Tarif

Deutsche Post AG - Tarifabschluss steht!

Deutsche Post AG

Tarifabschluss steht!

"Du hast entschieden" mit rotem "ja" ver.di

10.4.2018 +++ 67,97 Prozent der ver.di-Mitglieder haben mit „JA“ gestimmt. Deshalb hat die ver.di-Tarifkommission am 10. April das Tarifangebot der Deutschen Post AG vom 28. Februar 2018 angenommen.

An der Mitgliederbefragung vom 12. März bis 6. April haben bundesweit 50.647 ver.di-Mitglieder teilgenommen. Diese hohe Beteiligung ist ein großer Erfolg.

Ein Dankeschön an alle, die mitgemacht haben!

Der Abschluss umfasst im Einzelnen

  • Umlegung des leistungsbezogenen variablen Entgelts auf das Monatsgrundentgelt

    Für die Entgeltgruppen (EGr) 1 bis 4 und die technische Entgeltgruppe (TEGr) 1 wird das Verfahren der Leistungsbeurteilung ab dem 1. Januar 2019 abgeschafft. Für das Beurteilungsjahr 2017 erfolgt die Zahlung eines variablen Entgelts im April 2018 zu unveränderten Bedingungen. Ab 1. März 2018 wird das variable Entgelt der EGr 1 bis 4 und der TEGr 1 auf das Monatsgrundentgelt umgelegt. Dies bedeutet, dass die Monatsentgelte in jeder Gruppenstufe um folgende Beträge je Entgeltgruppe im Monat erhöht werden: EGr 1 um 105,38 Euro, EGr 2 um 119,62 Euro, EGr 3 und TEGr 1 um 128,16 Euro, EGr 4 um 150,95 Euro. Damit wird das variable Entgelt, das bisher von der Bedingung einer guten Leistungsbeurteilung abhängig war, zukünftig bedingungslos monatlich ausgezahlt. Für Arbeitnehmer mit Besitzstand bleibt es bei der Anrechnung auf den Besitzstand.

  • Entgelterhöhung

    Vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer, die am 1. März 2018 in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis stehen, sollen im April eine Einmalzahlung in Höhe von 250 Euro erhalten. Teilzeitbeschäftigte erhalten die Einmalzahlung anteilig. Ab 1. Oktober 2018 werden die Tarifentgelte linear um 3 Prozent erhöht. Ab 1. Oktober 2019 erfolgt eine weitere lineare Erhöhung um 2,1 Prozent. Die Erhöhungen wirken auch auf die Besitzstandstabellen. Die Entgelttabellen sind frühestens zum 31. Mai 2020 kündbar.

    Auszubildende und Studierende an Berufsakademien sollen im April 2018 eine Einmalzahlung von 100 Euro erhalten. Die Vergütung wird entsprechend der linearen Erhöhung der Entgelte der Arbeitnehmer um drei Prozent beziehungsweise 2,1 Prozent erhöht und dabei jeweils auf volle zehn Euro aufgerundet. Dadurch erfolgt eine überproportionale Erhöhung.
Darstellung des Optionsmodells: Es wurde eine Wahloption auf Entlastungszeit anstelle der Entgelterhöhung eingeführt. Am 1. Oktober 2018 steigen die Tariftabellen um drei Prozent. Damit können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer anstelle der Entgelterhöhung von drei Prozent eine kalenderjährliche Entlastungszeit von 60,27 Stunden (60 Std., 16 Min.) erstmals für das Jahr 2019 beanspruchen ver.di
  • Wahlmodell Entlastungszeit

    Mit dem Zeitpunkt der Entgelterhöhungen wird erstmals eine Wahloption auf Entlastungszeit anstelle der Entgelterhöhung eingeführt. Am 1. Oktober 2018 steigen die Tariftabellen um drei Prozent. Damit können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer anstelle der Entgelterhöhung von drei Prozent eine kalenderjährliche Entlastungszeit von 60,27 Stunden (60 Stunden, 16 Minuten) erstmals für das Jahr 2019 beanspruchen.

