Mitbestimmung

Reden wir über Kommunikation…

Betriebsgruppe im Interview

Reden wir über Kommunikation…

www.verdipostdresden.de ver.di www.verdipostdresden.de

4.10.2018 +++ Die Betriebsgruppe der Niederlassung Brief Dresden der Deutschen Post AG ist mit dem Sächsischen Mitbestimmungspreis geehrt worden. Was macht eine gute gewerkschaftliche Kommunikation im Betrieb aus?

Mitglied in der Gewerkschaft zu sein, heißt natürlich auch: Wissen, was los ist. Das erfährt man im Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen oder auch durch Plakate, Flugblätter und regelmäßige Publikationen wie einer Betriebsgruppenzeitung, der bewegen oder der Publik. Fast jeder ist inzwischen vernetzt und dementsprechend findet der persönliche Austausch nicht nur im direkten Gespräch,  sondern auch über Messenger-Dienste statt. Plakate, Flugblätter gibt es für das schwarze Brett und als Dateien zum Teilen in sozialen Netzwerken. Es gibt Internetseiten des Bundesfachbereiches, der Landesbezirksfachbereiche und von vielen Betriebsgruppen. Und auch wenn es etwas altertümlich klingen mag: Die Versammlung ist und bleibt zentrales Element der Gewerkschaftsarbeit. Da kann man im geschützten Raum über Probleme reden, die Erfahrungen und Sichtweisen der Kolleginnen und Kollegen zusammenbringen, Lösungen finden und gemeinsame Strategien entwickeln. Wie gelingt gute Kommunikation? Das ist in der praktischen Gewerkschaftsarbeit ein Dauerbrenner und erfordert Ideen, Zeit und Engagement.

Die Betriebsgruppe der Niederlassung Brief Dresden der Deutschen Post AG ist am 3. September 2018 vom DGB in Sachsen für ihr Engagement in Sachen Kommunikation mit dem Sächsischen Mitbestimmungspreis geehrt worden. Was eine gute gewerkschaftliche Kommunikation im Betrieb ausmacht – darüber haben wir mit dem Vorsitzenden der Betriebsgruppe Stefan Dehmel gesprochen.

Vorsitzender der ver.di-Betriebsgruppe Stefan Dehmel ver.di Vorsitzender der ver.di-Betriebsgruppe Stefan Dehmel

Frage | In der Niederlassung Brief Dresden arbeiten rund 3700 Beschäftigte. Wie sprecht ihr die Kolleginnen und Kollegen an?

Stefan Dehmel | Räumlich erstreckt sich unsere Betriebsgruppe über ein Gebiet von cirka 12 000 km². In diesem großen Gebiet übermitteln wir gewerkschaftliche Informationen. Wir haben sehr engagierte Vertrauensleute, die wir in Tagungen und Seminaren schulen. Das löst aber nicht alle Probleme eines solch großen Bereiches. Wir mussten uns daher Gedanken machen, was man ändert, um Informationen schnell und zugeschnitten zu liefern und zu bekommen. Daher wurde unter anderem eine WhatsApp-Gruppe gegründet. ContraTV sollte das Pendant zu PeP-TV sein. Seit April 2017 haben wir auch eine eigene Internetseite. Unter  www.verdipostdresden.de findet man die wichtigsten Informationen zur Arbeit der Betriebsgruppe und zu rechtlichen Grundlagen, aber auch Videos und Publikationen. Unsere eigene Zeitung ist die INFOPOST. Sie ist breit informativ und abwechslungsreich und erscheint quartalsweise. Wir produzieren auch eigene Videos, die dann im Netz und zur Betriebsversammlung zu sehen sind. Print- und Digitalmedien halten wir für sehr wichtig, um den Herausforderungen in der Zukunft zu begegnen. Bei alledem bekommen wir
eine gute Unterstützung von unserem Betreuungssekretär vor Ort.

Frage | Wie sieht es mit der Kommunikation für die rund 380 Beschäftigten der DHL Delivery Dresden GmbH aus? Wie bindet ihr das zusammen?

Stefan Dehmel | Die Zusammenarbeit mit der ver.di-Betriebsgruppe DHL Delivery Dresden GmbH ist uns sehr wichtig. Viele der Beschäftigten waren vor 2015 befristet beschäftigt bei der Deutschen Post. Gerade die Anfangszeit war schlimm für sie. Eine Zeit, als man ihnen die Pistole auf die Brust gesetzt hat, diese neuen Arbeitsverträge zu unterschreiben. Danach folgte für sie eine Phase ohne jegliche Mitbestimmung. Wir haben ihnen geholfen, die ersten Betriebsratswahlen zu organisieren und eine Betriebsgruppe zu gründen. Heute unterstützen wir sie zum Beispiel in der Produktion ihrer Betriebsgruppenzeitung, der Deli.VERDI. Außerdem findet auch immer ein Austausch statt.

Frage | Wie geht ihr auf junge Kolleginnen und Kollegen zu?

