Mitbestimmung

Outsourcing erfolgreich zurückgedreht

DPD GeoPost Duisburg

Outsourcing erfolgreich zurückgedreht

Beschäftigter im Paketumschlag bei DPD GeoPost Duisburg Jürgen Seidel Beschäftigter im Paketumschlag bei DPD GeoPost Duisburg

30.10.2014 +++ DPD gliederte im Depot Duisburg eine Kernaufgabe des Unternehmens, den Paketumschlag, aus. Ein nicht tarifgebundenes Unternehmen übernahm das Geschäft. Beschäftigte, die dem Betriebsübergang widersprachen, wurde gekündigt. Vier Jahre währte der Kampf der Kolleginnen und Kollegen. Dann kamen Aufgaben und Mitarbeiter zurück zum DPD. Dieser Kampf  macht Mut – weit über DPD und Duisburg hinaus. Für diesen Erfolg erhielten die Betriebsräte von DPD GeoPost Duisburg einen Preis.

Der „Deutsche Betriebsräte-Preis“, eine Initiative der Zeitschrift „ Arbeitsrecht im Betrieb“, wird jährlich vergeben. Er würdigt engagierte Betriebsräte und macht ihr wichtiges Engagement öffentlich. Den Publikumspreis erhielten In diesem Jahr die ver.di-Betriebsräte der DPD GeoPost GmbH in Duisburg für ihren erfolgreichen Kampf gegen Outsourcing.

Die Geschichte

Der Paket- und Expressdienstleister DPD startete in Deutschland 1976 und baute nachfolgend sein Geschäft auch in Europa auf. Mehrheitseigner ist inzwischen die französische GeoPost, eine Tochter der La Poste. DPD gilt als drittgrößter Paketzusteller in Deutschland. In 75 Depots sind rund 7500 Beschäftigte, vor allem im Paketumschlag, tätig. Die Paketauslieferung erfolgt ausschließlich durch Subunternehmer.

Im Jahr 2008 gliederte DPD im Depot Duisburg den Paketumschlag, eine Kernaufgabe des Unternehmens, aus. Ergo Logistics GmbH Duisburg, ein nicht tarifgebundenes Unternehmen, übernahm das Geschäft. 52 Beschäftigte widersprachen dem Betriebsübergang – und wurden gekündigt. Der Widerstand gegen das Outsourcing formierte sich, Mahnwachen wurden gehalten und Demonstrationen fanden statt. In diesem Kampf entwickelten die vom Outsourcing Betroffenen ein starkes Gemeinschaftsbewusstsein.

Die Gründung des Betriebsrates bei Ergo Logistics war der nächste Schritt. Rund 80 Prozent der Beschäftigten organisierten sich in ver.di und forderten einen Tarifvertrag. Ihr Vorgehen dazu beschlossen über 100 Beschäftigte in ihrer Mitgliederversammlung. Der hohe Organisationsgrad und die Konfliktbereitschaft waren das starke Fundament, um Ergo Logistics aufzufordern, einen  Anerkennungstarifvertrag an die Flächentarifverträge für Speditionen und Logistik in Nordrhein-Westfalen zu schließen.

Alle taktischen Winkelzüge des Unternehmens blieben angesichts der Geschlossenheit der Belegschaft wirkungslos. Nach einer kämpferischen Betriebsversammlung und angekündigten Warnstreiks trat Ergo Logistics in den Arbeitgeberverband ein. Ein voller Erfolg für die in ver.di organisierten Kolleginnen und Kollegen! Mit der Tarifbindung galten wieder die Arbeits- und Einkommensbedingungen wie beim DPD. Für neue Mitarbeiter bedeutete das eine Lohnerhöhung bis zu 40 Prozent. Die Einführung des Tarifvertrages gestaltete sich nicht problemlos. Es ging um Lohnzahlungszeitpunkt, Eingruppierungen und Einbeziehung der 400-Euro-Kräfte in die Tarifverträge. Viele Verhandlungen und auch der Weg zum Arbeitsgericht waren erforderlich, um bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten durchzusetzen.

