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Wie funktioniert die neue Entlastungszeit?

Deutsche Post AG

Wie funktioniert die neue Entlastungszeit?

Fragen zur Entlastungszeit Andreas Schulz Fragen zur Entlastungszeit

5.6.2018 +++ Mit dem Tarifvertrag zwischen ver.di und der Deutschen Post AG wurde erstmals die Möglichkeit einer Entlastungszeit geschaffen.

Das Tarifergebnis für die rund 130.000 Tarifbeschäftigten umfasst zwei lineare Erhöhungsschritte. Zum 1. Oktober dieses Jahres werden die Entgelte um drei Prozent und um 2,1 Prozent zum 1. Oktober nächsten Jahres erhöht. Zudem wurde ein Wahlmodell vereinbart, mit dem die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die linearen Erhöhungen in freie Zeit zur Entlastung umwandeln können.

Da diese Entlastungszeit neu in den Manteltarifvertrag der Deutschen Post AG eingeführt wurde, beantworten wir hier dazu die wichtigsten Fragen.

  • Warum beträgt die mögliche Entlastungszeit ab dem Kalenderjahr 2019 erstmals 60,27 Stunden und für das Kalenderjahr 2020 weitere 42,19 Stunden?

    Entlastungszeit kann anstelle der drei Prozent und der 2,1 Prozent Tariferhöhung beansprucht werden. Ein Prozent der Jahresarbeitszeit von vollbeschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern beträgt in Zeit umgerechnet 20,09 Stunden. Damit ergibt sich für eine Tariferhöhung um drei Prozent eine Entlastungszeit von 60,27 Stunden und für eine Tariferhöhung um 2,1 Prozent eine Entlastungszeit von 42,19 Stunden.

  • Wer kann Entlastungszeit beanspruchen und für welchen Zeitraum kann diese beansprucht werden?

    Entlastungszeit kann von allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern beansprucht werden. Die Beanspruchung der Entlastungszeit muss grundsätzlich bis zum 30. September des Vorjahres mit einem Formblatt schriftlich dem Arbeitgeber mitgeteilt werden. Die Entlastungszeit wird dann in dem auf die schriftliche Beanspruchung folgenden Kalenderjahr gewährt. Beispiel: Beanspruchung erfolgt am 30. September 2018 für den Zeitraum 1. Januar 2019 bis zum 31. Dezember 2019.

  • Wie viel Entlastungszeit kann beansprucht werden?

    Die Höhe der Entlastungszeit hängt zum einen von der Wochenarbeitszeit ab und zum anderen davon, welche Tariferhöhung in Entlastungszeit umgewandelt wird. Da die Tariferhöhung von drei Prozent ab 1. Oktober 2018 fällig wird, kann man für das Kalenderjahr 2019 als Vollzeitbeschäftigte 60,27 Stunden Entlastungszeit beanspruchen. Für Teilzeitbeschäftigte errechnet sich die Entlastungszeit anteilig zur Wochenarbeitszeit: 60,27 Stunden / 38,5 Stunden x individuelle Wochenarbeitszeit. Für die Wochenarbeitszeit von 20 Stunden beträgt die Entlastungszeit danach 31,31 Stunden. Die Tariferhöhung von 2,1 Prozent erfolgt ab 1. Oktober 2019. Daher können bis zum 30. September 2019 vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für das Kalenderjahr 2020 eine weitere Entlastungszeit von 42,19 Stunden beanspruchen. Die Entlastungszeit aus 2019 in Höhe von 60,27 Stunden und die Entlastungszeit von 42,19 Stunden können ab dem Kalenderjahr 2020 auch zusammen beansprucht werden. Das sind dann 102,46 Stunden Entlastungszeit im Kalenderjahr.

  • Kann auch nur eine „halbe“ Entlastungszeit beansprucht werden?

    Nein. Entlastungszeit kann nur im Umfang der Tariferhöhung von drei Prozent = 60,27 Stunden (erstmals 2019) oder von 2,1 Prozent = 42,19 Stunden (erstmals 2020) beziehungsweise zusammen ab 2020 im Umfang von 102,46 Stunden beansprucht werden.

  • Wie lange gilt der Anspruch auf Entlastungszeit und wann und wie kann aus der Entlastungszeit zum erhöhten Monats-grundentgelt zurückgewechselt werden?

    Wählen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Entlastungszeit anstelle der Tariferhöhung, so gilt die gewählte Entlastungszeit so lange, bis diese wieder abgewählt wird. Mindestens aber für ein Kalenderjahr. Auch das „Zurückgehen“ aus der Entlastungszeit muss bis zum 30. September des Vorjahres mit einem Formblatt dem Arbeitgeber mitgeteilt werden. Beispiel: Entlastungszeit von 60,27 Stunden wurde bis zum 30. September 2018 für das Kalenderjahr 2019 beansprucht. Soll die Entlastungszeit von 60,27 Stunden auch für 2020 beansprucht werden, ist nichts zu veranlassen. Soll ab dem Jahr 2020 neben der Entlastungszeit von 60,27 Stunden zusätzlich auch die Entlastungszeit von 42,19 Stunden beansprucht werden, dann muss dies spätestens bis zum 30. September 2019 dem Arbeitgeber mitgeteilt werden. Soll anstelle der Entlastungszeit von 60,27 Stunden im Jahr 2020 die Entlastungszeit von 42,19 Stunden beansprucht werden, dann muss der Wechsel von 60,27 Stunden zu einem Entlastungszeitanspruch von 42,19 Stunden auch spätestens bis zum 30. September 2019 dem Arbeitgeber mitgeteilt werden. Soll die Entlastungszeit von 60,27 Stunden im Jahr 2019 im Jahr 2020 nicht mehr beansprucht werden, muss auch der Widerruf dem Arbeitgeber bis spätestens zum 30. September 2019 schriftlich mitgeteilt werden. Der Anspruch auf Entlastungszeit endet für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die in Altersteilzeit gehen, automatisch einen Monat vor dem Beginn der Altersteilzeit.

