden der Bundesländer notwendig, um die Einhaltung zu kontrollieren. Verstöße der Unternehmen müssen konsequent geahndet werden.

Während die meisten Zusteller*innen bei FedEx, UPS und DHL unter einem Tarifvertrag fallen und auch Betriebsräte zum Schutz vor Ausbeutung -haben, sind die Zusteller*innen bei Hermes, DPD, GLS und Amazon bei Sub-Unternehmen oder gar scheinselbstständig beschäftigt und die Anzahl nimmt immer weiter zu.

Dies liegt zum Beispiel daran, dass Amazon sein eigenes Zustell-Netz ständig ausbaut oder UPS seine Touren immer mehr ausgliedert. Die Beschäftigten arbeiten hier häufig ohne den Schutz von Tarifverträgen, die Einkommen sind in der Regel auf dem Niveau des Mindestlohns und die Arbeitsbedingungen schlechter als bei den tarifgebundenen Unternehmen. Eine Überwachung, zum Beispiel der täglichen Höchstarbeitszeit, findet hier nicht statt.

ver.di setzt sich für Eigenbeschäftigung anstatt einer Beschäftigung über Sub-Unternehmen ein. Denn nur dann können die Interessen der Beschäftigten über Betriebsratsgremien wirksam vertreten werden. Auch Tarifverträge lassen sich dann einfacher durchsetzen, welche gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten garantieren. Um hier Druck auf die Unternehmen auszuüben, fordert ver.di ein Tariftreuegesetz auf Bundesebene und in allen Bundesländern, in welchen dieses noch nicht verabschiedet wurde, sodass bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen nur tarifgebundene Unternehmen den Zuschlag erhalten können.

Paketzusteller*innen haben etwas Besseres verdient

Durch den Boom des Online-Handels seit den letzten zehn Jahren und der Corona-Pandemie haben sich die Arbeitsbedingungen dramatisch verschlechtert. Die Zustelltouren haben sich verlängert, da mehr und vor allem auch schwerere Pakete zugestellt werden müssen.

Am 10. Dezember 2021 gab es zu diesem Thema eine Pressekonferenz in der ver.di-Bundesverwaltung, gemeinsam mit den Gesamtbetriebsratsvorsitzenden der fünf großen KEP-Dienstleister (DPD, UPS, Hermes, FedEx und DHL). Die Teilnehmer*innen waren sich einig, dass einiges passieren muss, um die Situation der Beschäftigten zu verbessern.

Mehr dazu findest du hier.