Erfolgreicher Abschluss bei Karstadt FIEGE

© Frank Indervoort
Protestierender Mitarbeiter bei FIEGE Karstadt Logistik.
25.09.2023
Streikposten bei FIEGE Karstadt Logistik

Ein guter Grund, stolz zu sein: Für die Beschäftigen des Logistikunternehmens FIEGE Galeria Karstadt Kaufhof (FIEGE GKK) konnte ein guter Abschluss in schwierigen Zeiten unter Dach und Fach gebracht werden.

Die Ausgangssituation war alles andere als einfach, wie der zuständige Gewerkschaftssekretär Frank Indervoort betont. Den Verhandlungen über die Entgelte seien schwierige Sozialplanverhandlungen mit zunächst sehr mickrigen Zusagen vorausgegangen. Sie waren nötig, weil wegen der zweiten Insolvenz von GKK die Standorte Essen (ca. 400 Beschäftigte) und Kremmen (ca. 60 Beschäftigte) 2024 geschlossen werden. Nur der Standort Unna mit ca. 1.400 Beschäftigten bleibt erhalten.

Obwohl ver.di am Ende einen guten Sozialplan durchsetzen konnte, war das Vertrauen zum Arbeitgeber FIEGE, der stets auf seinen familiären Umgang gepocht hatte, zerstört. „Besonders in Essen und Kremmen waren die Leute wütend, wollten zusätzlich zu den Abfindungen für die letzten Monate ordentlich Geld sehen“, berichtet Indervoort.

Schwierige Verhandlungen

So stießen in den ab April 2023 laufenden Entgeltverhandlungen die Arbeit-geberangebote nicht auf Gegenliebe: Auf dem Tisch lagen am 21. Juni zweimal 2,5 Prozent in 2023 und 2024 sowie ein einmaliger Inflationsausgleich von 500 Euro bei einer Laufzeit von 24 Monaten. ver.di hatte hingegen 11,5 Prozent mehr Lohn gefordert, mindestens jedoch 500 Euro – schließlich hatten die Beschäftigten 2022 und 2023 einen Reallohnverlust von 10 Prozent hinnehmen müssen. Der Lage des Unternehmens war sich die ver.di-Kommission dabei bewusst. Dennoch seien Lohnerhöhungen notwendig – auch um Arbeitskräfte zu halten bzw. neue zu gewinnen.

In den FIEGE-Betrieben kam es daraufhin vom 30. Juni bis 14. Juli 2023 zu Urabstimmungen für einen Erzwingungsstreik. „Das ist sehr ungewöhnlich für die Branche“, so Indervoort. Noch ungewöhnlicher war das Ergebnis: Die ver.di-Mitglieder bei FIEGE GKK stimmten in Kremmen, Essen und Unna zu 100 Prozent für einen unbefristeten Streik unter dem Motto „Familie muss da sein, wenn man sie braucht.“ Nach nur einem Streiktag am 17. Juli mit hervorragender Beteiligung knickte das Unternehmen ein, erbat neue Verhandlungen.

 

 
Kolleg*innen im Streik

Druck wirkt

Tatsächlich konnten für die Betriebe der FIEGE Karstadt Logistik stark verbesserte Tarifangebote veröffentlicht werden. Die Auszählung einer erneuten Urabstimmung über das Angebot offenbarte am 9. August große Zustimmung der ver.di-Mitglieder: In Essen stimmten 92 Prozent, in Unna 75 Prozent und in Kremmen 100 Prozent für die Annahme!

Beschäftigte an den Standorten Essen und Kremmen erhalten nun rückwirkend ab 1. Mai 2023 eine Entgelterhöhung von 7,5 Prozent und eine zusätzliche Inflationsausgleichssonderzahlung in Höhe von 1.250 Euro (netto), auszuzahlen in zwei Raten im Oktober 2023 und im Januar 2024. Die Sonderzahlung gilt auch für Beschäftigte, die vor der Betriebsschließung ausscheiden, sofern sie am 27. Juli 2023 dort tätig waren. Der Tarifvertrag läuft über 12 Monate bis zum 30. April.

Am Standort Unna erhalten die Beschäftigten rückwirkend ab Mai 2023 bis Dezember 2023 eine monatliche Inflationssonderzahlung von 120 Euro, im Januar 2024 winkt eine weitere einmalige Sonderzahlung in Höhe von 350 Euro. Von Februar 2024 bis Dezember 2024 gibt es dann einen monatlichen Inflationsausgleich von 140 Euro. Und ab Januar 2025 erhöhen sich die Tabellenentgelte um 11,5 Prozent. Dieser Tarifvertrag läuft bis 30. April 2025.

„Unsere ungewöhnlich guten Verhandlungsergebnisse waren nur durch die Streiks und die Entschlossenheit der Beschäftigten zu erreichen“, resümiert Indervoort zufrieden.

Ute C. Bauer