  • Muss Entlastungszeit bereits ab 2018 beansprucht werden, oder kann Entlastungszeit auch erst für spätere Jahre beansprucht werden?

    Da die Tarifregelungen zur Entlastungszeit unbefristet gelten, können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer diese auch erst für spätere Jahre beanspruchen. Beispielsweise kann Entlastungszeit für das Jahr 2021 beansprucht werden, auch wenn diese beispielsweise in den Jahren 2019 und 2020 nicht beansprucht worden war. Die Beanspruchung muss bis zum 30. September des Vorjahres schriftlich erfolgen.

  • Was muss veranlasst werden, wenn keine Entlastungszeit in Anspruch genommen werden soll?

    Wenn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer keine Entlastungszeit beanspruchen wollen, dann müssen diese Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nichts veranlassen. Die Tariferhöhung wird automatisch gewährt. Nur Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Entlastungszeit beanspruchen wollen, müssen dies dem Arbeitgeber bis 30. September mitteilen. Ebenso zu diesem Datum muss dem Arbeitgeber mitgeteilt werden, wenn man im folgenden Kalender wieder aus der Entlastungszeit heraus will.

  • Wie wird Entlastungszeit abgewickelt?

    Die Entlastungszeit wird durch Freistellung in ganzen Schichten auf Antrag der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer abgewickelt (auch mehrtägig, im Zusammenhang mit Urlaub oder auch mit Feiertagen). Entlastungszeit wird bei Freistellung im Umfang der dienstplan 2018mäßigen Arbeitszeit abgewickelt. Bean-tragen Arbeitnehmerinnen und Arbeit-nehmer eine Freistellung, so muss der Arbeitgeber diese beantragte Freistellung aus Entlastungszeit unverzüglich genehmigen, wenn keine betrieblichen Gründe entgegenstehen. Eine Ablehnung muss durch den Arbeitgeber begründet werden und der Arbeitgeber muss zwei zeitnah am Freistellungswunsch liegende Ersatztermine vorschlagen.

  • Was passiert mit der Entlastungszeit, wenn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am Tage der Abwicklung erkranken?

    Wird die Erkrankung unverzüglich angezeigt und durch ärztliches Zeugnis (Attest) nachgewiesen, dann wird die Entlastungszeit nicht als abgewickelt abgebucht.

  • Was passiert mit Entlastungszeit, die nicht bis zum 31. Dezember abgewickelt wurde?

    Entlastungszeit, die nicht bis zum 31. Dezember abgewickelt wurde, wird mit der Entgeltzahlung im Januar zum erhöhten Tarif ausgezahlt. Die Barabgeltung erfolgt auch im Falle der Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

  • Wann kann Entlastungszeit erstmals beansprucht werden?

    Die Tariferhöhung von drei Prozent in diesem Jahr erfolgt zum 1. Oktober 2018. Erstmals kann anstelle der drei Prozent ab Oktober 2018 bis zum 31. Dezember 2018 Entlastungszeit in Höhe von 15,07 Stunden beansprucht werden (1/4 von 60,27 Stunden) – also für drei Monate. Das gleiche gilt auch für die Tariferhöhung von 2,1 Prozent ab dem 1. Oktober 2019. Hier entsteht ein Anspruch für den Zeitraum vom 1. Oktober 2019 bis zum 31. Dezember 2019 in Höhe von 10,55 Stunden (1/4 von 42,19 Stunden). Soll Entlastungszeit für das letzte Quartal 2018 oder 2019 beansprucht werden, muss dies bis zum 30. Juni dem Arbeitgeber schriftlich mitgeteilt werden.

  • Wie wird das Monatsgrundentgelt angepasst, wenn erst für das gesamte Kalenderjahr 2019 eine Entlastungszeit beansprucht wird?

    Wird Entlastungszeit für das gesamte Kalenderjahr 2019 beansprucht, dann muss dies bis zum 30. September 2018 dem Arbeitgeber schriftlich mitgeteilt werden (Formblatt). Da die Entlastungszeit erst zum 1. Januar 2019 beginnt, steigt zunächst das Monatsgrundentgelt zum 1. Oktober 2018 um drei Prozent. Damit erhalten die Arbeitnehmer auch ein um drei Prozent erhöhtes 13. Monatsentgelt (Weihnachtsgeld) – also vier Mal ein um drei Prozent erhöhtes Tarifentgelt (Oktober, November, Dezember und das 13. Monatsentgelt). Zum 1. Januar 2019 sinkt das Monatsgrundentgelt wieder auf die Summe vor der dreiprozentigen Tariferhöhung, die bis zum 30. September 2018 galt. Anstelle der drei Prozent Tariferhöhung haben die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Kalenderjahr einen Anspruch auf Entlastungszeit in Höhe von 60,27 Stunden (vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer).

  • Wird das Monatsgrundentgelt durch zukünftige Tarifrunden erhöht, wenn Entlastungszeit beansprucht wird?

    Ja. Entlastungszeit wird anstelle der Tariferhöhungen von drei Prozent beziehungsweise 2,1 Prozent gewährt. Werden die Monatsgrundentgelte danach durch zukünftige Tarifrunden erhöht, erfolgt die Erhöhung auch für das Monatsgrundentgelt, das in der Entlastungszeit gezahlt wird.