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Logistiksektor zwischen Globalisierung, Industrie 4.0 und Online-Handel

Studie

Logistiksektor zwischen Globalisierung, Industrie 4.0 und Online-Handel

Studie: Claus Zanker „Der Logistiksektor zwischen Globalisierung, Industrie 4.0 und Online-Handel" Hans-Böckler-Stiftung Studie

25.6.2018 +++ Die Studie von Claus Zanker gibt einen Überblick über die wesentlichen Trends, Strukturmerkmale und Entwicklungen im Post-, Transport- und Logistiksektor und beschreibt die wichtigsten Herausforderungen für Akteure der Mitbestimmung.

(Auszug) Der Logistiksektor ist einer der wichtigsten Infrastruktursektoren. Die rund 60.000 Unternehmen dieser Branche in Deutschland sorgen für den Transport von Rohstoffen in die industriellen Zentren, befördern per Schiff, Flugzeug, Bahn und Lkw Vorprodukte und Halbfertigwaren zwischen den (globalen) Standorten unserer arbeitsteiligen Wirtschaft, verteilen in feinmaschigen Distributionsnetzwerken Industrie- und Konsumgüter an Handel und Endverbraucher, sorgen für die Koordination einer immer komplexer werdenden Wertschöpfungskette und sind mit ihren leistungsfähigen Express- und Paketnetzwerken die logistische Basis für den von großen Zuwachsraten gekennzeichneten Online-Handel.

Mit einem Marktvolumen von mehr als 198 Milliarden Euro und rund 1,34 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist der Logistiksektor ein wichtiger Faktor für die Volkswirtschaft und den Arbeitsmarkt in Deutschland. Die Logistikbranche steht angesichts der Globalisierung der Wertschöpfung, neuer Produktionskonzepte, der Digitalisierung von Geschäfts- und Arbeitsprozessen und des starken Wachstums des E-Commerce vor neuen Herausforderungen. Hinzu kommen steigende Anforderungen von Politik und Kunden, was die Reduzierung der Umweltbelastung durch zunehmende Güterverkehre anbelangt. Diese Trends bestimmen die Entwicklung der Branche
nachhaltig, was sich bereits an einzelnen Indikatoren zeigt, wie die stark steigenden Sendungsmengen und Umsätze im Paketgeschäft, die Zunahme der Containerverkehre oder das Entstehen neue Geschäftsmodelle auf Basis digitaler Technologien.

Der analysierte Post-, Transport- und Logistiksektor ist kein homogenes Gebilde, sondern setzt sich aus mehreren Teilsegmenten zusammen, die hinsichtlich ihrer Bedeutung, Struktur und Entwicklung höchst unterschiedlich sind. So hat in den  zurückliegenden Jahren beispielsweise der Güterverkehr in der Binnenschifffahrt eine andere Entwicklung genommen als die Luftfracht, das Briefgeschäft eine andere als die Kontraktlogistik und der nationale Güterverkehr eine andere als die grenzüberschreitenden Logistikdienstleistungen. Aufgrund dieser heterogenen Gemengelage der Branche ist eine gemeinsame Darstellung ihrer Struktur und Entwicklung eine besondere Herausforderung.

Die Studie ist als Sekundäranalyse des umfangreich vorhandenen Zahlenmaterials zum Sektor angelegt. Für die Erstellung einer Fallstudie zu neuen Zustellkonzepten im Paketgeschäft für die Analyse der Digitalisierungstrends sowie die Darstellung der Arbeitsbedingungen und Arbeitsbeziehungen in der Branche wurden zudem sechs Experteninterviews mit Unternehmensvertretern, Betriebsräten und Gewerkschaftern geführt.

Die Studie stützt sich insbesondere auf die Zahlenreihen und Publikationen der Verkehrsstatistik des Statistischen Bundesamts, Fachserie 8, Reihe 1.1 und der Strukturerhebung im Dienstleistungsbereich – Verkehr und Lagerei, Fachserie 9, Reihe 4.1. Zudem sind die Marktberichte und Analysen des Bundesamts für Güterverkehr und des Kraftfahrt-Bundesamt eine wahre Fundgrube für Informationen zur Entwicklung des Sektors. Nicht zuletzt beruhen wesentliche Erkenntnisse in dieser Arbeit auf dem Standardwerk der empirischen Forschung zum Logistiksektor von Michael Schwemmer „Die TOP 100 der Logistik“, Ausgabe 2016/2017. Für die Analyse wurden Daten und Publikationen berücksichtigt, die im Mai 2017 zugänglich waren.