Tarif

Was ist los im Bereich PeP der Post AG?

ver.di-Vize Andrea Kocsis im Interview

Was ist los im Bereich PeP der Post AG?

5.9.2018 +++ Umbau PeP oder auch Programm PeP – mit diesen Begrifflichkeiten ist der Arbeitgeber Deutsche Post AG derzeit in den Betrieben unterwegs. Der Konzern hat in seiner Bilanz eine Rückstellung gebildet, aus der unter anderem ein Vorruhestand für Beamte finanziert werden soll. Am 8. Juni hatte der Konzern eine Gewinnwarnung ausgegeben. Das lange Jahre für den Unternehmensbereich PeP (Post, e-Commerce, Parcel) verantwortliche Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes hat seinen Posten geräumt. Seitdem führt der Vorstandsvorsitzende Frank Appel die Geschäfte im Unternehmensbereich PeP. Wie ist das alles einzusortieren? Auf was müssen sich die Beschäftigten einstellen? Darüber sprachen wir mit der stellvertretenden ver.di-Vorsitzenden Andrea Kocsis.

Portrait Andrea Kocsis Kay Herschelmann Andrea Kocsis

Frage | Wie siehst du die Situation im Betrieb?

Andrea Kocsis | Das Unternehmen sagt, man habe kein Problem am Markt, aber man sei nicht überall effizient genug. Das heißt übersetzt: Es gibt genügend Arbeit und das merken die Beschäftigten ja auch. Die Zahl der Pakete ist stärker gestiegen als die Erträge daraus. Hier muss das Unternehmen seine Preispolitik prüfen. Es wird jetzt im Unternehmen auch über die Laufzeitqualität, die Pünktlichkeit bei den internen Zuführungen oder auch über das Fehlen von Betriebsmitteln wie beispielsweise Ersatzakkus gesprochen. Für die Beschäftigten, die Betriebsräte und ver.di sind das keine neuen Themen. Da drängen wir schon lange auf Abhilfe und Verbesserungen. Der Arbeitgeber hat jetzt begonnen, bestimmte Gruppen von Beamten anzuschreiben und ihnen den Vorruhestand anzubieten. Insgesamt sehen wir im Moment mehr einzelne Puzzleteile als ein stimmiges Gesamtbild, wohin das Unternehmen nun will.

Frage | Wie sind die Aktivitäten des Arbeitgebers zum Vorruhestand für die Beamten einzuordnen? Was sagt ver.di dazu?

Andrea Kocsis | Der Vorruhestand ist ein Instrument, das ausschließlich dem Personalabbau dient. Es findet daher Anwendung in den Bereichen, in denen ein Personalüberhang besteht. Der Vorruhestand ist kein Instrument, um allen älteren Beamten einen geregelten Übergang in den Ruhestand zu ermöglichen oder gar ein Instrument zur altersgerechten Beschäftigung. Unser Ziel muss es aber sein, gerade unter Berücksichtigung des hohen Durchschnittsalters der Beamtinnen und Beamten, altersgerechte Arbeitsbedingungen und Entlastung zu schaffen und allen Beamten eine Perspektive auf einen geregelten Übergang in den Ruhestand zu ermöglichen. Das gilt vor allem für körperlich schwere Arbeit, zum Beispiel in der Zustellung. Das ist nicht das Ziel des Vorruhestandes und daher stehen wir diesem Instrument kritisch gegenüber.

Frage | Welchen Blick hat ver.di auf die Delivery GmbHs?

Andrea Kocsis | Die Doppelstruktur in der Zustellung macht nach unserem Dafürhalten keinen Sinn. Dass der Arbeitgeber jetzt Gemeinschaftsbetriebe schaffen will, lehnen wir ab. Es ist falsch, Menschen in verschiedenen Unternehmen zu beschäftigten, um sie dann mit unterschiedlichen Tarifverträgen und daraus resultierenden unterschiedlichen Arbeitsbedingungen in einem Betrieb  die gleiche Arbeit machen zu lassen. Es bleibt unsere Überzeugung, dass es eine effektive Integration der Beschäftigten der DHL Delivery GmbHs in einem Betrieb nur über die Integration der Beschäftigten in die Tarifverträge der Deutschen Post AG geben kann.

Frage | Es gab im Juni eine Gewinnwarnung. Was bedeutet das?

Andrea Kocsis | Die Deutsche Post AG steht wirtschaftlich gut da. Die sogenannte Gewinnwarnung ist die Mitteilung an die Finanzmärkte, dass man zum Jahresende 2018 nicht so viel Gewinn erwirtschaften wird, wie man ursprünglich den Aktionären verkündet hat. Der Vorstand hat sich im Jahr 2014 mit der Strategie 2020 das Ziel gesetzt, im Jahr 2020 fünf Milliarden Euro Gewinn zu machen. Diesem Ziel wird alles untergeordnet und in diesen Zusammenhang ist auch die „Gewinnwarnung“ zu sehen. Das ursprüngliche Gewinnziel für 2018 wird nicht erreicht, jetzt wird ein Teil des erwarteten Gewinnes aus 2018 in Restrukturierungen gesteckt werden. Das Unternehmen hat den Finanzmärkten vorgerechnet, dass es dadurch im Jahr 2020 im PeP-Bereich dann rund 1,7 Milliarden Euro Gewinn erreichen kann.

Frage | Müssen sich die Beschäftigten um ihre Zukunft sorgen?

Andrea Kocsis | Die Post ist kein Sanierungsfall, immerhin soll der PeP-Bereich in diesem Jahr ohne Restrukturierungskosten 1,1 Milliarden Euro Gewinn erzielen. Aber das Handeln des Unternehmens ist vorrangig an den Erwartungen des Kapitalmarktes orientiert. Unsere Aufgabe als Gewerkschaft und auch der Betriebsräte ist es, für gute Arbeitsbedingungen zu sorgen. Mit der Kraft unserer Mitglieder haben wir bei der Deutschen Post AG herausragende tarifvertragliche Regelungen durchgesetzt. Es besteht ein Tarifvertrag zum Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen. Ein Tarifvertrag zum Rationalisierungsschutz sichert auch bei Rationalisierungen zumutbare und gleichwertige Ersatzarbeitsplätze. Das bietet hohe Sicherheit und Perspektive für die Beschäftigten. Gemeinsam werden wir auch in Zukunft alles daran setzen, gute Tarifverträge zu erhalten und weiter zu verbessern.