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Fairer Transport als Ziel

Fairer Transport als Ziel

Die Europäische Transportarbeiter-Föderation (European Transport Workers’ Federation – ETF) hielt ihren 6. Ordentlichen Kongress vom 24. bis 27. Mai 2022 in Budapest ab. Mehr als 500 Teilnehmer*innen von über 200 Transportgewerkschaften aus ganz Europa nahmen an dem Kongress teil. Sie diskutierten, wie die Herausforderungen des Transportsektors angegangen und eine faire Zukunft für Transportarbeiter*innen sichergestellt werden kann.

 ETF, Tamas Pal

Der ETF-Kongress ist das oberste Organ und versammelt Delegierte der angeschlossenen Gewerkschaften. Als höchstes Entscheidungsgremium wählt der Kongress eine*n Präsident*in und eine*n Generalsekretär*in für die nächsten fünf Jahre sowie den Exekutivausschuss, dessen Aufgabe es ist, zu überwachen, dass die vereinbarten Leitlinien während der Amtszeit eingehalten werden. Zwei Kandidat*innen – Frank Moreels, derzeitiger Präsident der ETF und Livia Spera, amtierende Generalsekretärin der ETF – wurden erneut für die Positionen des Präsidenten und der Generalsekretärin gewählt.

Gemeinsam möchten sie sich dafür einsetzen, dass alle Beschäftigten im Transportgewerbe von fairen Arbeitsbedingungen profitieren. Ihre Ziele für die nächsten Jahre:

  • Transportarbeiter*innen stehen im Mittelpunkt der sie betreffenden Entscheidungen.
  • Transport muss frei von gewinnorientierter Ausbeutung und unlauterem Wettbewerb sein.
  • Die Arbeitsplätze in den Branchen sollen hochwertig und integrativ gestaltet sein.
  • Soziale und ökologische Nachhaltigkeit sollen Hand in Hand gehen.

Der Kongress wurde ganz bewusst in Budapest abgehalten, um gegen den aufsteigenden Rechtspopulismus in Ungarn der letzten Jahre zu protestieren und die Öffentlichkeit auf die Vielfalt der internationalen Gewerkschaftsbewegung aufmerksam zu machen.

Organisierung von Beschäftigten aus Osteuropa

In einer gesonderten Sitzung stand die gewerkschaftliche Organisierung der Arbeitnehmer*innen in den Ländern Mittel- und Osteuropas im Fokus. Die Herausforderungen dort sind vielfältig: Regierungen, die gewerkschaftliche Rechte beschneiden und Arbeitgeber, die eine gewerkschaftliche Organisierung verhindern sowie Arbeitnehmer*innen-Rechte einschränken. Kenan Öztürk von der türkischen Gewerkschaft TÜMTİS erklärte beispielsweise, welche Erfahrungen sie mit dem globalen Logistikriesen DHL gemacht haben:

„Wir mussten 35 Beschäftigte unterstützen, die von DHL entlassen wurden, nur weil sie Gewerkschaftsmitglieder waren. Wir bauten Zelte vor den DHL-Büros auf und haben für unsere Mitglieder gegen diese Diskriminierung gekämpft. Wir haben uns dafür eingesetzt, dass sie wiedereingestellt werden.“

Den Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen setzten die Delegierten auch gleich in die Tat um: So zogen rund 200 Delegierte vor das ungarische Parlament, um ihre Solidarität mit den Kolleg*innen der ungarischen Fluggesellschaft WizzAir auszudrücken. Die Kolleg*innen kämpfen dort für einen Tarifvertrag und die Anerkennung ihrer Gewerkschaft als Verhandlungspartner.

Die European Transport Workers‘ Federation (ETF) ist eine demokratische, gesamteuropäische Gewerkschaftsorganisation, die über fünf Millionen Transportarbeiter*innen aus mehr als 200 Transportgewerkschaften in 38 Ländern der Europäischen Union, des Europäischen Wirtschaftsraums und Mittel- und Osteuropas vertritt.

Die ETF vertritt Beschäftigte aus der Zivilluftfahrt, der Fischerei, der Binnenschifffahrt, der Logistik, dem Seeverkehr, den Häfen und Docks, der Eisenbahn, dem Straßenverkehr, dem Tourismus und dem öffentlichen Nahverkehr.