Mitbestimmung

Erkaufte Rücktritte - ver.di stellt Strafanzeige gegen Niederlassungsleiter

Erkaufte Rücktritte - ver.di stellt Strafanzeige gegen Niederlassungsleiter

No to Union Busting ver.di No Union Busting

(ml) Der Logistiker Dachser Food aus Bremen hat versucht, einen aktiven Betriebsratsvorsitzenden mit erpresserischen Methoden zum Schweigen zu bringen und damit die Betriebsratsarbeit schwerwiegend behindert. ver.di hat Strafanzeige gegen den Chef von Dachser Food Logistics in Bremen gestellt. Der damalige Betriebsratsvorsitzende und Gewerkschafter Thomas Urbanski hatte sich nach seiner Wahl ins BR-Gremium aktiv für die Rechte der Beschäftigten eingesetzt. Dadurch hat er erreicht, dass der mit dem Arbeitgeberverband in Niedersachsen ausgehandelte Flächentarifvertrag auch bei Dachser korrekt umgesetzt wird. Das Einhalten der Regelungen brachte den Beschäftigten aufgrund der genauen Abrechnung der Arbeitszeit mehr Lohn.

Weitere Konflikte schwelten und spitzten sich zu. Der Niederlassungsleiter ordnete schließlich eine Herabstufung von Thomas Urbanski vom Lagerleiter zum Azubi-Beauftragten an. Urbanski holte sich Unterstützung bei ver.di. Zu dieser Zeit wurde auch damaligen Betriebsrats-Mitgliedern eine Entgelterhöhung angeboten, wenn sie das Gremium verlassen. In einem Fall kann ver.di das schriftlich belegen. Nachdem fünf Mitglieder aus dem Betriebsrat zurückgetreten waren, musste das Gremium wegen Unvollständigkeit vorläufig aufgelöst werden. Das Handeln des Niederlassungsleiters sieht ver.di als einen schweren Verstoß nach Paragraf 119, (1) Nr. 2 Betriebsverfassungsgesetz: „Behinderung der Betriebsratsarbeit“. Thomas Warner, ver.di-Fachbereichsleiter Postdienste, Spedition und Logistik im Landesbezirk Niedersachsen-Bremen, sagt: „Ein Angriff auf den Betriebsrat ist immer auch ein Angriff auf die ganze Belegschaft und die Demokratie.“

Wenn ich als Arbeitgeber den BR-Vorsitzenden nicht wegbekomme, dann versuche ich das ganze Gremium aufzulösen.

ver.di-Gewerkschaftssekretär Jonas Lebuhn

Nachdem ver.di mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit gegangen ist, versucht Dachser nun, Thomas Urbanski mit besseren Angeboten ruhig zu stellen. Die geplante Versetzung wurde inzwischen zurückgenommen. Damit wäre Urbanski wieder Lagerleiter. Zugleich hat er aber eine außerordentliche Veränderungskündigung auf eine stellvertretende Assistenz der Betriebsleitung bekommen. Der Betriebsrat hat dem nicht zugestimmt und so läuft das Kündigungsersetzungsverfahren nun ebenfalls vor Gericht.