Was blieb, war die unbefriedigende Situation, sich mit Ergo Logistics auseinandersetzen zu müssen. Einem Unternehmen, das nur begrenzten Handlungsspielraum besaß, da die Vorgaben vom DPD kamen. Die Vorgaben umzusetzen gelang kaum. Es fehlten Branchenkenntnisse und das Know-how. Konflikte waren vorprogrammiert. Zudem war das Einsparpotenzial durch niedrigere Personalkosten durch die erkämpfte Tarifbindung bei Ergo Logistics für DPD futsch. Es entstanden sogar zusätzliche Kosten; schließlich wollte auch Ergo Logistics Gewinn erzielen. Die Wiedereingliederung des Paketumschlages war die logische Konsequenz. Dass dieser Weg tatsächlich auch beschritten wurde, setzte sicherlich auch ein Umdenken im Management des DPD voraus.

Es galt nun die Regelungen zur Wiedereingliederung zwischen DPD, Betriebsrat und ver.di zu erörtern. Im Ergebnis stand der Interessenausgleich zwischen den Betriebsräten und Geschäftsführungen beider Unternehmen. Dabei konnten gute Regelungen für die Beschäftigten vereinbart werden. So wurden sogenannte 6-Stunden-Verträge, nach denen Beschäftigte zur tatsächlich geleisteten 39-Stunden-Woche einen Zuschlag als „Ausgleich“ erhielten, durch Vollzeitverträge ersetzt. Weiter werden alle Mitarbeiter mindestens in die Lohngruppe 2 eingruppiert und erhalten einen Stundenlohn von 10,79 Euro.

Seit dem 1. August 2012 ist der Paketumschlag wieder in die DPD GeoPost GmbH Duisburg eingegliedert. Viel ist noch zu tun. Beide Belegschaftsgruppen sind zusammenzuführen. Die Einbeziehung des ehemaligen Betriebsrates des DPD in den neuen Betriebsrat ist eine klare Botschaft zum Zusammenwachsen der Belegschaft. Neuwahlen sollen schnellstmöglich durchgeführt, bestehende unterschiedliche Regelungen zusammengeführt werden.

Der Preis

Der vier Jahre währende Kampf der Kolleginnen und Kollegen, in hartnäckigen, oft mühsamen Schritten, ist erfolgreich beendet. Und er macht Mut – weit über DPD und Duisburg hinaus.  Dafür gab es von der Jury diesen Preis.

Betriebsratsvorsitzender DPD GeoPost GmbH Duisburg

Tahir Sogukkan, Betriebsratsvorsitzender DPD GeoPost GmbH Duisburg
Foto/Grafik: Jürgen Seidel
Fra­ge

Wie ist es euch ge­lun­gen, die Be­schäf­tig­ten zu über­zeu­gen, für ih­re In­ter­es­sen ein­zu­tre­ten?

Ta­hir So­guk­kan

Er­go Lo­gi­stics war ta­riflos, ein Be­triebs­rat exis­tier­te auch nicht. Uns war be­wusst, dass wir oh­ne Ge­werk­schaft we­der einen Be­triebs­rat ­grün­den, noch die Ta­rif­bin­dung er­rei­chen kön­nen. Das wa­ren die ele­men­ta­ren Punk­te na­he­zu al­le Be­schäf­tig­ten zu über­zeu­gen, Mit­glied bei ver­.­di zu wer­den. Und so Gott will, ha­ben wir nun einen ­Be­triebs­rat, der gut funk­tio­niert und ei­ne Ta­rif­bin­dung für al­le Be­schäf­tig­ten.

Fra­ge

Seit dem 1. Au­gust 2012 war der Pa­ke­tum­schlag wie­der Kern­ge­schäft des De­pots Duis­burg des DP­D. Wie hast du dich da­bei ge­fühl­t?

Ta­hir So­guk­kan

Das ist ein Grund zum Fei­ern! Wir ha­ben schon im­mer ge­sag­t, dass sich das Per­so­nal mit den Auf­ga­ben und dem Un­ter­neh­men iden­ti­fi­zie­ren muss. Ich bin über­zeug­t, dass durch die Wie­der­ein­glie­de­rung ei­ne ver­trau­ens­bil­den­de Maß­nah­me für den Neu­an­fang ge­schaf­fen wor­den ist.