Mitbestimmung

Die Digitalisierung mutig mitgestalten

Die Digitalisierung mutig mitgestalten

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Bei der DP CSC GmbH, den Callcentern der Deutschen Post AG, wird die Digitalisierung durch die ver.di-Betriebsräte proaktiv angegangen. Sie erarbeiteten eine Digitalisierungsstrategie, mit welcher die Veränderung im Betrieb zum Schutz der Beschäftigten gestaltet wurde und auch noch weiterhin gestaltet werden soll. Bei der DP CSC GmbH arbeiten sowohl eigene Beschäftigte, Beschäftigte der Deutschen Post AG (im Rahmen der Konzernleihe) sowie Leiharbeitnehmer*innen.

Wie alles begann: Ein Datenschutzseminar gibt den Anstoß


Der Stein des Anstoßes war im Sommer 2018 ein dreitägiges Seminar zum Thema Datenschutz. Dort hat der Gesamtbetriebsrat (GBR) beschlossen, selbst eine Digitalisierungsstrategie zu entwickeln, um dem digitalen Wandel auf Augenhöhe zu begegnen und die Pläne des Unternehmens arbeitnehmerfreundlich mitzugestalten.

Ziel war es, sicherzustellen, dass sich der digitale Wandel positiv auf die Beschäftigten auswirkt. Zudem war es ein Anliegen der Betriebsräte, zukunftsgerichtet und kompetent mit den Veränderungen umzugehen. Am Ende des Seminars standen dann die Eckpfeiler einer Digitalisierungsstrategie.

In den folgenden Monaten stimmten sich GBR und BRs aus den Betriebsratsregionen regelmäßig ab, so dass ein gemeinsamer Weg entstand. Die Kolleg*innen sollten für die Chancen und Risiken sensibilisiert und durch Schulungen und Informationsangebote konnte die Expertise gefestigt und erweitert werden. Am 2. Mai 2019 wurde dann auf der GBR-Sitzung in Hannover die gemeinsame Digitalisierungsstrategie beschlossen.

Die Leitsätze der Digitalisierungsstrategie


Die Digitalisierungsstrategie besteht aus neun Leitsätzen, welche als Eckpfeiler und Orientierung für die Arbeit der Betriebsräte dienen.

Der Leitsatz „Wir gestalten Arbeit im digitalen Wandel proaktiv mit“ legt fest, dass alle Mittel der Mitbestimmung eingesetzt und Verstöße konsequent verfolgt werden. Um die negativen Auswirkungen der Digitalisierung für die Mitbestimmung vollständig zu erfassen und daraus Ziele und Maßnahmen der betrieblichen Mitbestimmung abzuleiten, müssen Probleme frühzeitig erkannt und abgewendet werden.

 

„Die Digitalisierungsstrategie hat neue Wege der Gestaltung eröffnet. Die Leitsätze sind unsere Vision der Zukunft und Leitlinien für unsere Arbeit. Ich lade euch ein, diesen Weg mit euren Gremien auszuprobieren.“

Kerstin Tenbieg, Vorsitzende des GBR DP CSC GmbH

Um die Folgen der Digitalisierung in den einzelnen Bereichen abzuschätzen und um die Einflussmöglichkeiten des Betriebsrates zu ermitteln, wird ein Folgeabschätzungsmanagement erarbeitet. Hierfür wird aktuell eine Checkliste für die Bereiche Arbeitszeit, Arbeitsort, Arbeitsorganisation, Gesundheitsschutz, Qualifikation & Fortbildung sowie Datenschutz und Beschäftigtenstatus erstellt, um die Auswirkungen der Digitalisierung zu beurteilen. Sind diese in einem Bereich negativ, so werden Maßnahmen ergriffen, mit welchen der Betriebsrat entgegenwirken kann.