    Im Umfang der Entlastungszeit kann der Arbeitnehmer ganztägige und auch mehrtägige Freistellung von der Arbeit beanspruchen. Das Entgelt wird für die Freistellung fortgezahlt. Teilzeitbeschäftigte erhalten die Entlastungszeit anteilig. Die Entlastungszeit gilt jeweils für das folgende Kalenderjahr, wenn Entlastungszeit anstelle der Entgelterhöhung beansprucht wird. Die Entlastungszeit kann erstmals für das Jahr 2019 anstelle der drei Prozent Entgelterhöhung beansprucht werden. Da die Regelungen unbefristet in den Tarifvertrag eingeführt werden, kann sie auch für spätere Kalenderjahre beansprucht werden, oder auch wieder abgewählt werden.

    Die Beanspruchung der Entlastungszeit muss bis zum 30. September des Vorjahres dem Arbeitgeber schriftlich mitgeteilt werden. Wurde Entlastungszeit beansprucht, dann verlängert sich diese jeweils um ein Jahr, wenn der Verlängerung nicht bis zum 30. September widersprochen wird. Das Entgelt in der Entlastungszeit steigt auch im Umfang zukünftiger linearen Entgelterhöhungen. Wenn die Entlastungszeit nicht mehr beansprucht wird, steigt das Monatsgrundentgelt natürlich um den %-Satz der umgewandelten Tariferhöhung an. Entlastungszeit, die bis zum 31. Dezember nicht abgewickelt wurde, wird mit dem 31. Dezember zum erhöhten Tarif ausgezahlt. Mit der Tariferhöhung zum 1. Oktober 2019 um 2,1 Prozent kann eine Entlastungszeit anstelle der 2,1 Prozent von 42,19 Stunden (42 Stunden, 11 Minuten) beansprucht werden. Es kann somit ab dem Jahr 2020 mit allen Wahloptionen zusammen (60,27 Stunden und 42,19 Stunden) insgesamt 102,46 Stunden (102 Stunden, 27 Minuten) Entlastungszeit beansprucht werden. Diese Tarifregelung schafft im Vergleich zu allen anderen bestehenden Tarifverträgen den höchsten Anspruch auf zusätzliche Freistellung durch Entlastungszeit.
  • Postzulage für die Beamtinnen und Beamten

    Die vier Prozent Postzulage werden über den 31. Januar 2018 hinaus bis 31. Mai 2020 fortgezahlt. Die Beamten erhalten im Zusammenhang mit der Postzulage im Oktober 2019 eine Einmalzahlung in von Höhe von 350 Euro.
Portrait Andrea Kocsis
Foto/Grafik: Dietrich Hackenberg

Andrea Kocsis, stellvertretende ver.di-Vorsitzende

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

jetzt ist der Tarifabschluss da. Nach einer Mitgliederbefragung, an der sich beeindruckende 50647 Kolleginnen und Kollegen beteiligt haben, gab es eine deutliche Mehrheit für die Annahme des Arbeitgeberangebotes. Mit diesem klaren Votum hat unsere Konzerntarifkommission der Annahme des Angebots zugestimmt.

Die hohe Teilnahmequote innerhalb von vier Wochen zeigt zwei Dinge ganz deutlich: Erstens finden es unsere Mitglieder gut und richtig, gefragt zu werden. Zweitens haben das hohe Engagement und die viele Arbeit unserer ehrenamtlichen Vertrauensleute, der Betriebsgruppenmitglieder und Betriebsräte diese Befragung erst möglich gemacht. Damit sind wir bei der Deutschen Post AG betrieblich hervorragend aufgestellt und können unsere Mitglieder auch auf diesem Weg gut erreichen.

Dass nicht alle Befragten mit dem Angebot zufrieden waren und sind, auch das hat die Befragung gezeigt und das ist von uns zu respektieren. Gemeinsam dürfen wir nicht nachlassen, an unserer Mächtigkeit und Durchsetzungsfähigkeit zu arbeiten. Denn eines ist klar: Selbst in einem Unternehmen, dem es wirtschaftlich sehr gut geht, bekommen die Beschäftigten nichts geschenkt. Ohne unsere starke Gemeinschaft in ver.di wären die guten Teilergebnisse, die jetzt im Tarifvertrag verankert sind, in weiter, unerreichbarer Ferne.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen ver.di-Mitgliedern, die sich beteiligt haben, ob als Befragte oder als Fragende.