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Generationenvertrag weiterentwickelt

Generationenvertrag weiterentwickelt

14.12.2018 +++ Der Generationenvertrag, ein im Jahr 2011 zwischen ver.di und der Deutschen Post AG geschlossenes Tarifmodell zu alternsgerechtem Arbeiten und zur Bewältigung des demografischen Wandels, wurde weiterentwickelt und deutlich verbessert. Die Änderungen treten zum 1. März 2019 in Kraft.

Zwei Zusteller Frank Rumpenhorst Erfolg für die Zukunft: Generationenvertrag

Altersteilzeit

Eine Altersteilzeit (ATZ) können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Deutschen Post AG nun ab Vollendung des 55. Lebensjahres für maximal 120 Monate in Anspruch nehmen. Voraussetzung dafür bleibt ein Wertguthaben im Zeitwertkonto von 55 Wertguthabenpunkten.

Während der ATZ wird das monatliche Teilzeitarbeitsentgelt, wie bisher einkommensabhängig, um einen Aufstockungsbetrag auf mindestens 79 bis höchstens 87 von Hundert des monatlichen Bezugs-Nettoentgeltes (Netto vor ATZ) erhöht. Die  einkommensabhängigen Aufstockungsbeträge werden für die verlängerte ATZ nach dem sechsten Jahr im höheren Umfang aus den Mitteln des Demografiefonds finanziert. Für die Beschäftigten ergibt sich aus dieser Finanzierungsregelung keine Veränderung des Aufstockungsbetrags in der ATZ.

Mit dem neuen Tarifvertrag konnte auch klar und ausdrücklich geregelt werden, dass die Aufstockungsbeträge bei langer Erkrankung auch während des Bezugs von Krankengeld gezahlt werden.

Zeitwertkonto

Ergänzend zu den bisherigen Einbringungsmöglichkeiten von Entgelt in das Zeitwertkonto (ZWK), können nun auch durch Bezahlung abgegoltener Überzeitarbeit (Paragraf 14 Abs. 5 ETV Deutsche Post AG) in wählbarer Höhe sowie ein frei wählbarer Teil des Steuerbruttos als Sondereinbringung eingebracht werden. Bei der Berechnung der jährlichen Einbringungsgrenze gemäß TV Nr. 160 Paragraf 4 Absatz 1 (30 Prozent) bleiben diese Einbringungen unberücksichtigt.

Die Einbringung muss vor Fälligkeit der Zahlung schriftlich erklärt werden. Dabei sollten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht in einem Monat 100 Prozent ihres Steuerbruttos einbringen, sondern die Einbringung so verteilen, dass für jeden Monat  Rentenbeiträge geleistet werden, damit alle Kalendermonate als Rentenbeitragsmonate zählen. Mit den neuen flexiblen Einbringungsmöglichkeiten kann ab dem 1. März dieses Jahres kurzfristig und unkompliziert ein höheres Wertguthaben im Zeitwertkonto aufgebaut werden.

Teilweise Freistellung

Die Deutsche Post AG und ver.di haben in den Verhandlungen auch über die Möglichkeit einer teilweisen Freistellung von der Arbeitsleistung aus dem ZWK verhandelt. Hierzu müsste nicht der Arbeitsvertrag verändert werden, sondern die Arbeitsleistung würde auf 50 Prozent reduziert (Teilfreistellung). Die Differenz zum bisherigen durchschnittlichen Entgelt würde aus dem Wertguthaben des ZWK entnommen.

Die teilweise Freistellung wird von den Tarifparteien jedoch erst nach Abschluss weiterer erforderlicher Prüfung der Auswirkung in Kraft treten können. Ein Zeitpunkt konnte daher noch nicht festgelegt werden.

Beamtinnen und Beamte

ver.di hat von der Deutschen Post AG die Übertragung der verlängerten Altersteilzeit auf die Beamtinnen und Beamten des Unternehmens eingefordert. Hierzu werden wir weitere erforderliche Gespräche in diesem Jahr aufnehmen.

Tarifabschluss

Al­terns­ge­rech­tes Ar­bei­ten

Am 7. Ok­to­ber 2011 ei­nig­ten sich ver­.­di und die Deut­sche Post AG auf den Ge­ne­ra­tio­nen­ver­trag. Der Ta­rif­ver­trag ist ein in­no­va­ti­ves In­stru­ment zur Ge­stal­tung al­ter(n)s­ge­rech­ten Ar­bei­tens. Die kör­per­li­che Be­an­spru­chung und Ar­beits­be­las­tung äl­te­rer Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer soll spür­bar re­du­ziert und der Ver­bleib der Be­schäf­tig­ten bei der Deut­schen Post AG in der Re­gel bis zum Er­rei­chen der je­wei­li­gen ge­setz­li­chen Re­gel­al­ters­gren­ze ge­för­dert wer­den. Der Ta­rif­ver­trag ist kein In­stru­ment zur Be­schleu­ni­gung des Per­so­nal­ab­baus.

Ausgezeichnet

Innovationspreis Generationenvertrag: Personalvorstand Angela Titzrath von der Deutschen Post AG und Stephan Teuscher von ver.di mit der Urkunde des Innovationspreises (v. l.)
Foto/Grafik: Markus Hintzen

Der Ge­ne­ra­tio­nen­ver­trag kommt nicht nur bei Be­schäf­tig­ten gut an. Als in der Ta­rif­land­schaft da­mals völ­lig neu­es Mo­dell, fand er im ge­sam­ten Land An­er­ken­nung. Er wur­de im Jahr 2013 mit dem In­no­va­ti­ons­preis der deut­schen Wirt­schaft, Ka­te­go­rie In­no­va­ti­ve Per­so­nal­kon­zep­te aus­ge­zeich­net.