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Deutsche Post AG: Tarifverhandlungen aufgeschoben und nicht aufgehoben!

Deutsche Post AG: Tarifverhandlungen aufgeschoben und nicht aufgehoben!

Tarifrunde 2020 Entgelt - Gesundheitsschutz hat gerade Vorrang

 

Die Konzerntarifkommission hat sich entschieden den Tarifvertrag nicht zum 31. Mai 2020 zu kündigen, da es durch verschiedene Beschränkungen aktuell nicht möglich ist, gemeinsam zu mobilisieren. Der Gesundheitsschutz steht an erster Stelle. Doch die Tarifrunde ist vorerst nur aufgeschoben - nicht aufgehoben! 

Tarifrunde 2020 bei der Deutschen Post AG ver.di Schulter an Schulter für die Tarifrunde 2020 - noch vor Kurzem selbstverständlich

 

In der vorigen Ausgabe der bewegen haben wir über die Tarifkonferenz der ver.di-Betriebsgruppenvorsitzenden der Deutschen Post AG und die dort durchgeführten Diskussionen zu einer möglichen Tarifforderung berichtet. Daraufhin hat die Tarifkommission am 13. März 2020 beschlossen, die Entgelttabellen bei der Deutschen Post AG zum 31. Mai zu kündigen. Jedoch zeigt Corona inzwischen auch bei dieser Tarifrunde seine Wirkung und der Arbeits- und Gesundheitsschutz unserer Kolleginnen und Kollegen hat jetzt ganz klar Vorrang!

Die Tarifkommission musste also umdenken.

Gesundheit geht vor

Ein gutes Tarifergebnis wird stets gemeinschaftlich erzielt: Durch persönliche Gespräche, Betriebsgruppen und Streiks, zu denen Menschen zusammenkommen. Durch Kontaktbeschränkungen und Einschränkungen der Versammlungsfreiheit mit Blick auf größere Personenzahlen ist dies aktuell nicht möglich oder würde die Gesundheit unserer Kolleginnen und Kollegen gefährden. Die Konzerntarifkommission hat sich daher in einer weiteren Sitzung am 22. April 2020 dazu entschieden, unsere Mitglieder keinen zusätzlichen Risiken auszusetzen und den Tarifvertrag nicht zum 31. Mai 2020 zu kündigen. Die Tarifkommission wird monatlich die Situation neu bewerten, um dann – wenn die Voraussetzungen vorliegen – mit der Frist von einem Monat zum Monatsende eine Kündigung auszusprechen.

Unbestritten ist jedoch, dass unsere Kolleginnen und Kollegen bei der Deutschen Post AG – gerade jetzt – mehr verdient haben. In den letzten Wochen und Monaten wurde besonders deutlich, wie wichtig und unabkömmlich sie für unsere Versorgung sind und unter welchen enormen Belastungen sie Tag für Tag für uns arbeiten. Diese Belastungen sind durch die Corona-Pandemie sogar nochmals gestiegen: Die Paketberge wachsen und wachsen, gleichzeitig müssen zusätzliche Abstands- und Vorsichtsmaßnahmen bei der Paketübergabe eingehalten werden. ver.di erwartet daher, dass es eine Entlastung der Kolleginnen und Kollegen gibt.

Wir bleiben dran!

Die Konzerntarifkommission bewertet die Lage und prüft regelmäßig, welche Maßnahmen nötig und möglich sind und wann die Tarifverhandlungen im Interesse eines guten Tarifergebnisses aufgenommen werden können. Klar ist: Prämien klingen verlockend. Aber diese einmaligen Zahlungen würden vom Arbeitgeber genutzt werden, um Nullrunden zu rechtfertigen. Prämien können nicht nachhaltige tabellenwirksame Tariferhöhungen ersetzen.

Gerade aufgrund der erschwerten Arbeitsbedingungen in der Corona-Pandemie haben unsere Mitglieder einen über Einmalzahlungen hinausgehenden Anspruch auf Tariferhöhung. Dies kann aus unserer Sicht nur eine tabellenwirksame Tariferhöhung sein, damit die Löhne dauerhaft und nicht nur einmal über eine Einmalzahlung angehoben werden. Damit werden die Leistung und der Einsatz der Beschäftigten auch langfristig gewürdigt.

Aufgeschoben ist also nicht aufgehoben. Unsere Kolleginnen und Kollegen verdienen eine dauerhafte, tarifvertragliche Wertschätzung – auch über die Corona-Pandemie hinaus. Bis dahin gilt es, die Gesundheit aller im Fokus zu behalten und weiterhin zusammenzuhalten bis die Gefahr gebannt ist und wir gemeinsam loslegen können.

 

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Diesen Artikel findest du in unserer Mitgliederzeitschrift be.wegen 03/2020. 

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