Stefan Dehmel | Unsere Jugend im Betriebsgruppenvorstand macht eine hervorragende Arbeit. Die jungen Mitarbeiter werden zügig angesprochen. Außerdem machen wir Aktionen mit den Azubis. Dort suchen wir das Gespräch und werben sie für ver.di. Die Jugend hat seit einem Jahr einen eigenen Flyer mit den wichtigsten Informationen und Kontaktdaten. Er wird im Gespräch mit den Jugendlichen übergeben.

Frage | Was ist mit den Kolleginnen und Kollegen, die aus dem aktiven Erwerbsleben ausscheiden – also den Senioren?

Stefan Dehmel | Wir arbeiten sehr eng mit der Betriebsgruppe Senioren zusammen. Wir haben einen hohen Altersdurchschnitt, der bei knapp 50 Jahren liegt. Es gibt Zustellstützpunkte, in denen in den nächsten fünf Jahren die Hälfte der Beschäftigten in den Ruhestand verabschiedet wird. Diese ver.di-Mitglieder wollen wir nicht verlieren. Deswegen nehmen wir telefonisch Kontakt zu ihnen auf und erklären ihnen die Vorteile von ver.di im Ruhestand. Deswegen haben wir auch hier einen Flyer entwickelt, der die wichtigsten Informationen und Kontaktdaten enthält.

Frage | Flugblätter, eure regelmäßigen Informationen, dann das Internet – wie geht ihr mit dieser Vielfalt der Möglichkeiten um? Was sind da eure Erfahrungen und gibt es auch Grenzen?

Stefan Dehmel | Alle Vertrauensleute bekommen die Druckware per Post und verteilen diese in den Dienststellen. Flyer gibt es bei uns drei. Neben den erwähnten Flyern für die Jugend und Senioren haben wir auch einen VL-Flyer. Diese sollen die Vertrauensleute an die entsprechenden Beschäftigten verteilen. Mit dem VL-Flyer stellen sich die Betriebsgruppe und die Vertrauensleute vor Ort kurz vor. Auch hier finden Beschäftigte die wichtigsten Kontaktdaten. Grenzen an die wir stoßen sind, dass nicht alle Beschäftigten Internet haben oder in sozialen Netzwerken sind. Hier schreiben wir die Kolleginnen und Kollegen per Post an und versuchen ihnen die digitalen Möglichkeiten schmackhaft zu machen. Ein anderes Problem ist, dass die Briefumschläge nicht in allen Betriebsstätten bei den Vertrauensleuten ankommen oder Ausgehangenes verschwindet. Dies haben wir aber nun ganz gut in den Griff bekommen.

Betriebsgruppenzeitungen INFOPOST und  Deli.VER.DI ver.di Betriebsgruppenzeitungen INFOPOST und Deli.VER.DI

Frage | Bei der Deutschen Post AG arbeiten auch Kolleginnen und Kollegen, die aus anderen Ländern kommen. Wie könnt ihr die Beschäftigten ansprechen?

Stefan Dehmel | Wir wollen unsere ausländischen Beschäftigten mit einbinden. Wir haben sehr viele polnische und tschechische Mitarbeiter durch die unmittelbare Grenznähe im Paketzentrum. Hier machen wir auch Werbung für ver.di in diesen Sprachen.  Gerade zur Betriebsratswahl im Mai 2018 ist uns dies sehr positiv gelungen. Außerdem wollen wir diese Beschäftigten in Zukunft mit in die Betriebsgruppenvorstandsarbeit einbinden, um ihnen die Mitbestimmungsrechte in Deutschland näher zu erklären und sie für gewerkschaftliche Arbeit zu begeistern.

Frage | Politische Bildung ist ein wichtiger Bestandteil der Gewerkschaftsarbeit. Wie seid ihr da als Betriebsgruppe aktiv?

Stefan Dehmel | In einer der vergangenen Ausgaben der INFOPOST gab es einen Beitrag über die Geschichte der Gewerkschaften. Ebenso wurde den Lesern in einer anderen Ausgabe erklärt, warum Gewerkschaften für die Gesellschaft wichtig sind.

Wir haben auch einen regen Austausch mit polnischen und tschechischen Gewerkschaften. Hier geht es um Arbeit, Gewerkschaft und Politik.

Die Demokratie ist eine zarte Pflanze, die immer gut gepflegt werden muss, da sie ansonsten eingehen kann. Deswegen wird in den nächsten Ausgaben der INFOPOST ein Beitrag über Demokratie folgen. Meinungen anderer zuzulassen und Ängste anzuhören halten wir für wichtig. Nur dann kann man diese Kolleginnen und Kollegen auch mitnehmen, wenn sie das Gefühl haben verstanden zu werden. Meinungsfreiheit ist wichtig und facettenreich. Sachsen ist kein braunes Land. Wir sprechen uns entschieden gegen Rassismus und Faschismus aus, auch jegliche anderen Arten von Extremismus lehnen wir ab.