Massenentlassungen bei DPD

Gesamtbetriebsrat erstreitet Interessenausgleich und Sozialplan
31.01.2024

Den Paketdienstleistern bescherte das Coronavirus eine goldene Zeit: Der Onlinehandel boomte, die Paketvolumina in den Hubs, Depots und in der Zustellung schnellten in die Höhe. In der Hoffnung, dass dies so bleibt, -bauten Paketdienstleister ihre Kapazitäten aus. „Das hat sich nicht bewahrheitet, viele Menschen suchen wieder vermehrt den stationären Einzelhandel auf“, so Patrick Gerson, ver.di-Gewerkschaftssekretär und DPD-Unternehmensbetreuer mit Sitz in Aschaffenburg. In der Folge seien die Paket-volumina zurückgegangen. Das treffe alle Paketdienstleister, allerdings in unterschiedlichem Maße. DPD habe sehr starke Einbrüche verzeichnen müssen.

 

Derzeit hat DPD in Deutschland noch 79 Standorte, von denen bis in den hintersten Winkel der Republik geliefert wird. „Das gesunkene Paketvolumen hat zu einem geringeren Personalbedarf geführt, DPD sieht sich zu unternehmerischen Maßnahmen gezwungen, die leider nicht an den Belegschaften vorbeigehen“, erklärt Gerson. Mit dem Programm „Reorganisation FIT“ will DPD bis Ende 2025 eine standortübergreifende Umstrukturierung in allen Bereichen vollziehen. „DPD hat angekündigt, bundesweit 1.210 Vollzeitstellen zu streichen, grob gerechnet jeden siebten Arbeitsplatz.“ Weil Depots verkleinert oder geschlossen werden sollen, werde geprüft, ob Versetzungen an andere Standorte möglich sind, ansonsten drohe die betriebsbedingte Kündigung.

In etlichen Verhandlungsrunden einigten sich der Gesamtbetriebsrat (GBR) und die Arbeitgeberseite auf einen Interessenausgleich und einen Sozialplan, beide Dokumente wurden am 7. Dezember 2023 unterschrieben. Demnach kommt bei den Kündigungen eine Sozialauswahl nach Alter, Betriebszugehörigkeit, Unterhaltspflichten und Schwerbehinderung zum Tragen; außerdem wurden vier Altersgruppen gebildet, aus denen gleichmäßig entlassen werden soll. Gekündigte Arbeitnehmer*innen sollen eine Abfindung gemäß der Formel „Betriebszugehörigkeit x Bruttomonatsgehalt x 0,5“ erhalten.

„Der Umstrukturierungsprozess wird eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, wir sprechen nicht von Wochen, sondern von Monaten und zum Teil Jahren“, erklärt Gerson. ver.di habe den GBR bei den Vereinbarungen unterstützt. „Das Ergebnis ist akzeptabel, aber natürlich hätten wir uns größere Zugeständnisse gewünscht. Ende 2025 müssen wir schauen, woran gegebenenfalls noch zu feilen ist, inwiefern der Arbeitgeber beschlossene Maßnahmen umgesetzt hat, was gegebenenfalls noch ansteht, wo noch Korrekturbedarf besteht.“

Für die Gewerkschaftssekretär*innen in der Fläche beginne nun die Arbeit erst, weil die Maßnahmen jetzt betrieblich umgesetzt werden müssen. „Wir stehen allen Mitgliedern und Betriebsratsgremien vor Ort mit Rat und Tat zur Seite, schauen, wie wir möglichst viele Arbeitsplätze doch erhalten können.“ So versuche man beispielsweise weiterhin, Kolleg*innen zwischen den Depots zu vermitteln. Viele DPD-Kolleg*innen seien ver.di-Mitglieder; Arbeitskämpfe seien juristisch noch immer möglich. Angesichts des verbreiteten Fachkräftemangels liege es auch im Interesse des Unternehmens, Arbeitskräfte zu halten, die es vorher händeringend gesucht hat. Momentan bewege sich Logistikbranche zwar teilweise im Rückwärtsgang, längerfristig sei sie nach wie vor ein Wachstumsmarkt.

Ute Christina Bauer