Tarif

Deutsche Post AG - Mitgliederbefragung zum Tarifangebot

Deutsche Post AG

Mitgliederbefragung zum Tarifangebot vom 12. März bis 6. April

Schrift: Du entscheidest! Daneben ein rotes Ausrufezeichen ver.di

6.3.2018 +++ Das vom Arbeitgeber vorgelegte Tarifangebot ist ein schwieriges Angebot. Die ver.di- Mitglieder werden jetzt gefragt, ob sie für die Annahme des Angebotes sind oder es ablehnen und damit auch bereit sind, für ein besseres Angebot zu streiken.

In den Tarifverhandlungen für die rund 130.000 Tarifbeschäftigten der Deutschen Post AG legte das Unternehmen in der vierten Verhandlungsrunde nach zwei Verhandlungstagen am Morgen des 28. Februar 2018 ein Tarifangebot vor. Das Tarifangebot ist ein schwieriges Angebot. Es enthält zwar zu allen von ver.di aufgestellten Forderungen Elemente, bleibt aber zugleich hinter den Erwartungen zurück – und zwar insbesondere mit Blick auf den zweiten linearen Erhöhungsschritt von lediglich 2,1 Prozent im Jahr 2019.

Deshalb hat die Konzerntarifkommission am 28. Februar entschieden, eine Mitgliederbefragung durchzuführen. Diese wird in der Zeit vom 12. März bis 6. April 2018 in den Betrieben der Deutschen Post AG durchgeführt. Die ver.di- Mitglieder – Tarifkräfte und Auszubildende – werden jetzt gefragt, ob sie für die Annahme dieses Angebotes oder für die Ablehnung des Angebotes sind und damit auch bereit sind, für ein besseres Angebot zu streiken.

Die Mitgliederbefragung

Anders als die Mitgliederbefragung zur Forderungsfindung vom November/ Dezember vorigen Jahres findet diese Mitgliederbefragung nach den Regularien der Arbeitskampfrichtlinie von ver.di statt. Damit gelten dieselben Regeln wie bei einer Urabstimmung zum Streik. Das bedeutet: Wenn mehr als 75 Prozent mit „NEIN“ gegen die Annahme des Angebotes stimmen – und damit für einen Streik – sind die Voraussetzungen für einen Arbeitskampf gegeben. Stimmen mehr als 25 Prozent mit „JA“ für die Annahme des Angebotes, sind die Voraussetzungen für eine Annahme des Angebotes gegeben.

Die Konzerntarifkommission wird am 10. April 2018 im Spiegel des Ergebnisses der Mitgliederbefragung über die Annahme oder Ablehnung des Tarifangebotes entscheiden.

Das Angebot

  • Umlegung des leistungsbezogenen variablen Entgelts auf das Monatsgrundentgelt

    Für die Entgeltgruppen (EGr) 1 bis 4 und die technische Entgeltgruppe (TEGr) 1 wird das Verfahren der Leistungsbeurteilung ab dem 1. Januar 2019 abgeschafft. Für das Beurteilungsjahr 2017 erfolgt die Zahlung eines variablen Entgelts im April 2018 zu unveränderten Bedingungen. Ab 1. März 2018 wird das variable Entgelt der EGr 1 bis 4 und der TEGr 1 auf das Monatsgrundentgelt umgelegt. Dies bedeutet, dass die Monatsentgelte in jeder Gruppenstufe um folgende Beträge je Entgeltgruppe im Monat erhöht werden: EGr 1 um 105,38 Euro, EGr 2 um 119,62 Euro, EGr 3 und TEGr 1 um 128,16 Euro, EGr 4 um 150,95 Euro. Damit wird das variable Entgelt, das bisher von der Bedingung einer guten Leistungsbeurteilung abhängig war, zukünftig bedingungslos monatlich ausgezahlt. Für Arbeitnehmer mit Besitzstand bleibt es bei der Anrechnung auf den Besitzstand.

  • Entgelterhöhung

    Vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer, die am 1. März 2018 in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis stehen, sollen im April eine Einmalzahlung in Höhe von 250 Euro erhalten. Teilzeitbeschäftigte erhalten die Einmalzahlung anteilig. Ab 1. Oktober 2018 werden die Tarifentgelte linear um drei Prozent erhöht. Ab 1. Oktober 2019 erfolgt eine weitere lineare Erhöhung um 2,1 Prozent. Die Erhöhungen wirken auch auf die Besitzstandstabellen. Die Entgelttabellen sind frühestens zum 31. Mai 2020 kündbar.

