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Mitbestimmung unter Corona - Wahl bei der ITG

Mitbestimmung unter Corona - Wahl bei der ITG

Die Corona-Pandemie ist für uns alle eine schwierige Zeit, insbesondere für die betriebliche Interessenvertretung. Um Ansteckungen zu vermeiden, gilt es Abstand zu halten, doch wie kann unter solchen Bedingungen gewählt werden? Wie kann Mitbestimmung in Corona-Zeiten gelebt werden?

Wahl bei der ITG, Personen stehen mit Abstand vor dem Gebäude ver.di Wahl bei der ITG - Mit Abstand

 

Ein gutes Beispiel, um erfolgreich mit dieser nicht ganz einfachen Situation umzugehen, legen die Beschäftigten der ITG vor, einem Speditions- und Logistikunternehmen am Münchner Flughafen. Dort fand am 26. März mit über 400 Teilnehmenden die Wahl zum Wahlvorstand statt. Natürlich unter besonderen Corona-Bedingungen.

Kreuzchen für Kreuzchen kleben die ver.di-Kolleg*innen auf den Asphalt zwischen den Lagerhallen der ITG am Münchener Flughafen. Die Bodenmarkierungen machen das Abstandhalten leichter. Sie sind Vorbereitungen für die Wahl des Wahlvorstands und damit die Weichenstellung für eine Betriebsratswahl – das erste Mal bei der ITG. Mit überwältigendem Erfolg!

Wie alles begann

Es ist nicht der erste Versuch, eine Betriebsratswahl ins Rollen zu bringen. In den Jahren zuvor waren die Initiativen gescheitert. Der Arbeitgeber setzte sich stets durch, zum Beispiel durch Versetzungen.

Mit viel Geduld und Bedacht und unter Einhaltung von Hygieneregeln und Sicherheitsmaßnahmen besuchten die ver.di-Kolleg*innen über Monate hinweg den Betrieb und kamen ins Gespräch mit Beschäftigten. So erfuhren sie, wo der Schuh drückt.

Organizing in Webex-Zeiten

Mit Flyern machte ver.di auf die Möglichkeiten aufmerksam, sich für bessere Arbeitsbedingungen bei der ITG zu engagieren: Dabei reichte die Bandbreite von aktiver Beteiligung bis hin zur anonymen, stillen Unterstützung. Letzteres erwies sich als wichtige Option für die Beschäftigten. „Gewerkschaft“ und „Mitbestimmung“ war für Viele noch neu. Mit Video-Konferenzen vernetzte ver.di die einzelnen Aktiven anonym, um sie umfassend zu schützen. Zudem erschien ver.di regelmäßig zu Betriebsbegehungen, was sowohl die Aktiven motivierte als auch klare Zeichen in Richtung des Arbeitgebers setzte.

Wahl bei der ITG: Kolleg*innen stehen mit Abstand vor dem Gebäude. ver.di Abstand halten leicht gemacht

Die Vorbereitungen zur Wahl

Allein die Sichtbarkeit von ver.di führte bereits zu Verbesserungen im Betrieb und brachte der Bewegung weiteren Aufwind. Zudem informierte ver.di die ITG-Beschäftigten über branchenübliche Tariflöhne. Mehr und mehr Beschäftigte unterstützten den Gedanken, mehr Mitbestimmung bei der ITG zu etablieren.

Aktionen im Betrieb waren wegen der Pandemie allerdings nicht möglich. Was also tun?

Die Aktiven entschlossen sich zur Offensive, bildeten eine ver.di-Liste, mit der sie als Wahlvorstand kandidieren wollten. ver.di konnte aufgrund der detaillierten Betriebskenntnis einen Termin mit dem Arbeitgeber festlegen: Am 26. März sollte erstmalig ein Wahlvorstand gewählt werden.

Wahlen mit Abstand – was es dafür braucht

Für die Wahl auf dem Betriebsgelände legte ver.di ein Konzept vor, das die gesetzlichen Rahmenbedingungen sogar übertraf. Das Feedback auf die Wahleinladung war eindeutig: Die Beschäftigten zeigten großes Interesse und unterstützen die ver.di-Aktiven. Und das entfaltet am Wahltag die volle Wucht:

Statt der angepeilten 150 bis 200 Teilnehmenden stellen sich über 400 Beschäftigte auf den abgeklebten Bodenkreuzchen auf. „Wir sind einfach nur baff“, bestätigt Haris Softic, zuständiger Gewerkschaftssekretär Bayern. Auch ver.di-Hauptamtliche sind zahlreich vor Ort, um die Wahl zu unterstützen. „Da spielt auch die Sehnsucht nach betrieblichen Veranstaltungen eine Rolle“, so Haris.

Fulminantes Ergebnis

Die akribische Vorarbeit zahlt sich aus: Die von ver.di vorgeschlagenen Kandidat*innen werden am Wahltag von den 411 Teilnehmenden einstimmig in den Wahlvorstand gewählt (38 Prozent Wahlbeteiligung). Damit ist der Weg frei für eine Betriebsratswahl. Auch hier werden ver.di-Mitglieder mit einer eigenen Liste antreten und sich für sichere Arbeitsplätze, Entlastung und gute Arbeitsbedingungen sowie faire Aufstiegschancen und ein wertschätzendes Betriebsklima einsetzen. „Die ver.di-Aktiven haben die Herausforderungen mit Bravour gemeistert und das Wahlergebnis gibt ihnen Recht.“ – David Merck, Landesbezirksfachbereichsleiter in Bayern.

So kann Mitbestimmung unter Corona gelingen! ver.di wünscht dem neuen Wahlvorstand einen guten Start und wird ihn mit Rat und Tat dabei unterstützen!