Mitbestimmung

Kleinformatige Pakete in der Briefzustellung

Deutsche Post AG

Kleinformatige Pakete in der Briefzustellung

Briefzustellung Deutsche Post AG Joachim Röttgers Briefzustellung Deutsche Post AG

20.6.2018 +++ Seit April 2017 hat die Deutsche Post AG in zuletzt bundesweit 91 Zustellstützpunkten die Zustellung kleinformatiger Pakete in der Fuß- und Fahrradzustellung pilotiert. Der Gesamtbetriebsrat, die Betriebsräte vor Ort und ver.di haben diesen Prozess intensiv begleitet.

Zum 1. Juli will das Unternehmen nun mit der flächendeckenden Umsetzung beginnen. ver.di und der Gesamtbetriebsrat haben mit dem Arbeitgeber eine Rahmenregelung vereinbart, die auf den Erkenntnissen aus der Pilotierung basiert und zentrale Elemente im Interesse der Beschäftigten beinhaltet.

Mit der Zustellung kleinformatiger Paketsendungen in der Briefzustellung will der Arbeitgeber das Paketnetz entlasten und das Briefnetz, in dem es eher sinkende Volumina gibt, auslasten. Die Mengenverluste in der Briefzustellung haben bisher zu einer fortlaufenden Vergrößerung der Zustellbezirke oder der Ausweitung der Teilzeitbeschäftigung geführt. Da es gewerkschaftspolitisches Ziel ist, in der Zustellung Vollzeitarbeitsplätze zu erhalten, haben ver.di, der Gesamtbetriebsrat und die Betriebsräte dieses Vorhaben vom Grundsatz her von Anfang an begrüßt. Allerdings – so einfach und einleuchtend diese Maßnahme auf dem Papier auch erscheint – in der betrieblichen Praxis gibt es vieles zu berücksichtigen. Im Mittelpunkt der Begleitung des Pilotversuches und auch nun bei dessen Umsetzung steht, dass die Beschäftigten nicht noch stärker belastet werden dürfen.

Kleinformatige Paketsendungen ver.di Kleinformatige Paketsendungen

Rahmen vereinbart

In den Pilotierungsvereinbarungen konnten unter anderem Eckpunkte zur Umsetzung von Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes, des Einsatzes der erforderlichen Betriebsmittel und der zeitwirtschaftlichen Berücksichtigung der Paketsendungen festgehalten werden. Auch die umfassende Beteiligung und ständige Begleitung des Tests durch die Betriebsräte konnte sichergestellt werden. Schon in der ersten Testphase mit zunächst sieben Zustellstützpunkten ab April 2017 zeigten sich eine Vielzahl von Punkten, die vor einer flächendeckenden Einführung behoben sein müssen. Beispielsweise die Frage der Ausschleusung der kleinformatigen Paketsendungen im Paketzentrum, die Eingangssortierung im Zustellstützpunkt oder die Behandlung benachrichtigter Sendungen.

Um weitere Erkenntnisse zu gewinnen, wurde die Pilotierung bis zum 30. Juni 2018 verlängert und die Zahl der Standorte erhöht. In diesem Testzeitraum fanden umfangreiche Untersuchungen des Arbeitsschutzes und des Gesundheitsschutzes in den Betrieben statt. Der Gesamt‧betriebsrat und ver.di konnten hier unter anderem Absprachen zur Fortschreibung der Gefährdungs- und Belastungsunter‧suchungen, zur Bereitstellung von Ablagestellen und dem bedarfsgerechten Einsatz von Betriebsmitteln treffen.

Hinweise der Zusteller

Während der laufenden Pilotierung erfolgte eine Erfassung der erkannten Mängel. In kontinuierlichen Gesprächen zwischen Arbeitgeber, ver.di und dem Gesamtbetriebsrat wurden vielfach Lösungsmöglichkeiten entwickelt und ihre Umsetzung durchgesetzt. Dies geschah in enger Abstimmung mit den örtlichen Betriebsräten. Bei zahlreichen Ortsterminen mit den betroffenen Zustellerinnen und Zustellern konnte zudem eine Vielzahl praktischer Hinweise gesammelt werden.

Höhenmaß kleinformatige Paketsendungen ver.di Höhenmaß kleinformatige Paketsendungen

Höhenmaß reduziert

Die verhandelte Rahmenregelung gewährleistet für den bundesweiten Roll‧out eine verbindliche Umsetzung der gemeinsam erarbeiteten Standards. Wesentliches konnte festgeschrieben werden. Das betrifft unter anderem den ‧Arbeits- und Gesundheitsschutz, die Betriebsmittel, den Haftungsausschluss, Ablagestellen, die zeitwirtschaftliche Erfassung und Neuschneidung der Zustellbezirke sowie die mögliche Reduzierung des Höhenmaßes der kleinformatigen Paketsendungen auf fünf Zentimeter. „ver.di und der Gesamtbetriebsrat sehen in der Umsetzung der Maßnahme die Chance, Wochenarbeitszeiten in der Briefzustellung zu erhalten und die Belastung der Zustellerinnen und Zusteller zu begrenzen“, sagt Robert Kleinhans, der beim Gesamtbetriebsrat der Deutschen Post AG für den Bereich der Zustellung zuständig ist. Deshalb werde man den anstehenden Rollout weiterhin konstruktiv begleiten.

Ingo Freund, Betriebsrat Deutsche Post AG, Niederlassung Brief Hamburg

„In der Nie­der­las­sung Brief Ham­burg wur­de die Zu­stel­lung klein­for­ma­ti­ger Pa­ke­te in der Brief­zu­stel­lung in ei­nem Zu­stell­stütz­punkt pi­lo­tier­t. Dort gibt es vie­le mehr­stö­cki­ge Ge­bäu­de oh­ne zen­tra­le Brief­kas­ten­an­la­ge, in de­nen di­rekt an der Woh­nungs­tür zu­ge­stellt wird. Vie­le der klein­for­ma­ti­gen Pa­ketsen­dun­gen ha­ben ak­tu­ell ein For­mat, das da­zu führ­t, dass sie nicht über den Brief­kas­ten zu­stell­bar sind und des­halb per­sön­lich über­ge­ben wer­den müs­sen. Mit Be‧­gren­zung der Hö­he der Sen­dun­gen auf 5 Zen­ti­me­ter hat sich die­se Be­las­tung deut­lich ver­min­dert und wird von den Zu­stel­lern als mach­bar an­ge­se­hen.“