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Diskussionsrahmen für Tarifforderungen von 5,5 bis 6 Prozent

Diskussionsrahmen für Tarifforderungen von 5,5 bis 6 Prozent

Der Vorstand des ver.di-Bundesfachbereiches Postdienste, Speditionen und Logistik hat am 11. November 2021 die Empfehlung für die Diskussion über die Tarifforderungen für die Verhandlungen im Jahr 2022 beschlossen. Vorgeschlagen wurde ein Diskussionsrahmen zur Erhöhung der Einkommen und der Vergütungen für die Auszubildenden von 5,5 bis 6,5 Prozent bei einer Laufzeit der Tarifverträge von zwölf Monaten. Zusätzlich soll die Anhebung aller Tarifentgelte auf mindestens 12 Euro je Stunde erfolgen.

 

Bei der Diskussionsempfehlung hat sich der Vorstand an den volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen und an der Prognose des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) vom 29. September 2021 sowie der Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsforschungsinstitute vom 14. Oktober 2021 orientiert. Zusammenfassend kommen die vorliegenden Gutachten zur Erkenntnis, dass die deutsche Wirtschaft den konjunkturellen Tiefpunkt in Folge der Corona-Pandemie hinter sich gelassen hat und sich in einem Aufschwung befindet.

Dieser Aufschwung wird derzeit noch gebremst von gestörten Lieferketten. Die aktuellen Lieferengpässe dürften aber nur zu einer Verschiebung der Produktion ins nächste Jahr führen. Für das kommende Jahr geht das IMK davon aus, dass das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) um etwa 5 Prozent ansteigen wird.

Das IMK prognostiziert für das Jahr 2022 eine Preissteigerung in Höhe von 1,9 Prozent, während die Gemeinschaftsdiagnose eine Inflation in Höhe von 2,5 Prozent vorhersagt. Zudem wird davon ausgegangen, dass die Arbeitsproduktivität in Höhe von 1,9 Prozent ansteigt, die Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsforschungsinstitute prognostiziert sogar volkswirtschaftliche Produktivitätssteigerungen im Umfang von 2,5 Prozent.

Die Summe aus Preissteigerung und Produktivitätszuwachs bildet den sogenannten verteilungsneutralen Spielraum. Dieser liegt nach den Gutachten zwischen 3,8 Prozent und 5 Prozent. Damit Arbeitnehmer*innen am gesellschaftlichen Wohlstand teilhaben, ist auch eine Umverteilungskomponente zu berücksichtigen. Zusammengefasst sind aus heutiger Sicht Forderungen im Gesamtvolumen von 5,5 bis 6,5 Prozent begründbar.

Tariferhöhungen tragen nachweislich dazu bei, die Kaufkraft der Haushalte und damit die Konsumnachfrage und Binnenkonjunktur merklich zu steigern. Daher ist eine verbesserte Einkommenssituation durch ordentliche Tariferhöhungen eine Voraussetzung, damit der private Konsum die erforderliche Dynamik entfaltet.

Du als ver.di-Mitglied kannst dich jetzt an der Diskussion in deinem Landesbezirksfachbereich beteiligen. Die Diskussionsergebnisse werden dann von dort an den Bundesfachbereichsvorstand übermittelt. Anfang März 2022 wird der Bundesfachbereichsvorstand auf dieser Grundlage als Orientierung eine gemeinsame Forderungsempfehlung für die Tarifrunden im Fachbereich beschließen. Diese Empfehlung wiederum wird Grundlage für die Diskussion und Beschlussfassung der konkreten Tarifforderung der zuständigen Tarifkommissionen. Hierbei werden dann auch ggf. erforderliche zusätzliche strukturelle Tarifforderungen festgelegt. 

 ver.di