Branche

Soziale Bedingungen in der Logistik

Forschungsprojekt

Soziale Bedingungen in der Logistik

Gewerkschaften aus diesen Ländern arbeiten an dem Projekt mit ver.di Gewerkschaften aus diesen Ländern arbeiten an dem Projekt mit

11.6.2018 +++ Die Arbeitsbedingungen im Straßengüterverkehr sind in Europa ein großes Problem. Es gibt einen unerbittlichen Wettbewerb um Aufträge. Unternehmen richten Briefkastenfirmen in anderen Ländern ein, um Sozial- und Qualitätsstandards in den Ländern zu umgehen, in denen die Dienstleistung erbracht wird.

Gemeinsam mit der Europäische Transportarbeiter Föderation (ETF) ist ver.di seit Jahren politisch aktiv, um auf der europäischen und nationalen Ebene diesem grenzenlosen System der Ausbeutung von Beschäftigten Einhalt zu gebieten. Der Erhalt von sozial- und tarifvertraglich geschützten Arbeitsplätzen in der Logistikbranche ist das Ziel des gewerkschaftlichen Handelns. Und es liegt auch im Interesse vieler Unternehmen, nicht über den Strudel des unlauteren Wettbewerbs in den Abgrund gerissen zu werden.

Wie ist es um die sozialen Bedingungen in der Logistik in Europa bestellt? Um hier länderübergreifend ein aktuelles Bild zu bekommen, hat ver.di gemeinsam mit der ETF und der EVA (Europäische Verkehrs-Akademie) das Projekt „soziale Bedingungen in der Logistik in Europa“ bei dem bei der Europäischen Union angesiedelten Europäischen Sozialfonds beantragt und zum 1. Dezember 2017 bewilligt bekommen. Über den Projektzeitraum von 18 Monaten stehen nun Mittel zur Verfügung, um die Lebens-, Arbeits-, Einkommens- und Tarifbedingungen der Beschäftigten der Logistik, und dabei insbesondere im Straßengüterverkehr, zu untersuchen. Dies nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Nachbarländern Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Dänemark, Polen, Tschechien, der Slowakei und Österreich (siehe Grafik). Auch Gewerkschaften aus anderen Ländern, unter anderem aus Belgien (ACV-Transcom und BTB-ABVV) und Dänemark (3F), arbeiten an dem Projekt mit.

Der Blick auf die jeweils nationale Situation in insgesamt neun verschiedenen Länder einerseits und die Betrachtung von Verknüpfungen und Wechselwirkungen, die es in der Transportbranche durch die offenen Märkte andererseits gibt – das ist das „Neue“ an diesem Projekt. Wo wird in den jeweiligen Grenzgebieten Lohndumping und Tarifflucht begangen? Je nach Standort ändert sich hier die Perspektive. So sind aus deutscher Sicht die Briefkastenfirmen in östlicheren EU-Staaten ein Problem. Aus Sicht der niederländischen oder dänischen Kolleginnen und Kollegen sind es Briefkastenfirmen in Deutschland, die dazu dienen, Tarifflucht zu begehen.

Das Projekt umfasst die Aufarbeitung nationaler und europäischer gesetzlicher Rahmenbedingungen, Situationsbeschreibungen der Branche sowie auch die Untersuchung der konkreten Arbeitsbedingungen der Beschäftigten. Dazu wurden in einem ersten Schritt drei verschiedene Fragebögen für eine Umfrage entwickelt. Die Umfrage richtet sich an Gewerkschaften, Beschäftigte und Unternehmen und ist inzwischen angelaufen.

In einem zweiten Schritt wird es zwischen September dieses Jahres und Januar nächsten Jahres drei Workshops mit Kolleginnen und Kollegen aus der Branche geben, die sich über ihre jeweilige Situation austauschen. Die Workshops orientieren sich an den jeweiligen Grenzregionen. Der erste Workshop findet mit den niederländischen, belgischen und französischen Kolleginnen und Kollegen statt. Der zweite Workshop findet mit den dänischen Kolleginnen und Kollegen statt. Der dritte Workshop findet mit den Kolleginnen und Kollegen aus Österreich, der Slowakei, Tschechien und Polen statt.

Das Projekt wird mit einer Abschlusskonferenz am 9. Mai 2019 in Berlin beendet werden. Dort wollen wir Politik, Arbeitgeber und die Kolleginnen und Kollegen aus den teilnehmenden Staaten zusammenbringen. Die Konferenz findet zwei Wochen vor den Wahlen zum Europäischen Parlament statt. Wir hoffen und erwarten uns, dass die Ergebnisse des Projektes in die zukünftige Arbeit der EU-Parlamentarier einfließen.