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Befristete „Hoch-WAZung“ bei der Deutschen Post

Befristete „Hoch-WAZung“ bei der Deutschen Post

© ver.di

Sandro Schill (li.) und Vertrauensmann Heiko Stuck haben die Aktion ihrer Betriebsgruppe unterschrieben: Solidarisch gegen Befristungen in ihrer Niederlassung – und gegen eine befristete Erhöhung der Wochenarbeitszeit (WAZ-Erhöhung).

Name: Sandro Schill
Alter: 35
Kinder: 2 (15 Jahre / 9 Jahre)
Hobbies: Fahrrad fahren, spazieren gehen, Fußball

 

Seit wann bist du bei der Deutschen Post AG und wo arbeitest du?

Ich arbeite seit 2. Januar 2019 als Verbundzusteller im Zustellstützpunkt Halle 1.

Viele Kolleg*innen bei der DP AG erhalten beim Start lediglich einen befristeten Vertrag – oftmals über den vollen, gesetzlich möglichen Befristungszeitraum von zwei Jahren. Wie war das bei dir?

Ich wurde nach zwei Jahren entfristet. Darüber war ich happy. Allerdings gab es einen bitteren Beigeschmack. Leider beinhaltet mein unbefristeter Arbeitsvertrag nur 30 Stunden obwohl ich vorher mit 38,5 Stunden beschäftigt war. Gleichzeitig erhielt ich eine befristete Erhöhung der Wochenarbeitszeit (WAZ) auf 38,5 Stunden. Über diese Vorgehensweise bin ich sehr verärgert. Da rackert man zwei Jahre in Vollzeit und wird nur mit einem Vertrag über 30 Stunden entfristet.

Was forderst du von der Politik und der Deutschen Post AG für befristete Kolleg*innen? Und möchtest du noch allgemein etwas loswerden?

Es ist an der Zeit, dass Arbeitsverhältnisse wieder von Beginn an unbefristet abgeschlossen werden. Somit wird der Druck auf befristete Beschäftigte deutlich reduziert. Es entsteht Sicherheit und Planbarkeit für die Betroffenen. Befristete Arbeitsverhältnisse sollten nur noch in bestimmten Gründen wie bei einer Krankheitsvertretung erlaubt sein.

Dann ist meiner Meinung nach das Entfristungsmodell in der NL Betrieb Leipzig mit 30 Stunden und gleichzeitiger „Hoch-WAZung“* auf 38,5 Stunden sehr komisch. Arbeit wird die Post immer genug haben, deswegen braucht es keine 30-Stunden-Verträge – außer Kolleg*innen wollen mit einer WAZ von 30 Stunden oder weniger arbeiten. Gleichzeitig muss der Arbeitgeber den Kolleg*innen, die momentan eine Teil-WAZ haben, ermöglichen, unbefristet „hochgewazt“ zu werden – sie also eine verlässliche Wochenarbeitszeit und ein verlässliches Gehalt haben.

Ich bin Zusteller mit Leib und Seele. Dennoch stelle ich fest, dass die Bezirke kaum noch zu schaffen sind. Kaum ein Tag vergeht, an dem man nicht hetzt und gegen die Zeit rennt. Durch die viel zu knapp bemessene Zeit sind die meisten Kolleg*innen schon morgens nach der Vorbereitung fix und fertig. Die Post muss die Belastungsschraube runterdrehen, damit wir den Job als Zusteller*in auch bis zur Rente gesund durchhalten.

Vielen Dank Sandro für das Gespräch.

Befristete WAZ-Erhöhung

Nach oft­mals vol­len zwei Jah­ren (dies ist das ge­setz­lich zu­läs­si­ge Ma­xi­mum) er­hal­ten ei­ni­ge Be­schäf­tig­te bei der DP AG end­lich einen un­be­fris­te­ten Ver­trag – al­ler­dings an man­chen Stand­orten mit deut­lich we­ni­ger Wo­chen­stun­den (Wo­chen­ar­beits­zeit/WA­Z) und da­mit we­ni­ger Ge­hal­t. Die DP AG bie­tet die­sen Kol­leg*in­nen oft ei­ne be­fris­te­te Er­hö­hung der Wo­chen­ar­beits­zeit an. Für die Be­schäf­tig­ten heißt dies: Auf die WAZ und das da­mit ver­bun­de­ne Ge­halt kön­nen sie sich nicht ver­las­sen und nicht da­mit pla­nen. ver­.­di for­dert kon­se­quent un­be­fris­te­te Ar­beits­ver­hält­nis­se mit vol­ler Wo­chen­ar­beits­zeit bei der Deut­schen Post AG. Der Ar­beit­ge­ber ist hier in der Pflicht, sei­ne Per­so­nal­pla­nung so aus­zu­rich­ten, dass sie nicht zu­las­ten der Be­schäf­tig­ten und ih­rer Si­cher­heit geht.