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Für gesunde Arbeit

„So ’ne Aktion ist doch sehr wichtig.“

Für gesunde Arbeit

8.10.2017 +++ Mit Zustellerinnen und Zustellern ihre konkreten Anliegen zur Arbeitssituation und -belastung zu diskutieren, das tat der ver.di-Fachbereich in Nordrhein-Westfalen – und hatte ein praktisches Angebot für sie dabei: Ihre Sendungsmengen vor Arbeitsbeginn am Zustellstützpunkt wiegen zu lassen.

Zusteller lässt beladenes Fahrrad wiegen ver.di Zusteller konnten ihr beladenes Zustellfahrrad wiegen lassen

Wir verbringen einen großen Teil unserer Lebenszeit am Arbeitsplatz. Da ist es wichtig, was Arbeit mit uns macht. Zum Welttag für menschenwürdige Arbeit am 7. Oktober kamen Betriebsräte, ‧Jugend- und Auszubildendenvertreter, Vertrauensleute und Gewerkschaftssekretäre des Fachbereiches in Nordrhein-Westfalen an sieben Zustellstützpunkten mit Zustellern darüber ins Gespräch: Wie sieht deine Arbeit aus, ist es gute Arbeit? Kannst du am Arbeitsplatz mitreden und mitgestalten? Profitierst du von Arbeits- und Gesundheitsschutz?

Beschäftigte bei Postdiensten sind überdurchschnittlich krank. Das belegt der Gesundheitsreport der Betriebskrankenkassen für das Jahr 2016. Die meisten ambulanten Behandlungstage entfallen dabei auf Muskel- und Skeletterkrankungen, ebenso bei den stationären Behandlungstagen. Die Wissenschaftler vermuten, dass branchenspezifische Belastungen eine Rolle spielen.

 Das muss nicht sein

„Gerade an ’nem Samstag glaube ich, auch wenn man keine Zeit hat, eine gute Idee“, postete ein Zusteller auf dem Facebook-Account des Fachbereiches zu der Aktion und wünscht sich, dass mit den dabei gesammelten Daten Druck gemacht werden soll. Viele Zusteller ließen an dem Aktionstag ihr Zustellfahrzeug wiegen. Das schwerste Zustellfahrrad wog 102 Kilo. Nicht alle gewogenen Zustellfahrzeuge überschritten an diesem Tag das technisch zulässige Gesamtgewicht, doch kamen zu oft über 100 Kilo je Fahrrad auf die Waage. „So ’ne Aktion ist doch sehr wichtig“, postete eine Zustellerin und eine andere meinte: „Kommt mal bei mir vorbei, Samstag war echt heftig und mein Fahrrad macht auch nicht mehr lange“. Die Menge der Briefe, Warensendungen und kleinen Pakete ist von Tag zu Tag bei jedem Zusteller unterschiedlich groß. Dadurch ergeben sich an bestimmten Tagen besondere Belastungen. Das muss aber nicht sein, wo man doch in den Sortierzentren mit modernster Technik die zu verteilenden Mengen sehr genau steuern kann. Bei der Aktion kamen viele weitere Themen zur Sprache, die die Arbeit der Zusteller erschweren und zu Belastungen führen: Fehlende Entlastungskräfte bei unerwarteten Ausfällen bei den Stammzustellern, defekte Arbeitsmittel, zu späte oder unregelmäßige Zuführung der Sendungen und fehlende Wertschätzung ihrer Arbeit. „Es sind viele Faktoren, die die Arbeit in der Zustellung vielerorts zum Knochenjob werden lassen“, meint der Leiter des Fachbereiches in Nordrhein-Westfalen, Uwe Speckenwirth nach dem Aktionstag. „Doch gemeinsam werden wir an den Themen dranbleiben und mit den Betriebsräten und Vertrauensleuten über nötige Änderungen diskutieren und uns für eine echte Entlastung der Kolleginnen und Kollegen einsetzen. Unser Motto: ,Entlastung jetzt – für gesunde Arbeit bei der Post!‘“