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„Die Corona-Pandemie hat so viel auf den Kopf gestellt“

„Die Corona-Pandemie hat so viel auf den Kopf gestellt“

Knapp ein Jahr hält die Corona-Pandemie bereits an und prägt sämtliche Lebensbereiche. Wie wirkt sie sich auf die Arbeit und den Arbeitsalltag in der Logistik aus? Wie gehen Kolleg*innen aus diesem Bereich mit den neuen Bedingungen um und welche Lösungswege haben sie für verschiedene Herausforderungen gefunden? Anja, eine ver.di-Kollegin aus der Branche, hat der be.wegen-Redaktion von ihren Erfahrungen berichtet:

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bewegen: Wer bist du, wo arbeitest du und in welchem Bereich? Was sind deine Aufgaben?

Anja: Moin ich bin Anja und lebe glücklich mit Mann und Familie in Hamburg. Als Qualitätsprüferin in einem Logistik-Lager für Ersatzteile bin ich dafür verantwortlich, die einzelnen Teile und die dazugehörigen Papiere zu überprüfen, ob alle Richtlinien für die Ware eingehalten wurden. Aber meine Leidenschaft ist die Betriebsratsarbeit und da gibt es viel zu tun. Die Corona-Pandemie hat so viel auf den Kopf gestellt.

Was hat sich durch die Pandemie verändert?

Anja: Die Veränderungen durch den Lockdown waren von heute auf morgen sehr groß. Diese zu verstehen und zu verinnerlichen war und ist ein langer Prozess für alle. Es beginnt beim fehlenden Händeschütteln: Bei den einen hieß es „Keine Angst, ich habe kein Corona!“, die anderen fragen sich, warum keine Masken getragen werden müssen. Die Laufwege im Lager waren auf einmal Einbahnstraßen und… wie soll man alles desinfizieren? Am Anfang hat unser Arbeitgeber entschieden, statt unserer normalen Gleitzeit feste Schichten einzuführen und wir wurden eine Stunde früher in den Feierabend geschickt – allerdings ohne Lohnausfall.

Nach fast einem Jahr hat sich das meiste gut eingespielt. Masken und Desinfektionsmittel werden vom Arbeitgeber ausreichend gestellt und wir haben unsere Gleitzeit auch wieder. Alle haben inzwischen einen Platz für die Mittagspause gefunden und zusammen achten wir auf Abstand.

Wie geht ihr als Belegschaft damit um? Hat sich hier etwas durch Corona verändert?

Anja: Das Neuerlernte umzusetzen ist das eine, doch die tagtäglichen Nachrichten sind das andere. Es vergeht kein Tag, an dem nicht über Corona gesprochen wird – untereinander im Team aber auch mit mir als Betriebsrätin. Zudem sind wir auch von Kurzarbeit betroffen, was vielen Angst macht. Dazu kommen unterschiedliche private Herausforderungen durch die Pandemie wie geschlossene Kitas, Homeschooling, keine Reisen zur Familie ins Ausland oder Erkrankungen bei Familienangehörigen. Für viele ist die aktuelle Situation manchmal schwer zu bewältigen.

Wie geht ihr als Betriebsrat mit den Veränderungen um? Wie laufen Betriebsversammlungen ab, wie kommuniziert ihr mit den Beschäftigten und setzt Betriebsvereinbarungen um?

Anja: Da von unserem neunköpfigen Betriebsrat meistens jemand im Lager ist, können wir den persönlichen Austausch gut aufrechterhalten. Unsere Bürotür steht offen, um zuzuhören und zusammen gute Lösungen zu finden. In vielen Fällen bekommen wir das gemeinsam mit dem Arbeitgeber auch gut hin.

Leider fehlen uns die Mittel, um eine coronagerechte Betriebsversammlung zu gestalten. Das ist sicherlich eine unserer nächsten Herausforderungen. Bis jetzt haben wir das mit regelmäßigen Info-Mails an alle gut auffangen können.

Wie geht es dir mit den Veränderungen? Gibt es für dich besondere Belastungen?

Anja: Bislang kann ich mich glücklich schätzen: Es stört mich zwar, meine Freizeit nicht so mit Freunden und Familie zu gestalten, wie ich es gerne würde, aber zum Glück sind alle gesund. Auf der Arbeit muss ich die Maske nicht durchgehend tragen, da ich weitestgehend alleine arbeite.

Gibt es auch positive Veränderungen wie zum Beispiel mehr Zusammenhalt unter den Kolleg*innen oder eine verstärkte digitale Kommunikation?

Anja: Ich hoffe, dass die Neuerungen wie Online-Meetings, Homeoffice und flexible Arbeitszeiten unserem Arbeitgeber einen Weg in Richtung Zukunft aufzeigen können. Die Beschäftigten machen einen genauso guten Job als wären sie jeden Tag im Büro. Für viele meiner Kolleg*innen würde dies die Lebensqualität verbessern.

Warum bist du Mitglied bei ver.di?

Anja: ver.di bedeutet für mich Sicherheit und Gemeinschaft in meiner Arbeitswelt. Ich bin Mitglied, um langfristige Ziele und menschenfreundliche Arbeitsbedingungen zu erkämpfen.

Vielen Dank Anja für deine Zeit und deine Einblicke. Bleib (weiterhin) gesund!