Branchendialog Logistik 2024

21.06.2024

Flächentarifverträge stärken!

Auf Einladung unseres Fachbereichs trafen sich am 29. Mai die Arbeitgeberverbände der Logistikbranche in der ver.di-Bundesverwaltung. Nach einer anderthalbjährigen Pause war es an der Zeit, wieder zusammenzukommen und über relevante Themen zu sprechen. Mit dabei waren der Bundesverband Güterkraftverkehr und Logistik (BGL), der Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV) sowie die regionalen Arbeitgeberverbände der Branche. Für ver.di nahmen Andrea Kocsis, Stefan Thyroke, Thorsten Kühn und unsere Landesbezirksfachbereichsleiter*innen teil.

Nach aufregenden Monaten mit teils zermürbenden, aber dennoch erfolgreichen Tarifrunden, waren sich die Anwesenden darüber einig, dass Flächentarifverträge auch in der Zukunft das Maß der Dinge sein sollen. Sie sind wichtig, um einen Wettbewerb zu Lasten der Personalkosten – und damit auf dem Rücken der Beschäftigten – zu verhindern. Arbeitsplätze und Tätigkeiten sollen auch in Zukunft innerhalb der Branche vergleichbar bleiben und den Beschäftigten damit Orientierung und vor allem ein gutes Einkommen bieten.

 
Branchendialog 2024

Tarifverträge als Standards

Andrea Kocsis machte dabei deutlich, dass Tarifverträge als Standard anzusehen sind und nicht nur als Minimallösungen, die gerade einmal über dem Mindestlohn liegen. In dieser Hinsicht hat die Branche immer noch einen Nachholbedarf gegenüber anderen Branchen, in denen bei gleicher Tätigkeit teilweise mehr gezahlt wird. Nicht nur die erfolgreichen Tarifaufwertungsrunden in Nordrhein-Westfalen („Keine Arbeit unter Wert“) haben deutlich gemacht, dass ver.di von den Arbeitgebern mehr erwartet. Tarifverträge sind nicht nur ein Band, das Betriebe und Beschäftigte zusammenhält; sie müssen den Beschäftigten auch substanziell etwas bieten. In der Zukunft werden die Arbeitgeber vermehrt um Arbeitskräfte buhlen müssen, weil der demografische Wandel voranschreitet, Arbeitskräfte werden aller Orten fehlen. In dieser Situation sind gute und moderne Flächentarifverträge ein wichtiger Baustein, um schnell Personal zu gewinnen.

Mehr Kontrollen für einen fairen Transport

Des Weiteren sprachen wir über die Arbeitsbedingungen im Straßengütertransport. Nach wie vor reichen die Kontrollen nicht aus, um die teilweise guten Regelungen des EU-Mobilitätspaketes durchzusetzen. Die Anwesenden waren sich einig, dass es für einen fairen Transport in Europa unerlässlich ist, dass die geltenden Verkehrs- und Sozialvorschriften der EU kontrolliert und im Falle des Nichteinhaltens auch geahndet werden. Problematisch ist außerdem, dass im Straßengütertransport unterschiedliche Behörden kontrollieren. Der Bundesfachbereich hatte bereits auf seiner Konferenz im April 2023 beschlossen, dass es einer einheitlichen Behörde bedarf, die den gesamten Bereich abdeckt. Seit Februar dieses Jahres erhebt die EU-Ratspräsidentschaft die gleiche Forderung, nämlich dass im Straßengütertransport eine einheitliche EU-Behörde kontrolliert. Die Aufgaben des Zolls, des Bundesamtes für Logistik und Mobilität (BALM), der Polizei und weiterer Behörden müssen dringend gebündelt werden, zudem muss das Personal massiv aufgestockt werden.

Stefan Thyroke