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Digitalisierung - Das musst du wissen

Digitalisierung - Das musst du wissen

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Die Veränderung durch die Digitalisierung bietet eine Chance für soziales Wachstum und neue Beschäftigungsmöglichkeiten, wenn die Anforderungen an gesunde und gute Arbeitsbedingungen berücksichtigt werden. ver.di setzt sich dafür ein, dass die Digitalisierung im Sinne „guter Arbeit“ gestaltet wird. „Gute Arbeit“ bedeutet für ver.di:

  • sichere Beschäftigungsverhältnisse mit einem gerechten Entgelt,
  • ein nachhaltiger Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie
  • wirksame Mitbestimmung im Betrieb.

Die pandemische Lage hat den Digitalisierungsschub weiter verstärkt. Aus diesem Grund ist die Gestaltung von digitaler Arbeit im Sinne „guter Arbeit“ umso relevanter geworden. Die Belegschaften sowie die Betriebsräte müssen in digitale Transformationsprozesse mit eingebunden werden, wenn dies gelingen soll. Die Tarif- und Betriebsparteien können dafür sorgen, dass die Digitalisierung nicht zu weiterer Arbeitsverdichtung, Entgrenzung und physischer und psychischer Belastung von Beschäftigten führt. Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen durch Rationalisierungen oder Verhaltenskontrollen können abgewehrt werden.

In den nächsten Ausgaben der bewegen werden wir Begrifflichkeiten der Digitalisierung erläutern und die gewerkschaftliche Position von ver.di hierzu aufzeigen.

Industrie 4.0

Industrie 4.0 ist ein Begriff aus der Politik und Sozialforschung, welcher ein gesellschaftliches Zukunftsprojekt beschreibt. Die drei vorherigen Industriestufen waren:

1. die Erfindung der Dampfmaschine, 

2. die Industrialisierung durch Massenfertigung und Elektronik und

3. die Entwicklung von Kommunikationstechnologien wie dem Internet.

Primäres Merkmal der vierten Stufe ist die Vernetzung sämtlicher Produkte und Akteur*innen unter Einbezug von Künstlicher Intelligenz (KIs).

Im Bereich der Logistik spricht man häufig auch von der Logistik 4.0, der Vernetzung und Verzahnung von Logistikprozessen. Hierzu gehört zum Beispiel der Datenaustausch innerhalb der Liefer- und Wertschöpfungsketten, basierend auf Sensoren, Barcodes oder GPS-Daten. Daraus können unter anderem Rückschlüsse auf die Temperatur, den Ort, die Zeit und die Geschwindigkeit der Vorgänge bzw. der Beladung gezogen werden.

Durch die Vernetzung und den Datenaustausch haben die Behörden bessere Voraussetzungen, um wirksame Kontrollen durchzuführen. Der Transportweg und die Route des LKWs kann einfacher nachverfolgt werden und es kann zum Beispiel kontrolliert werden, ob die gesetzlichen Ruhezeiten eingehalten werden.

Logistik 4.0 wirft Fragen beim Belastungs- und Datenschutz für die Beschäftigten auf. Die angesammelten Daten bergen die Gefahr einer Leistungskontrolle einzelner Beschäftigter. Zudem besteht die Möglichkeit, dass die Belastung zunehmen könnte. Vor allem müssen neue digitale Assistenzsysteme in der Lagerlogistik, wie Datenbrillen, Pick-per-Voice (Sprachkommissionierung) oder Exoskelette (äußere Stützskelett für körperlich arbeitende Menschen) den Anforderungen an Arbeits- und Gesundheitsschutz gerecht werden.

Die Veränderungen müssen mit den betrieblichen Mitbestimmungsgremien positiv für die Belegschaft gestaltet werden. Dazu tragen innerbetriebliche Weiterbildungen bzw. Qualifizierungen der Betriebsratsgremien bei, wie sie auch ver.di anbietet (siehe unten).

 

Es ist wichtig, die Digitalisierung proaktiv mitzugestalten. Hierzu hat ver.di eine Broschüre herausgebracht, wie auf digitale Veränderungen Einfluss genommen werden kann:
Leitfaden: Veränderungsprozesse in der Digitalisierung gestalten | ver.di

Für die Qualifizierung und Weiterbildung bietet ver.di b+b spezielle Seminare an, wie zum Beispiel zur Mitbestimmung digitaler Systeme oder zum Datenschutz:
Seminare: Digitalisierung | ver.di b+b