Zum Beispiel beim Gesundheitsschutz: Durch die Digitalisierung im Betrieb kann der Anspruch an die einzelnen Tätigkeiten steigen, wodurch die Belastung der Mitarbeiter*innen zunimmt. Durch den Einsatz von Bots (Computerprogramme, welche automatisch sich wiederholende Aufgaben abarbeiten) entfallen die einfachen Tätigkeiten für die Beschäftigten und nur die komplexeren bleiben übrig. Ein Wechsel von einfachen und komplexen Tätigkeiten entfällt. Dadurch steigt die psychische Belastung. Mit entsprechenden Schulungen kann dem entgegengewirkt werden. Zum Beispiel einer Kommunikationsschulung zum Umgang mit schwierigen Kund*innen sowie eine Schulung im Umgang mit dem System.

 

„Die Digitalisierung ist die größte Herausforderung für Interessenvertretungen, Gewerkschaften und für die Beschäftigten seit der Industrialisierung. Mein Ziel ist es, so gut es geht, alle Betroffenen, vor allem die Beschäftigten, auf diesem Weg zu begleiten.“

Andreas Peter, Vorsitzender Betriebsrat Region Ost und stellv. GBR DP CSC GmbH

 Die weiteren Leitsätze kurz zusammengefasst:

  • Wir öffnen uns neuen Denkansätzen und handeln innovativ.
    Die Betriebsräte ließen sich im Change-Management schulen.
  • Wir halten uns bezüglich des „digitalen Wandels“ permanent „im Thema“.
    Das Ziel ist eine nachhaltige Bildung sowie eine kontinuierliche Weiterbildung zum Thema „digitaler Wandel“.
  • Wir treten ein für ein „Recht auf Arbeit – lebenslang“.
    Für ein Recht auf Arbeit bis zum Renteneintritt. Um dies sicherzustellen, ist das Konzept des „lebenslangen Lernens“ unabdingbar. Schulungen, Qualifikationen, Fort- und Weiterbildungen werden konsequent eingefordert. 
  • Wir stehen ein für den Erhalt würdiger, menschlicher Arbeit.
    Arbeit muss gesund, altersgerecht, behindertengerecht, gut bezahlt und ausgerichtet auf die individuelle Leistungsfähigkeit des Einzelnen sein.
  • Wir setzen uns für den Fortbestand unseres Unternehmens ein.
    Der Betriebsrat setzt sich dafür ein, dass der Personalaufbau durch konzerneigene Mitarbeiter*innen und externe unbefristete Einstellungen erfolgt.
  • Wir setzen uns für zukunftsorientierte betriebliche Ausbildung ein und fördern gute Rahmenbedingungen für den Nachwuchs im Unternehmen.
    Junge Menschen sollen für das Unternehmen gewonnen, in unterschiedlichen Berufen ausgebildet und später auch gehalten werden. Hierzu müssen Übernahmen in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis erfolgen.
  • Wir begeistern – auch junge – Menschen für Betriebsratsarbeit und sensibilisieren für das Thema „digitaler Wandel“.
    Hierzu wurde ein Konzept für eine einheitliche betriebliche Öffentlichkeitsarbeit des Betriebsrates erstellt.
  • Der GBR und die Betriebsratsgremien kooperieren beim Thema „digitaler Wandel“. KBR, GBR, RBR, Betriebsgruppen und Mitarbeiter*innen sind hinzuzuziehen und zu involvieren.

Um den Herausforderungen gerecht zu werden, wurde ein System für die Kommunikation und die Projektarbeit eingeführt. Darüber hinaus findet ein regelmäßiger Austausch zwischen den Betriebsräten und dem Gesamtbetriebsrat statt.

Der digitale Wandel muss im Sinne der Beschäftigten gestaltet werden. Hier gilt es sich einzubringen und die Möglichkeiten der Mitbestimmung gänzlich auszuschöpfen. Auf digitale Veränderungen muss mit betriebspolitischen Mitteln Einfluss im Sinne der Beschäftigten genommen werden. Die CSC geht hier mit gutem Beispiel voran.