    Auszubildende und Studierende an Berufsakademien sollen im April 2018 eine Einmalzahlung von 100 Euro erhalten. Die Vergütung wird entsprechend der linearen Erhöhung der Entgelte der Arbeitnehmer um drei Prozent beziehungsweise 2,1 Prozent erhöht und dabei jeweils auf volle zehn Euro aufgerundet. Dadurch erfolgt eine überproportionale Erhöhung.
Darstellung des Optionsmodells: Es wurde eine Wahloption auf Entlastungszeit anstelle der Entgelterhöhung eingeführt. Am 1. Oktober 2018 steigen die Tariftabellen um drei Prozent. Damit können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer anstelle der Entgelterhöhung von drei Prozent eine kalenderjährliche Entlastungszeit von 60,27 Stunden (60 Std., 16 Min.) erstmals für das Jahr 2019 beanspruchen ver.di
  • Wahlmodell Entlastungszeit

    Mit dem Zeitpunkt der Entgelterhöhungen wird erstmals eine Wahloption auf Entlastungszeit anstelle der Entgelterhöhung eingeführt. Am 1. Oktober 2018 steigen die Tariftabellen um drei Prozent. Damit können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer anstelle der Entgelterhöhung von drei Prozent eine kalenderjährliche Entlastungszeit von 60,27 Stunden (60 Stunden, 16 Minuten) erstmals für das Jahr 2019 beanspruchen.

    Im Umfang der Entlastungszeit kann der Arbeitnehmer ganztägige und auch mehrtägige Freistellung von der Arbeit beanspruchen. Das Entgelt wird für die Freistellung fortgezahlt. Teilzeitbeschäftigte erhalten die Entlastungszeit anteilig. Die Entlastungszeit gilt jeweils für das folgende Kalenderjahr, wenn Entlastungszeit anstelle der Entgelterhöhung beansprucht wird. Die Entlastungszeit kann erstmals für das Jahr 2019 anstelle der drei Prozent Entgelterhöhung beansprucht werden. Da die Regelungen unbefristet in den Tarifvertrag eingeführt werden, kann sie auch für spätere Kalenderjahre beansprucht werden, oder auch wieder abgewählt werden.

    Die Beanspruchung der Entlastungszeit muss bis zum 30. September des Vorjahres dem Arbeitgeber schriftlich mitgeteilt werden. Wurde Entlastungszeit beansprucht, dann verlängert sich diese jeweils um ein Jahr, wenn der Verlängerung nicht bis zum 30. September widersprochen wird. Das Entgelt in der Entlastungszeit steigt auch im Umfang zukünftiger linearen Entgelterhöhungen. Wenn die Entlastungszeit nicht mehr beansprucht wird, steigt das Monatsgrundentgelt natürlich um den Prozentsatz der umgewandelten Tariferhöhung an. Entlastungszeit, die bis zum 31. Dezember nicht abgewickelt wurde, wird mit dem 31. Dezember zum erhöhten Tarif ausgezahlt. Mit der Tariferhöhung zum 1. Oktober 2019 um 2,1 Prozent kann eine Entlastungszeit anstelle der 2,1 Prozent von 42,19 Stunden (42 Stunden, 11 Minuten) beansprucht werden. Es kann somit ab dem Jahr 2020 mit allen Wahloptionen zusammen (60,27 Stunden und 42,19 Stunden) insgesamt 102,46 Std. (102 Stunden, 27 Minuten) Entlastungszeit beansprucht werden. Diese Tarifregelung schafft im Vergleich zu allen anderen bestehenden Tarifverträgen den höchsten Anspruch auf zusätzliche Freistellung durch Entlastungszeit.
  • Postzulage für die Beamtinnen und Beamten

    Die vier Prozent Postzulage werden über den 31. Januar 2018 hinaus bis 31. Mai 2020 fortgezahlt. Die Beamte erhalten im Zusammenhang mit der Postzulage im Oktober 2019 eine Einmalzahlung in Höhe von 350 Euro.