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Arbeit im Krisenmodus

Arbeit im Krisenmodus

LKW-Berufskraftfahrerinnen und -fahrer während der Corona-Pandemie

 

Beruflich Lkw zu fahren, ist ein Knochenjob. Schon vor der Corona-Krise gehörten Überstunden, enge Zeitfenster und volle Parkplätze zum Alltag der Beschäftigten. Mit der Krise aber hat sich die Situation um ein Vielfaches verschlimmert. ver.di fordert jetzt bessere Arbeitsbedingungen und auch nach einem Ende der Pandemie dürfen die Interessen der Kolleginnen und Kollegen nicht in Vergessenheit geraten.

 dpa/Robert Michael

 

Eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von mehr als 48 Stunden, volle Parkplätze und teures Essen an den Autobahnraststätten sowie Verkehrsstaus und Umleitungen prägen den Arbeitsalltag der Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer. Hinzukommen enge Zeitfenster beim Be- und Entladen des eigenen Lkw und Pausen, die eigentlich der Erholung dienen sollten, neben der lärmenden Autobahn. Diese Situation ist in normalen Zeiten leider die Regel.

Corona sorgt für unhaltbare Zustände

Während der Covid-19-Pandemie wird diese Situation noch einmal verschärft. Wo zuvor wenigstens noch einige Logistik-Zentren Toiletten für die Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer geöffnet hatten, sind nun Betriebe für Externe geschlossen. Wo es an den Raststätten vorher zumindest Essen zu überteuerten Preisen gab, waren diese zu Beginn der Pandemie komplett geschlossen und die Versorgung mit Essen praktisch unmöglich. Inzwischen haben einige Autobahnraststätten wieder geöffnet.

Problematisch mit Blick auf die Hygiene war, dass die Zugangsschranken der sanitären Anlagen an den Autobahnraststätten vielfach geöffnet wurden und kein Reinigungspersonal zur Verfügung stand. Wo vorher noch 50 Cent bezahlt werden mussten, konnte man nun kostenlos die sanitären Anlagen nutzen. Dies führte dazu, dass die Anlagen stark verschmutzt waren. Für die LKW-Fahrerinnen und -Fahrer, die sich auch waschen müssen, waren dies unzumutbare Zustände. Das hat ver.di dazu veranlasst, die Betriebsräte der Logistikbetriebe aufzufordern, mit ihren Arbeitgebern darüber zu sprechen, ihre Betriebe für LKW-Fahrerinnen und -Fahrer zu öffnen. Sie sollen nicht mehr als Externe behandelt werden, sondern als Kolleginnen und Kollegen, die sie ja letztendlich auch sind.

Die Situation ist hausgemacht

Diejenigen, die jetzt von den „Helden des Alltags“ sprechen, wie es der Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer am 6. April 2020 getan hat, denen möchten wir dringend empfehlen, sich auch noch nach dem Ende der Pandemie daran zu erinnern. Die Umstände, unter denen Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer in unserem Land arbeiten müssen, sind nicht zufällig entstanden, sondern das Ergebnis einer Ordnungspolitik – sei es auf nationaler oder auf europäischer Ebene –  die dem ungezügelten Wettbewerb oder dem Druck ausgewählter Lobbyinteressen Vorrang vor dem Allgemeinwohl und dem Schutz der Beschäftigten einräumt.

Die Preispolitik an den Frachtbörsen führt zu rigorosem Sozial-Dumping. Manche Fracht-Raten sind gerade in der jetzigen Zeit so niedrig, dass diese keine Personalkosten beinhalten können, wo zumindest der Mindestlohn gezahlt werden müsste. Oder eine „just-in-time“-Logistik, die keine Minute Verzögerung duldet und unsere Kolleginnen und Kollegen immer wieder in stressige Situationen bringt. Und zu guter Letzt haben auch die Arbeitgeber in der Branche ihren Anteil, indem sie oftmals durch eine Verweigerung von Tarifbindung lieber ein Teil des Problems bleiben.

 

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Diesen Artikel findest du in unserer Mitgliederzeitschrift be.wegen 03/2020. 

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