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ver.di stellt sich der Tarifflucht bei FedEx entgegen

ver.di stellt sich der Tarifflucht bei FedEx entgegen

Ende März 2021 kündigte die Geschäftsführung der FedEx Express Germany GmbH (FEGG) sämtliche Tarifverträge zum 30. Juni 2021. ver.di forderte daraufhin den Arbeitgeber auf, in Tarifverhandlungen einzutreten und den Manteltarifvertrag in der zuletzt gültigen Fassung wieder abzuschließen. Für den Vergütungstarifvertrag wurde gefordert, die Entgelte um 6 Prozent zu erhöhen. Den entsprechenden Tarifverhandlungen hat sich die Geschäftsführung entzogen und Ende Juni mitgeteilt, dass das Unternehmen die Tarifbindung durch Beitritt zu den regionalen Arbeitgeberverbänden für die Speditions- und Logistikbranche herstellt. Mit diesem Schritt begibt sich der Arbeitgeber auf Tarifflucht.

Flugzeug der FedEx Express am Flughafen Rokas - stock.adobe.com Flugzeug der FedEx Express am Flughafen

 

Die Geschäftsführung will statt der Haustarifverträge, die ver.di für die Beschäftigten der FEGG abgeschlossen hat, eine für das Unternehmen günstigere Regelung anwenden. Dies ist eine Flucht aus den bislang gültigen Tarifverträgen. Klar ist, dass der Arbeitgeber damit beabsichtigt, künftig die Arbeits- und Einkommensbedingungen der Beschäftigten verschlechtern zu können. Ansonsten wäre die Tarifflucht für den Arbeitgeber aus dem Haustarifvertrag völlig sinnlos. Mit dem Beitritt zum Arbeitgeberverband kann ver.di die bislang gültigen Tarifverträge nicht mehr effektiv und im Zweifel auch nicht mit Streikmaßnahmen durchsetzen, sondern es herrscht die sogenannte Friedenspflicht. Die bisherige Forderung nach dem wieder in Kraft setzen des Manteltarifvertrags und einer Lohnerhöhung um 6 Prozent können ver.di und ver.di-Mitglieder nicht durchsetzen.

ver.di wird jetzt regionale Tarifforderungen entwickeln, die für die Beschäftigten bei der FEGG Sicherheit und Perspektive schaffen und das bisherige Haustarifvertragsniveau der FEGG auf tariflicher Ebene absichern. Diese Forderungen müssen dann durchgesetzt werden, wenn sich aus den regionalen Flächentarifverträgen keine Friedenspflicht ergibt. Dies ist üblicherweise nach Kündigung und Ablauf der Kündigungsfrist der regionalen Tarifverträge für die Speditions- und Logistikbranche der Fall. So besteht beispielsweise in Nordrhein-Westfalen ab dem 1. September 2021 keine Friedenspflicht mehr für den Lohntarifvertrag und den Gehaltstarifvertrag für die Speditions- und Logistikbranche.

Hier fordert ver.di jetzt von der FEGG den Abschluss eines Haustarifvertrages, der die Entgeltdifferenz zwischen dem bis zum 30. Juni 2021 geltenden Vergütungstarifvertrag und den Flächentarifverträgen der Speditions-, Logistik- und Transportwirtschaft Nordrhein-Westfalen ausgleicht.