Branche

Mehr als nur Stress an der Laderampe

Branchenkonferenz der BG Verkehr

Mehr als nur Stress an der Laderampe

29.1.2018 +++ Bei Tätigkeiten des Be- und Entladens von Fahrzeugen sind zunehmend Unfälle zu verzeichnen. Die Ursachen dafür sind komplex. Die Berufsgenossenschaft Verkehr (BG Verkehr) lud Vertreter der Branche, Experten aus Arbeitsschutz und ver.di ein, um über Gefährdungen, Ursachen und Lösungen zu beraten. Im Fokus: Die Arbeitsbedingungen des Fahrpersonals.

Platz zur Pause gesucht... Thomas Plaßmann Platz zur Pause gesucht...

Durch ungeplante Stand- und Wartezeiten an den Ladestellen entstehen zum einen für die an der Lieferkette beteiligten Unternehmen Kosten und Lieferzeiten geraten in Verzug. Zum anderen aber geraten Fahrer, die ohnehin eine durch Zeitdruck geprägte Arbeit haben, zusätzlich unter Stress. Neben der Erfüllung der Liefertermine müssen sie auch die Einhaltung der gesetzlichen Bedingungen im Blick haben – die Arbeits-, Lenk- und Ruhezeiten. An der Rampe treffen Beschäftigte verschiedener Unternehmen aufeinander. Fahrer und Lagerbeschäftigte arbeiten meist auf engem Raum zusammen. Ist dann die Zuständigkeit beim Be- und Entladen nicht klar, gibt es zu wenig Förderfahrzeuge oder Personal an der Ladestelle oder Sprachdefizite des ausländischen Personals, so kommt es vermehrt zu Fehlern und Unfällen. Die Folgen sind oft schwer.

Die Fakten

Im Jahr 2016 registrierte die BG Verkehr im Bereich Güterverkehr 28 650 meldepflichtige Arbeitsunfälle, ohne Wegeunfälle. Davon ereigneten sich knapp 17 000 an Be- und Entladestellen beziehungsweise im Bereich Lagerung, 13 Unfälle endeten sogar tödlich. Ein Schwerpunkt der Branchenkonferenz der Berufsgenossenschaft Verkehr am 17. Oktober 2018 lag deshalb auf Verantwortlichkeiten und Regelungen zwischen Absender und Frachtführer. Weitere Schwerpunkte waren die Arbeits- und Gesundheitsbedingungen des Fahrpersonals sowie Unfälle mit Flurförderfahrzeugen an und auf den Rampen, Unfälle durch Kuppeln und Wegrollen sowie Sturz- und Absturzunfälle beim Be- und Entladen.

Die Praxis

Verlader, Spediteure und Fahrer berichteten auf der Konferenz aus ihrer alltäglichen Praxis. Der Vertreter von ver.di sprach über die Situation des Fahrpersonals, das bei der Arbeit zu spüren bekäme, dass die Prozesse an der Laderampe zwischen Rampenbetreiber und Spediteur oft nicht klar abgestimmt seien. Dass selbst denen mit der Sachlage gut vertrauten Experten nicht in der Deutlichkeit bewusst war, wie hoch die Belastung des Fahrpersonals in diesen Situationen ist, war an den Reaktionen auf die Schilderung eines Berufskraftfahrers zu seinem Arbeitsalltag erkennbar. Er sprach darüber, wie nicht erreichte Zeitfenster an den Rampen zu extremen Wartezeiten führen, nicht genügend Parkplätze für die Wartezeiten zur Verfügung stehen und was es heißt, wenn Sanitär- und Sozialräume an der Ladestelle für sie nicht offenstehen. Doch genau das sind Voraussetzungen für eine erholsame Pause beziehungsweise Ruhezeiten für das Fahrpersonal und für die Einhaltung der Arbeitszeiten.

Zeitfenster verpasst Thomas Plaßmann Zeitfenster verpasst

Die Situation an den Laderampen ist allen Beteiligten seit langem bekannt. Das wurde in der Diskussion festgestellt. Trotzdem hat sich in den letzten Jahren hier nur wenig verbessert. In Umsetzung der Maßnahme des Aktionsplanes Güterverkehr und Logistik zur Optimierung der Abläufe an Laderampen hat das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) die Situation mehrfach untersucht und Lösungsvorschläge erarbeitet (siehe unten). Seit Jahren gibt es den Arbeitskreis „Schnittstelle Rampe“ beim Bundesverkehrsministerium, wo alle Beteiligten am Tisch sitzen. Man muss aber konstatieren, dass das Interesse an einer Verbesserung der Situation an den Laderampen nicht bei allen Akteuren gleich besteht. Bei Handel und Industrie zumeist erst dann, „wenn aus ihrer Sicht in Bezug zu der eigenen Lagerwirtschaft Optimierungs- oder Neuregelungsbedarf erkennbar wird“, konstatiert das BAG in seinem Sonderbericht bereits im Jahr 2011.

Es ist daher erfreulich, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Branchenkonferenz bekräftigten, das Thema in ihre Gremien und Verbände zu tragen, um es dort stärker zu thematisieren, dass sie im Gespräch bleiben und gemeinsam an Lösungsvorschlägen arbeiten wollen.

Leiter des Bereichs Prävention bei der BG Verkehr Dr. Klaus Ruff

Leiter des Bereichs Prävention bei der BG Verkehr Dr. Klaus Ruff
Foto/Grafik: BG Verkehr

Selbstverpflichtung für Unternehmen

Einen wich­ti­gen An­satz, um Un­fäl­le an der Ram­pe zu ver­mei­den, bie­tet der Vor­schlag der BG Ver­kehr für ei­ne Selbst­ver­pflich­tung für Un­ter­neh­men. Dar­über spra­chen wir mit dem stell­ver­tre­ten­den Lei­ter des Be­reichs Prä­ven­ti­on bei der BG Ver­kehr Dr. Klaus Ruff.

Was gehört in die Verpflichtung?

In der Selbst­ver­pflich­tung für Un­ter­neh­men müs­sen von bei­den Sei­ten – Ver-/­Ent­la­der und Trans­por­teu­re – die je­wei­li­gen Auf­ga­ben, Pro­zes­se und Zu­stän­dig­kei­ten klar und deut­lich de­fi­niert wer­den. Da­zu ge­hö­ren nach un­se­rer An­sicht ei­ne bes­se­re In­for­ma­ti­on über La­de-/­Ent­la­de­zeit und La­de­gut, Ver­ein­ba­run­gen zu Puf­fer­park­plät­zen für war­ten­de Fah­re­rin­nen und Fah­rer so­wie zu den Auf­ent­halts­mög­lich­kei­ten für das Fahr­per­so­nal und zur Nut­zung von Sa­ni­tär- und So­zi­al­räu­men. Da­zu ge­hört auch ei­ne wert­schät­zen­de Kom­mu­ni­ka­ti­on auf Au­gen­hö­he. Wir ha­ben mit den be­tei­lig­ten Un­fall­ver­si­che­rungs­trä­gern Kon­takt auf­ge­nom­men und uns da­zu das Ziel Mit­te des Jah­res ge­setz­t.